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Generalfeldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg.

Darmstadt

Darmstadt: Adieu Hindenburgstraße

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Der Darmstädter Magistrat will acht Straßennamen ändern, die an NS-Unterstützer erinnern.

Mehrere Hundert Straßen, Brücken und Plätze in Deutschland sind nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg benannt. Vielerorts wird seit Jahren eine Umbenennung diskutiert, da Hindenburg 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte.

Während in Mainz, Bad Homburg oder Kirchhain (Landkreis Marburg-Biedenkopf) die Umbenennungsbestrebungen scheiterten, soll in Darmstadt, wo ebenfalls seit langem darüber gestritten wird, die Hindenburgstraße einen neuen Namen bekommen. Das hat der Magistrat jetzt beschlossen. Zudem sollen sieben weitere Straßen umbenannt werden, weil sie nach Personen benannt sind, die das NS-Regime aktiv unterstützten, darin führende Positionen hatten oder antisemitische und rassistische Haltungen vertreten haben, wie Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) am Donnerstag darlegte. Grundlage für die Entscheidung bildet eine vom Babenhäuser Büro für Erinnerungskultur bundesweit durchgeführte historische Untersuchung von insgesamt 110 Darmstädter Straßennamen. Davon wurden 17 als kritisch erachtet. „Das vorliegende Ergebnis fasst zum ersten Mal eine historische Betrachtung der Straßennamen für unsere Stadt zusammen“, so OB Partsch.

Ein Fachbeirat prüfte die Ergebnisse und sprach Empfehlungen aus, denen der Magistrat folgte, sofern sich der Beirat einstimmig für eine Umbenennung aussprach. Dies war bei sieben Straßennamen der Fall. Sie heißen nach Hans von der Au, Gustav Brandis, Walter Georgii, Peter Grund, Christian Heinrich Kleukens, Richard Kuhn und Alarich Weiss. In fünf Fällen hatte der Beirat zwar „Bauchschmerzen“, wie Stadtarchivar Peter Engels sagte, lehnte die Umbennung jedoch ab. In weiteren fünf Fällen war der Beirat geteilter Meinung und plädierte zwar mehrheitlich, aber nicht einstimmig, für eine Umbennung. Darunter der Lyriker Karl Krolow und der Bildhauer Bernhard Hoetger, beide waren Mitglieder der Darmstädter Künstlerkolonie und eng mit der Mathildenhöhe verwoben, für deren Welterbestatus sich die Stadt derzeit bewirbt. Auch bei Hindenburg war man sich nicht einig. Dass der Magistrat dennoch die Umbenennung beschlossen hat, ist der „historischen Verantwortung“ geschuldet, die bei Hindenburg anders zu bewerten sei, begründete OB Partsch. Zudem sei er gemeinsam mit Erich Ludendorff der Erfinder der Dolchstoßlegende und habe damit „sehr früh zersetzendes Gift in die Weimarer Republik injiziert“.

Die Untersuchung habe zahlreiche Fakten zutage gefördert, die bisher bekannt nicht gewesen seien, sagte Engels. Dass Straßennamen nach dem Krieg überhaupt nach ehemaligen Nazi-Größen benannt werden konnten, liege daran, dass man die NS-Vergangenheit der Betroffenen verdrängt habe. So etwa beim damaligen Oberbaudirektor Peter Grund, der für die Darmstädter Meisterbauten verantwortlich war.

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