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Die äußeren Platanen des historischen Hains sind noch am robustesten, die inneren teilweise nicht mehr zu retten. monika müller

Darmstadt

Darmstadt: Boden der Mathildenhöhe so hart wie Beton

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Der Platanenhain erhält Gräben, damit sich die Baumwurzeln wieder ausbreiten können. Die „Freunde der Mathildenhöhe“ wollen eine Spendenaktion initiieren.

Wie steht es um den Platanenhain am Fuße des Hochzeitsturms und wie können die zum Teil stark geschädigten Bäume auf der Mathildenhöhe gerettet werden? Antworten auf diese und ähnliche Fragen haben rund 60 Bürger bekommen, die am Montagabend in das Foyer des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt gekommen waren. Sie bekamen die Ergebnisse des von der Stadt in Auftrag gegebenen Baum- und Bodengutachtens sowie ein artenschutzrechtliches Gutachten präsentiert.

Um den Platanenhain auf der Mathildenhöhe zu sanieren, werden in den nächsten vier Jahren geschlossene Belüftungs- und Wurzelgräben angelegt sowie mindestens 40 Bäume gefällt und durch neue ersetzt. Das hatte die Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit in der vergangenen Woche beschlossen. Mit Rücksicht auf den geschädigten Boden wird die Stadt künftig zudem keine Volksfeste oder größere Veranstaltungen mehr zulassen.

Kaum noch Wurzeln

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) teilte während der Informationsveranstaltung mit, dass für die Sanierung des um das Jahr 1830 einst innerhalb eines Landschaftsgartens angelegten Hains 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stünden. Doris Fath, die Leiterin des Grünflächenamtes, wies zudem Mutmaßungen von Bürgern zurück, in den vergangenen Jahren seien die Platanen auf der Mathildenhöhe schlecht gepflegt oder zu wenig gegossen worden. Nach den Worten Faths sollen nun Verträge mit Baumschulen unterzeichnet werden, um die Anzucht von neuen Bäumen sicherzustellen, die die 40 Platanen ersetzen sollen, die in den nächsten Jahren gefällt werden müssen.

Markus Streckenbach vom Sachverständigenbüro für urbane Vegetation in Bochum und Katharina Weltecke vom Sachverständigenbüro Boden und Baum in Bad Arolsen, verdeutlichten anhand von Fotoaufnahmen und Dokumentationen, dass es im stark verdichteten Boden auf der Mathildenhöhe kaum noch Wurzeln der Bäume gebe. Etliche Bäume seien morsch, die Köpfe abgestorben und von einem Baumpilz befallen, so dass sich die Blätter einrollen. Insbesondere im Inneren des Hains seien etliche der jüngeren Bäume kaum noch lebensfähig. Von den 178 Ahornblättrigen Platanen sind nach Darstellung Streckenbachs 78 Exemplare in einem „guten bis sehr guten Zustand“, 60 Exemplare in einem „noch zufriedenstellenden Zustand“ und 40 Exemplare wiesen „deutliche Mängeln bis zur Abgängigkeit“ auf.

Bei der Untersuchung des Boden habe man mit Presslufthammern arbeiten müssen. „Auf diesem Untergrund könnte man problemlos den Kölner Dom errichten“, sagte etwa die Sachverständige Weltecke. Nur bis zu einer Tiefe von drei bis zehn Zentimeter habe man einen dünnen Wurzelfilz nachweisen können.

Die bis zu 1,20 Meter tiefen und 40 Zentimeter breiten Wurzelgräben, die schachbrettartig im Platanenhain angelegt werden sollen, sollen mit einem speziellen Substrat befüllt werden, um den Wurzeln der Platanen die Chance zu geben, sich wieder auszubreiten. Weltecke äußerte sich optimistisch, dass diese Methode auch funktioniert. Bei Löchern, die vor einigen Jahren für Probebohrungen angelegt wurden, habe man gesehen, dass diese von Wurzeln durchsetzt gewesen seien.

OB Partsch und Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) äußerten, es werde „alles dafür getan, um die Krone der Stadt wieder zum Erstrahlen zu bringen“ und die Bäume zu retten, sofern sie zu retten seien. Positiv reagierten Partsch und Akdeniz auf die Idee eines Vorstandsmitglieds des Vereins der Freunde der Mathildenhöhe, eine Spendenaktion zugunsten des Platanenhains zu initiieren.

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