Der Prozess gegen den angeklagten Amateuer-Fußballer fand im Foyer des Amtsgerichts in Dieburg statt.
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Der Prozess gegen den angeklagten Amateuer-Fußballer fand im Foyer des Amtsgerichts in Dieburg statt.

Prozess

Bewährungsstrafe für brutalen Schiri-Schläger aus Münster

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Geständiger Fußballer wegen gefährlicher Körperverletzung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. 28-Jähriger ärgerte sich über Platzverweis und schlug Schiedsrichter bewusstlos.

Ein 28 Jahre alter Mann aus Münster, der im Herbst vorigen Jahres während eines Amateurfußballspiels in Münster im Kreis Darmstadt-Dieburg einen Schiedsrichter bewusstlos geschlagen hatte, ist vom Amtsgericht Dieburg zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der arbeitslose Mann muss zudem an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. Zudem muss der Vater einer fünfjährigen Tochter 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten oder – sofern er einen sozialversicherungspflichtige Stelle beginnt – 2000 Euro an einen Schiedsrichter-Förderverein zahlen.

Staatsanwalt Alessandro Di Maria hatte den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, nachdem dieser am 27. Oktober 2019 während der Kreisliga-Begegnung zwischen dem FSV Münster und dem TV Semd aus Verärgerung über einen Platzverweis dem Schiedsrichter unvermittelt ins Gesicht geschlagen hat, so dass dieser zu Boden ging und mehrere Minuten bewusstlos am Boden lag. Der Geschädigte erlitt dadurch eine Gehirnerschütterung. Er musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Mainzer Klinik gebracht werden und war drei Wochen arbeitsunfähig. Der Fall hatte weit über Hessen hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt. So hatte der hessische Innen- und Sportminister Peter Beuth (CDU) klare Sanktionen und härtere Strafen bei Gewalt im Sport gefordert.

Staatsanwalt fordert 18 Monate auf Bewährung für Schiri-Schläger

Der Vertreter der Anklagebehörde beantragte in seinem Plädoyer, den Angeklagten zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe zu verurteilen und ihm eine Geldauflage von 2500 Euro aufzuerlegen. Der Faustschlag habe „den Nerv der Bevölkerung“ getroffen, sagte Di Maria.

Auch ein Fußballplatz sei „kein rechtsfreier Raum“. Die Gewalttat sei „potenziell lebensgefährlich“ gewesen. Der Schlag sei so heftig gewesen, dass der Schiedsrichter „wie von einem Blitz getroffen“ umgefallen sei.

Anwalt des Schiedsrichters schließt sich Staatsanwalt an

Tobias Reinhart, der Rechtsanwalt des Nebenklägers, wies auf die psychischen Folgen der Tat hin, weil sich der Geschädigte aus Angst vor ähnlichen Taten inzwischen entschieden habe, nicht mehr als Schiedsrichter im Amateurfußball tätig zu sein. Reinhart sagte, er finde das von Staatsanwalt Di Maria geforderte Strafmaß wegen gefährlicher Körperverletzung „angemessen“.

Schiri-Schläger aus Münster zeigt Reue

Heinz-Jürgen Borowsky, der Anwalt des geständigen und nicht vorbestraften Angeklagten, kündigte an, Schmerzensgeld, Fahrtkosten, Auslagen und Anwaltsgebühren in Höhe von rund 4400 Euro dem Anwalt des Geschädigten zu übergeben. Der Verteidiger sprach sich jedoch dafür aus, den Angeklagten lediglich wegen einfacher Körperverletzung zu verurteilen. Borowsky wollte kein konkretes Strafmaß fordern.

Richter: „Eine brutale und rücksichtslose Gewalttat“

Richter Christian Meisinger bezeichnete die Gewalttat in aller Öffentlichkeit, die mit einem Video dokumentiert worden war, als „brutal und rücksichtslos“. Das Gericht gehe nach der Beweisaufnahme davon aus, dass die Tat als gefährliche Körperverletzung zu werten sei, weil sie als eine „das Leben gefährdende Handlung“ durch den Angeklagten anzusehen sei, sagte Richter Meisinger. Auch für die medizinische Sachverständige sei der Faustschlag gegen den Kopf des Opfers lebensgefährdend gewesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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