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Das war einmal ein Teddybär: Eines derWerke von Christian Doeller.

Darmstadt

Wie verändert die Digitalisierung unseren Blick auf die Welt?

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Passend zur Digitalisierung in Corona-Zeiten lädt der Verein „Kultur einer Digitalstadt“ ins Datenlabor des Künstlers Christian Doeller. Besucher dürfen mitmachen.

Er legt Teddybären und Klopapierrollen auf den Scanner, druckt die Ergebnisse in 3D aus, verarbeitet sie weiter – so lange, bis das ursprüngliche Objekt nicht mehr zu erkennen ist. Aus einer Klopapierrolle wird so zum Beispiel eine Vulkanlandschaft mit Kratern. Christian Doeller realisiert Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie. Für seine Arbeit hat er jetzt ein einmonatiges Arbeitsstipendium des Vereins „Kultur einer Digitalstadt“ bekommen. Bis 7. Juni wird der 32-Jährige im Rahmen des „Artist in Residence“-Programms im Atelierhaus Ludwig-Engel-Weg 1 (LEW1) auf der Rosenhöhe wohnen und seine neues Projekt realisieren. Sein Aufenthalt in dem Drei-Zimmer-Wohnhaus der sechziger Jahre wird mit einem Honorar, Produktionskosten und Reisekosten in Höhe von insgesamt 4700 Euro gefördert.

Der Medien- und Installationskünstler Christian Doeller.

In Doellers aktuellem Projekt mit dem Titel „CYTTER.datalab“ gehe es um eine „digitale Form der stillen Post“, erklärt Projektleiterin und Kuratorin Barbara Struif im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Doeller, 1987 in Darmstadt geboren, sei bereits bei den Darmstädter Fototagen 2016 mit einem spektakulären Bild aufgefallen, dass das Selfie einer Kamera zeige, sagt Struif. Doeller beschäftige sich mit verschiedenen Mechanismen der Digitalisierung unseres Alltags und deren individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

Ab ins Künstlerlabor

Das Projekt„CYTTER.datalab“ läuft von 21. Mai bis 7. Juni. Jeweils donnerstags, 14 bis 20 Uhr, und sonntags, 12 bis 18 Uhr, kann das Atelierhaus Ludwig-Engel-Weg 1 in Darmstadt besucht werden. Mitmachen ist erwünscht.

Christian Doellerhat bereits mehrere Projekte im Rahmen internationaler „Artist in Residence“ Programme entwickelt, zuletzt im Zentrum für Neue Medien in Brünn, Tschechien. Er lebt und arbeitet in Leipzig. cka

Infosunter: www.kultur-digitalstadt.de

Auch arbeite er nachhaltig: Alle Gerätschaften, die er während seines Datenlabors zeigt, habe er aus Recyclingmaterial selbst gebaut, berichtet Struif. Den Besuchern bietet er dabei ein Tauschgeschäft an: Wer will, kann einen maximal 30 mal 30 Zentimeter großen Alltagsgegenstand abgeben, um diesen gegen sein digital erzeugtes Abbild – eine Zeichnung, ein gefrästes Objekt oder eine Datei – einzutauschen. „Dadurch werden gewohnte Gegenstände durch ihre technologisch modifizierten Spiegelbilder ersetzt“, heißt es in der Ankündigung der Ausstellung.

Der 2019 gegründete Verein „Kultur einer Digitalstadt“ ist an die Digitalstadt Darmstadt GmbH angekoppelt und wird unter anderem von städtischer Seite unterstützt. „Es braucht eine künstlerische Reflektion der Digitalstadt in der Gesellschaft“, erklärt Struif die Zielsetzung des Vereins. Seinen Sitz hat der Verein im Atelierhaus. Das Gebäude ist Teil der in den 1960er Jahren von der Stadt errichteten sogenannten „Neuen Künstlerkolonie“. Von 1965 bis 1967 wurden insgesamt sieben Atelier- und Wohnhäuser errichtet. Dort wohnten und wohnen traditionell Künstler.

Das erste dieser Atelierhäuser, das LEW1, hat die Stadt im Sommer 2019 als kulturelle Spielstätte zur Verfügung gestellt. Seine Architektur und die räumliche und inhaltliche Nähe zur Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe – einem wesentlichen Wegbereiter der Moderne – sei ein idealer Ausgangsort für diverse Vorhaben und Veranstaltungen, befindet er Verein. Weitere Veranstaltungen über die Künstlerresidenz hinaus seien geplant.

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