Darmstadt

Anwohner in Darmstadt gegen Umbenennung der Grundstraße

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Nazi-Ideologie hin oder her: Die Anwohner der Grundstraße in Kranichstein wollen sich Zeit und Geld für Adressänderungen sparen. Dass der ehemalige Stadtbaumeister nicht länger geehrt wird, hatte die Stadt beschlossen.

Die Stadt Darmstadt hat sich viel Mühe gemacht, die NS-Vergangenheit von Personen zu beleuchten, nach denen Straßen in der Stadt benannt sind. Und hat die Umbenennung von acht Straßen beschlossen. Unter ihnen ist neben der Hindenburgstraße auch die Grundstraße im Stadtteil Kranichstein. Doch jetzt haben die Anwohner eine ungewöhnlich Idee: Die Grundstraße soll in Grundstraße umbenannt werden. Das fordern 549 Anwohner, die dafür unterschrieben haben. Ingrid Maercker und ihre Nachbarinnen Nicole Cepa und Susanne Longerich hatten die Unterschriftenlisten in wenigen Wochen voll.

„Das hat nichts mit Ideologie zu tun, wir wollen keinen Nationalsozialisten verherrlichen“, sagt Maercker der FR. „Aber hier kennt keiner Peter Grund.“ Nur ein einziges Zusatzschild informiere über ihn. Das könne man abmontieren und viel Geld sparen, findet Maercker.

70 000 Euro veranschlagt die Stadt für die geplanten Umbenennungen. Den Bürgern sollen soweit möglich Kosten abgenommen werden. Aber auch den Aufwand – Adressänderung, Ummeldung und Beantragung neuer Papiere – fürchten die Anwohner. „Grund muss ja keinen Namensbezug haben und kann sich auch auf etwas anderes beziehen“, sagt Maercker. Tatsächlich kennt das Synonymlexikon 31 Bedeutungen zu Grund – von Abgrund bis Veranlassung.

Dass die Idee Sinn ergibt, findet auch ein Wuppertaler, der davon las und sich bei Maercker meldete: Auch in Wuppertal gebe es eine Grundstraße. Deutschlandweit sind es laut Straßenverzeichnis übrigens 126.

Unwahrscheinlich, dass die sich alle auf den Darmstädter Architekten beziehen. Der war im Nazi-Regime NSDAP-Referent für Städtebau. Nach dem Krieg wurde er Stadtbaumeister in Darmstadt und baute das Stadion am Böllenfalltor um.

Ihre Idee samt Unterschriften wollen Maercker und andere Anwohner diesen Freitag Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) präsentieren.

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