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Schränke reinigen, Löcher verfüllen oder Farbe anrühren: Langweilig wurde es den Pfadfindern am Wochenende nicht.

Engagement

Anpacken unter Zeitlimit

Pfadfinder, Ministranten und Kirchengruppen haben sich in Darmstadt an der 72-Stunden-Aktion der katholischen Kirche beteiligt.

Uns schickt der Himmel“, so steht es auf den grünen T-Shirts der Jugendlichen geschrieben. Und tatsächlich sind die 23 Pfadfinder des Stamms Liebfrauen-Darmstadt der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg mit einer Mission unterwegs: In nur 72 Stunden sollen im Souterrain der ehemaligen Kirche der Jefferson-Siedlung zwei Multifunktionsräume und eine Teeküche entstehen.

Die Pfadfinder beteiligen sich an der bundesweiten Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, in 72 Stunden, von Donnerstag, 17.07 Uhr bis Sonntagnachmittag, verschiedene Sozialprojekte zu realisieren. „Die Herausforderung dabei ist, dass die Gruppen zu Beginn nicht wissen, was für ein Projekt auf sie zukommt“, sagt Michael Linder, Dekanatsjugendreferent des Katholischen Dekanats Darmstadt. „Alles konnte von den Gruppen also erst am Donnerstagabend organisiert werden.“

Für die Pfadfinder war das eine ganze Menge: Zwei heruntergekommene Räume im Kirchengebäude der Jefferson-Siedlung sollen zu Multifunktionssporträumen für die Kinder und Jugendlichen des Flüchtlingswohnheims umgebaut werden. „Da die kleine Teeküche, die an einen Raum anschließt, auch schlimm aussah, haben wir spontan beschlossen, die auch noch aufzuarbeiten“, sagt Andreas Holzbeck, Leiter der Pfadfindergruppe. Eimerweise Wandfarbe und Reinigungsmittel mussten organisiert werden, alles aus Spenden. „Die Spendenbereitschaft für sämtliche Projekte ist riesig“, sagt Anke Haase, eine der Koordinatorinnen der Aktion.

Die Sozialaktion „Uns schickt der Himmel“ vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wurde von Donnerstag bis Sonntag bundesweit durchgeführt. Über 81 000 Jugendliche und junge Erwachsene haben sich dafür angemeldet.

Erstmals wurde die Aktion im Jahr 2013 bundesweit durchgeführt, davor gab es regionale Projekte.

Über 250 Jugendliche haben sich im Bereich des katholischen Dekanats Darmstadt an zwölf Projekten beteiligt. So wurde in Weiterstadt ein Spielplatz hergerichtet, an der Darmstädter Kita Liebfrauen Spielgeräte erneuert oder an der Erich-Kästner-Schule das Außengelände verschönert. 

Firmen und Privatpersonen haben Geld, Material und Verpflegung für die jungen Helfer gespendet, denn die übernachten jeweils vor Ort. „So haben gleich in der ersten Nacht bis um zwei Uhr morgens hier die Wände gesäubert und Schranktüren abgeschraubt“, sagt Julian, der sich um das Aufbereiten des Bodenbelags kümmert. Für den 13-Jährigen ist es das erste Mal, dass er an einer 72-Stunden-Aktion teilnimmt. „Die Herausforderung, es in der Zeit zu schaffen, das ist schon toll“, sagt er. Alma und Jolien waren schon 2013 bei der Aktion dabei. „Gemeinsam etwas für andere zu machen, ist unser Ding“, sagt die 16-jährige Alma. Gemeinsam mit der 15-jährigen Jolien bemalt sie die Wände eines Raumes, der für jüngere Kinder gedacht ist. Riesige Fesselballons und Luftballons malen sie an die Wände. „Als das Projekt im Film vorgestellt wurde, habe ich gehofft, dass das unseres wird - und es hat geklappt“, sagt Jolien.

Während im Freien die bunt bemalten Schranktüren trocknen, entsteht an einer Wandecke ein riesiges Lilien-Logo. „Die Lilien sind nicht nur Symbol der Pfadfindergruppe, der Fußballverein gehört auch zu den Projektpaten“, sagt Christian Novak vom Koordinationsteam. Da sei das Traditionslogo als Wandzierde doch selbstverständlich.

Während einige Teilnehmer Löcher im Raum mit Zement verfüllen, kümmern sich andere um die Reinigung des Bodens. Mit rot-weißem Flatterband sind Stellen abgeklebt, mehrere Reiniger werden ausprobiert. Andere kümmern sich in dieser Zeit darum, gespendete Yogamatten einzusammeln, die Fenster von alten Beklebungen zu befreien oder die verschmutzte Teeküche auf Hochglanz zu polieren.

Und tatsächlich, obwohl die Pfadfinder ihr ohnehin umfangreiches Vorhaben noch selbst erweitert haben, schaffen sie alles in der vorgegebenen Zeit. Am Sonntag bleibt so Zeit für ein gemeinsames Fest mit den Bewohnern. Die Kinder dürfen sich auch selbst an einer Wand verewigen: Die Pfadfinder haben einen Baum aufgemalt, die Kinder drücken ihre in Farbe getauchten Hände daran und geben dem Baum so Blätter. „Die Freude der Kinder zu sehen, gibt einfach Motivation“, sagt Pfadfinderin Jayda.

Weitere Informationen unter www.72stunden.de.

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