Angehender Pfarrer: Mark Adler vor der evangelischen Kirche in Reinheim-Georgenhausen.
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Angehender Pfarrer: Mark Adler vor der evangelischen Kirche in Reinheim-Georgenhausen.

Darmstadt

Darmstadt: Opernsänger Mark Adler sattelt um

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Der Tenor Mark Adler hat seine Bühnenkarriere beendet. Künftig wird man ihn in der Kirche als Pfarrer antreffen.

Mark Adler stand unter anderem als Max im „Freischütz“ und Belmonte in „Die Entführung aus dem Serail“ auf der Bühne. Er war von 2005 bis 2010 als Tenor Mitglied im Ensemble des Staatstheaters Darmstadt und gastierte später auf internationalen Bühnen, unter anderem in New York, Brüssel, Hong Kong und Melbourne. Doch mit 48 Jahren tauchte plötzlich die Frage auf: Will ich so bis zu meiner Rente weiter machen? Nein, wurde dem dreifachen Familienvater aus Darmstadt schnell klar. Er will Pfarrer sein.

„Schon mit 18 Jahren wollte ich das machen“, sagt Adler. Damals war er ein Jahr mit dem Berliner Missionswerk in Tansania gewesen. Engagierte sich darüber hinaus in der kirchlichen Jugendarbeit. Doch dann habe er sich für das Singen entschieden. „Ich komme aus einer musikalischen Familie.“ In seinem Geburtsort Berlin studierte er an der Hochschule der Künste und an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Gesang.

Jetzt absolvierte er das Theologiestudium an der Universität Heidelberg, inklusive dem Erlernen von Griechisch und Hebräisch. In seiner Masterarbeit schrieb er über den lutherischen Reformator Kaspar Aquila (1488 – 1560), der eigentlich Johann Kaspar Adler hieß. „Mit ihm bin ich wirklich verwandt“, so Adler.

Funktion des Singens

Auch wenn Adler die Theaterbühne hinter sich gelassen hat, ist das Singen doch weiter eine große Freude für ihn, die er auch in seinem neuen Beruf genießen kann. Beim Weihnachtsgottesdienst in der Kirche in Georgenhausen habe er gesungen und das sei gut angekommen. „Aber ich bin ja hier nicht als Sänger angestellt“, sagt er.

Das Singen habe eine wichtige Funktion in der Kirche. Zum einen als verbindendes Element zwischen den gesprochenen Teilen des Gottesdienstes. Außerdem transportierten die Lieder die Botschaft des Evangeliums in besonderer Weise. „Manchmal reicht es schon, wenn einer laut mitsingt, um die Gemeindemitglieder mitzunehmen.“ Nun, das dürfte für ihn kein Problem sein.

Auch plante Adler mehrere Konzerte, unter anderem in der Darmstädter Stadtkirche, die jedoch alle wegen der Corona-Krise abgesagt wurden. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat dazu aufgerufen, täglich um 19 Uhr „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Auch hier beteiligt sich Adler natürlich gerne aktiv von seinem Haus in Eberstadt aus. „Das Lied hat sehr viel mit der aktuellen Situation zu tun“, findet Adler.

Die Corona-Pandemie hat auch den 52-Jährigen ins Homeoffice getrieben. Dort unterstützt er seine Lehrpfarrer dabei Andachten zu schreiben, die dann an die Haushalte der Gemeindemitglieder verteilt werden. Oder er verfasst Rätselaufgaben und nette Botschaften für die Schüler, an deren Religionsunterricht er im Rahmen seines zweijährigen Vikariats beteiligt ist. Auch überlege er eine Facebookseite für die Gemeinde zu erstellen.

Insgesamt findet der zukünftige Pfarrer, die Kirche müsse neue Formate finden, um die Menschen anzuziehen und sich klar auch politisch gegen schlimme Zustände etwa in der Flüchtlingskrise positionieren.

Darüber hinaus sei die evangelische Kirche manchmal zu dezent: „Wir sollten den Leuten mehr von unserem Glauben erzählen.“

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