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Gemeinsame Küchen, Toiletten und Duschen: Der Arbeitskreis Asyl bemängelt Hygienebedingungen in Sammelunterkünften.

Darmstadt-Dieburg

Darmstadt-Dieburg: Flüchtlingshelfer fürchten Corona-Internierung

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130 Flüchtlinge in einer Unterkunft: Der Arbeitskreis Asyl Griesheim warnt vor einem Covid-19-Ausbruch in Gemeinschaftsunterkünften. Infektionsfälle gab es in Darmstadt und Groß-Gerau.

Vor den Risiken einer Verdichtung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften warnt der Arbeitskreis Asyl Griesheim in einem offenen Brief. Die geplante Schließung von Unterkünften aus Kostengründen führe dazu, dass in den verbliebenen Einrichtungen mehr Flüchtlinge untergebracht würden. Angesichts der Corona-Infektionsgefahr wäre „der bessere Weg, Leerstände zu nutzen, um die sehr dichte Belegung zu entzerren“, heißt es in dem Schreiben an die Sozialdezernentin des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

In Griesheim lebten beispielsweise in zwei Häusern dicht beieinander jeweils 130 und 100 Menschen zusammen. Küchen und Sanitäreinrichtungen würden gemeinsam genutzt, ohne dass Desinfektionsspender zur Verfügung stünden, heißt es weiter. Sollte es zu einem Ausbruch von Covid-19 kommen, seien mehr als 200 Menschen mit Kindern zu einer „wochenlangen haftähnlichen Internierung verurteilt“, warnt der Arbeitskreis. Dies könnte für die Stadt Griesheim und den Landkreis zu einem möglichen erneuten Shutdown führen.

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg bestätigte der Frankfurter Rundschau, dass Unterkünfte geschlossen werden, da die Belegungszahlen durch weniger Zuweisungen stark zurückgegangen seien. Derzeit lebten noch 2205 Flüchtlinge in 128 Gemeinschaftsunterkünften. Zudem seien manche Unterkünfte nicht mehr bewohnbar oder die Mietverhältnisse seien ausgelaufen. „Wir versuchen, die Bewohner und die Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen und haben ein mit dem Gesundheitsamt abgestimmtes Konzept“, teilte das Dezernat mit. Dazu gehöre unter anderem ein Besuchsverbot oder die Kontrolle der Putzpläne. Die Bewohner gingen sehr verantwortungsbewusst mit dem Thema Corona um. Leere Wohneinheiten würden für Quarantänefälle bereit gehalten. Zudem sei es bisher zu keinen Infektionen gekommen, so der Landkreis.

In anderen Kommunen - etwa in Groß-Gerau und Darmstadt – traten bereits Infektionsfälle in Flüchtlingseinrichtungen auf. In Darmstadt mussten in den vergangenen Wochen drei positiv bestätigte Einzelfälle isoliert und ihre Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden. Dafür stünden spezielle Wohneinheiten bereit, teilte die Stadt mit. Alle Personen seien zwischenzeitlich genesen. In sechs Darmstädter Erstwohnhäusern leben aktuell 1329 Menschen.

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