+
Der Museumschor trat in der Gemäldegalerie auf - natürlich stilvoll kostümiert.

Kultur

Charleston im Römischen Hof

  • schließen

Groß ist das Besucherinteresse in Darmstadt an der Museumsnacht des Landesmuseums unter dem Motto „Die Goldenen Zwanziger“.

Tap, Schritt, Tap, die Schrittfolge des 20th-Charleston ist im Grunde ganz einfach. Und so folgen viele Besucher der Aufforderung von Verena Jäger von den „Balboa-Heinern“, sich selbst an dem Tanz zu versuchen. Fast 30 Tanzpaare sind es schließlich, die im Römischen Hof des Landesmuseums den beliebten Tanz der 1920er-Jahre ausprobieren.

Unter dem Motto „Die Goldenen Zwanziger“ hat das Museum am Samstag zur Museumsnacht geladen und trotz starker Konkurrenz durch zahlreiche Feste in der Stadt und der Region haben viele Besucher den Weg in die Ausstellungshallen gefunden. Auffällig viele sind der Aufforderung gefolgt, sich im Stil der 1920er-Jahre zu kleiden und so freien Eintritt zu erhalten. „Ich hätte nie gedacht, dass so viele Besucher sich kostümieren“, sagt Lutz Fichtner, Organisator der Museumsnacht. Tatsächlich sind zeitweise die Besucher in moderner Kleidung in so mancher Abteilung in der Minderheit.

Während bei den Herren Hut, Weste und Anzug angesagt ist, sind die Kleider der Damen ausgefallener: Von elegant bis frech ist fast alles dabei, was auch um 1920 für Aufsehen gesorgt hätte. „Das Kleid ist selbstgeschneidert“, sagt Wladilena Salzmann, die ganz in Rot samt passender Feder fürs Haar ins Museum gekommen ist. „Allein die Frisur herzurichten dauerte eine Stunde“, sagt ihr Mann Viktor. Auch Museumsdirektor Martin Faass zeigt sich im schwarzen Frack gekleidet und wäre damit wohl auch vor 100 Jahren auf jede Gesellschaft gekommen.

Da das Motto zu den aktuellen Ausstellungen „Alltagstauglich“ und „Bauhaus-Positionen“ passe, habe man die Museumsnacht von September auf Juni vorverlegt. „Das war ein Risiko bei all den Festen an diesem Wochenende, aber es hat sich gelohnt“, sagt Fichtner. Und so gibt es Kuratorenführen durch die Sammlung, der Museumschor singt in der Gemäldegalerie oder die Besucher dürfen Schmuckstücke der Jugendstilsammlung mit Metallfolie nachbasteln. „Die Motive sind heute wieder modern“, sagt ein Besucher, der mit einer Schablone die Jugendstil-Ornamentik auf die Folie überträgt.

Der Museumschor trat in der Gemäldegalerie auf - natürlich stilvoll kostümiert.

Aus einem anderen Bereich des Museums hört man Kuratoren singen. „Nein, man muss nicht vorsingen, um bei uns eine Ausstellung zu kuratieren“, sagt Faass und lacht. „Aber wir haben Mitarbeiter mit vielen Talenten und das kommt uns bei der Museumsnacht zugute.“ Denn reine Fachkenntnis, so wichtig sie auch sei, helfe Museen heute nicht mehr. „Museen haben befinden sich in Konkurrenz mit einer Vielzahl an Angeboten. Deshalb müssen wir die richtige Sprache finden, um Besucher anzusprechen und dann unsere Inhalte zu vermitteln“, sagt der Museumsdirektor. Die Museumsnacht sei ein wichtiger Baustein dafür.

Während Diamantgutachterin Christina Kolbe Schmuckstücke begutachtet und erklärt, woran man einen echten Diamanten erkennt, geht es bei den „Balboa-Heinern“ eher schweißtreibend zu. Die Gruppe führt typische Tänze der „Goldenen Zwanziger“ auf. „Interessanterweise konnten damals auch zwei Frauen miteinander tanzen oder die Dame führte den Herrn: Die Swingtänze waren geschlechtsneutral“, sagt Verena Jäger. Durch Zufall habe das Museum bei ihnen für den Auftritt angefragt. „Da konnten wir nicht ‚Nein‘ sagen: Wann kann man schon mal an einem Ort wie diesem Museum tanzen“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare