Stein des Anstoßes: der geplante zweite Aldi-Markt an der Frankfurter Landstraße in Darmstadt-Arheilgen.  
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Stein des Anstoßes: der geplante zweite Aldi-Markt an der Frankfurter Landstraße in Darmstadt-Arheilgen.  

Darmstadt

Streit um zweiten Aldi in Arheilgen: BI für kleinteiligere Bebauung

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Interessengemeinschaft Arheilger Bürger präsentiert alternative Bebauungsvorschläge für eine Brachfläche im Zentrum des Darmstädter Stadtteils. Die Stadt prüft derzeit Einwendungen gegen das umstrittene Bauvorhaben. Neben einem weiteren Discounter sollen auf dem Areal 15 Wohnungen entstehen.

Dem Planungsamt der Stadt Darmstadt liegen inzwischen rund 1000 Einwendungen und Schriftsätze im Zusammenhang mit dem geplanten zweiten Aldi-Markt im Ortszentrum des Stadtteils Arheilgen vor. Bis Ende Januar hatte die Stadt die Entwürfe für das Bauvorhaben öffentlich ausgelegt. Danach konnten Stellungnahmen eingereicht werden.

Während die städtische Behörde die Einwendungen prüft, hat die bereits vor 33 Jahren gegründete Interessengemeinschaft Arheilger Bürger (IGAB) drei eigene Bebauungsvorschläge für die Baulücke zwischen der Frankfurter Landstraße und der Darmstädter Straße entwickelt. Ein Großteil der Fläche wird derzeit als geschotterter Parkplatz genutzt. Ein Spielplatz auf dem Gelände verfällt seit einigen Jahren.

Aldi in Arheilgen: BI veröffentlicht alternative Bebauungsentwürfe

Die alternativen Bebauungsentwürfe stammen von den Architekten Karsten Bliesener und Burkhard Gaugler, die nach Angaben von IGAB-Vorstandssprecherin Ute Dupper der Arheilger Bürgerinitiative freundschaftlich verbunden sind. Bliesener gehört auch dem Vorstand der IGAB an.

Die BI kritisiert, dass sich die Stadt nach der „Initiativbewerbung“ des Discounters richte und sich nun den Vorhaben- und Erschließungsplan des Bauherrn zu eigen mache. Nach den Vorstellungen der IGAB sollte die Stadt jedoch die letzte große Baulücke im historischen Ortszentrum von Arheilgen „einer dem Standort angemessenen Nutzung und Bebauung zuführen und die Chance ergreifen, das Ortszentrum weiter baulich aufzuwerten“.

Das Bauprojekt

Die Stadtverordneten haben Anfang Dezember 2019 beschlossen, für das Areal zwischen der Frankfurter Landstraße 171-173 und der Darmstädter Straße, das nördlich der Kreuzung der Frankfurter Landstraße mit der Unteren Mühlstraße und der Ettesterstraße liegt, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen.

Geplant ist der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses bestehend aus einem Aldi-Discounter in Verbindung mit 15 Wohnungen unweit des Stadtteilzentrums, dem Löwenplatz, wo es bereits einen Edeka-Markt gibt.

Die drei alternativen Bebauungsentwürfe berücksichtigen zum einen den Erhalt einer großen Platane, die an der Frankfurter Landstraße steht. Zum anderen schlagen die Architekten eine kleinteiligere Bebauung vor.

Architektur sollte sich an historischer Bebauung orientieren

Mit dem Zurücksetzen von Baukörpern sollten nach den Vorstellungen von Bliesener und Gaugler großzügige Begegnungszonen geschaffen werden. Die Architektur sollte sich an der historischen Bebauung, an den Projekten im Rahmen der Ortskernsanierung und am gültigen Bebauungsplan orientieren. Die Architekten haben eine Skizze mit einer großen Gewerbefläche, einen Entwurf mit gleichrangig Wohnungen und Gewerbe sowie einen dritten Vorschlag mit 25 Wohnungen, einer großzügigen Passage und Platz für größere Bäume vorgelegt.

CDU Arheilgen teilt Kritik am umstrittenen Aldi-Baukomplex

Entgegen dem Abstimmungsverhalten im Magistrat und im Stadtparlament ist inzwischen auch die Arheilger CDU gegen den geplanten Aldi-Komplex. Die Kritik an dem Projekt sei „berechtigt“ und werde „in wesentlichen Teilen geteilt“, sagt der Arheilger CDU-Vorsitzende Christof Lorang. Innerparteilich konnte Lorang damit allerdings nicht punkten. Während des jüngsten CDU-Kreisparteitags wurde er mit dem schlechtesten Ergebnis in den Kreisvorstand der Darmstädter CDU gewählt.

Zum Weiterlesen: Nachdem die Grünen 30.000 Flugblätter zum geplanten Bau eines zweiten Aldi in Arheilgen und über ein Wohnbauprojekt am Bürgerpark verteilt, äußerten Initiativen Kritik an der „Schönfärberei“.

Auch Naturschützer lehnen den Aldi-Markt in Arheilgen ab: Der BUND Darmstadt moniert die geplante Versiegelung von Flächen, die Zerstörung einer Grünfläche und die vorgesehene Fällung von vier großen Bäumen.

Weiter Proteste gegen zweiten Aldi-Markt in Arheilgen: Während die Interessengemeinschaft Arheilger Bürger das geplante Wohn- und Geschäftshaus als „Monster-Neubau“ kritisiert, lobt inzwischen der mit externen Experten besetzte Gestaltungbeirat der Stadt Darmstadt die modifizierten Pläne für das Bauvorhaben.

Aldi will Filiale und Sozialwohnungen in Arheilgen bauen: Die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung stimmte Anfang Dezember 2019 für die Planung zum Bau der umstrittenen zweiten Filiale des Discounters und eines Wohnhauses mitten in Arheilgen.

Der Aldi-Architekt präsentierte dem Gestaltungsbeirat der Stadt Darmstadt im August 2019 modifizierte Pläne für das Bauprojekt in Arheilgen.

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