Sprung in die Freiheit: Der Wisentbulle Shakal kommt auf dem Muna-Gelände an.
+
Sprung in die Freiheit: Der Wisentbulle Shakal kommt auf dem Muna-Gelände an.

Darmstadt-Dieburg

Darmstadt-Dieburg: Bulle Shakal ist da

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
    schließen

Die Wisent-Herde auf dem ehemaligen Militärgelände Muna bei Münster ist jetzt komplett. Derzeit werden die Tiere an den Menschen gewöhnt.

Heute waren die Tiere etwas stinkig, weil ich erst gegen Mittag kam“, sagt Harald Fuhrländer. Er ist Bundesförster für Südhessen und derzeit mit der Eingewöhnung der Wisente auf dem Muna-Gelände bei Münster zuständig. Die neun Tiere sind Teil eines im Rhein-Main-Gebiet einzigartigen Naturschutzprojekts, das der Bundesforstbetrieb Schwarzenborn der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit der Gemeinde Münster und der Deutschen Bahn umsetzt.

Bulle Shakal ist da

Angekommen im Paradies: Gibt es hier keine Zäune?
Angekommen im Paradies: Gibt es hier keine Zäune? © Christoph Goebel, Bundesforst
Das ehemalige Militärgelände aus der Luft. Man sieht die Sprengkrater, die durch Explosionen entstanden sind.
Das ehemalige Militärgelände aus der Luft. Man sieht die Sprengkrater, die durch Explosionen entstanden sind. © Christoph Goebel, Bundesforst
Die Kühe durften sich schon mal einleben.
Die Kühe durften sich schon mal einleben. © Christoph Goebel, Bundesforst
Mindestens 150 Tonnen Wehrmachtsmunition wurden berets geborgen. Viele Stellen sind noch verseucht. Für die Tiere soll aber keine Gefahr bestehen.
Mindestens 150 Tonnen Wehrmachtsmunition wurden berets geborgen. Viele Stellen sind noch verseucht. Für die Tiere soll aber keine Gefahr bestehen. © Christoph Goebel, Bundesforst
Zahlreiche Gebäude der Wehrmacht und der US-Army wurden für das Naturschutzprojekt abgerissen.
Zahlreiche Gebäude der Wehrmacht und der US-Army wurden für das Naturschutzprojekt abgerissen. © Christoph Goebel, Bundesforst

Am vorigen Wochenende kam der 780 Kilogramm schweren Bulle Shakal als letztes Mitglied der Herde an. „Er ist schon der Boss“, sagt Fuhrländer. „Wenn er sich hinlegt, legen sich die Kühe um ihn herum.“ Die beiden mit Sendern versehenen Leitkühe Eileen und Dena drängten sich sogar an ihn. Fuhrländer, der unter anderem Erfahrung mit Wildpferden und Wasserbüffeln hat, besucht die Herde täglich. Dann ruft er sie herbei und füttert die Tiere mit Zuckerrüben und Möhren, um sie an Menschen zu gewöhnen. Ansonsten fänden sie in ihrem Eingewöhnungsgehege genug zu fressen – es sei immerhin sieben Hektar groß. „Die müssen gedacht haben, sie seien im Paradies, weil überhaupt kein Zaun kommt“, vermutet Fuhrländer. Ihre früheren Gehege seien sicher kleiner gewesen.

Während der siebenjährige Bulle aus dem Wisentpark Kropp in Schleswig-Holstein kommt, trafen seit Anfang Mai die zwei- bis siebenjährigen Kühe aus den Wisentgehegen Hardehausen, Springe und Usedom ein. Ab Herbst solle die Herde das gesamte 250 Hektar große Gelände beweiden, sagt Christoph Goebel, Leiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn. Auch eine Herde Przewalskipferde soll noch angesiedelt werden.

So schmeckt die Freiheit...

Bis die ersten Besucher die Tiere im Naturreservat beobachten können, wird es noch ein wenig dauern. Ein naturpädagogisches Erlebniszentrum samt Aussichtsplattform ist in Planung. Laut Fuhrländer wird derzeit ein Aussichtshügel gebaut, der Ende Juni fertig sein soll.

Auf dem ehemaligen Militärgelände Muna wurde im Zweiten Weltkrieg Munition hergestellt und verladen. Als die Amerikaner 1945 einmarschierten, sprengte die Wehrmacht ihre Bestände. Das Gelände wurde verseucht, Sprengkrater entstanden. Nach dem Krieg nutzte die US-Army das Areal als Munitions- und später als Nachschubdepot für Sonderwaffen; auch Nuklearsprengköpfe sollen hier gelagert worden sein. Bislang wurden 150 Tonnen Munition geräumt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare