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Darmstadt: Nur Gewerbe auf Airfield-Areal bei Griesheim

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Von: Jens Joachim

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Bis auf einen Hangar sollen alle Gebäude des einstigen Kasernengeländes abgerissen werden.
Bis auf einen Hangar sollen alle Gebäude des einstigen Kasernengeländes abgerissen werden. © ROLF OESER

Das Darmstädter Stadtparlament gibt grünes Licht für die Aufstellung eines Bebauungsplans für die ehemalige „Stars and Stripes“-Kaserne. Wohnungsbau ist dort nicht vorgesehen.

Für die Konversionsfläche „Airfield Griesheim“, die sich zum Teil auf Darmstädter Gemarkung befindet, hat das Stadtparlament mit den Stimmen der Koalition aus Grünen, CDU und Volt sowie den Fraktionen von Uffbasse, FDP und AfD grünes Licht für die Aufstellung eines Bebauungsplans gegeben. Der Geltungsbereich des Bebauungsplans umfasst mehrere Flurstücke und Verkehrsflächen in der Nähe des August-Euler-Flugplatzes und eine Fläche von mehr als sieben Hektar. Mit dem Bebauungsplan wird das Planungsrecht für ein Einsatztrainingszentrum der Generalzolldirektion sowie weitere gewerbliche Nutzungen geschaffen.

Auf dem Gelände befand sich seit 1949 die Europazentrale der US-amerikanischen Armeezeitung „Stars and Stripes“, die nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Auflage von mehr als einer halben Million Exemplare erschien. Nach Auskunft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der Eigentümerin der Flächen, sind auf dem Gelände zwar Ver- und Entsorgungsanlagen vorhanden. Diese müssten jedoch an die Erfordernisse der zivilen Nutzung angepasst werden.

Die Stadt hatte bereits Ende März mitgeteilt, dass die Generalzolldirektion Darmstadt das Gelände als einen von elf Standorten für ihre geplanten Einsatztrainingszentren ausgewählt habe. Der Zoll will im westlichen Teil des Airfield-Areals auf einer Fläche von zweieinhalb Hektar einen aus drei Modulen bestehenden Sporthallen-, Schießanlagen- und Einsatztrainingskomplex errichten.

Vor vier Jahren hatte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) der Bima noch einen Teil der Konversionsfläche angeboten, um dort das Paul-Ehrlich-Institut anzusiedeln, das nun aber doch in Langen bleibt.

Im Plangebiet, für das es keinen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt, sind nach Angaben der Stadt mehrere Gebäude vorhanden, die mit der einstigen Flugplatznutzung im Zusammenhang stehen. Bis auf einen denkmalgeschützten Hangar sollen alle noch vorhandenen Gebäude abgerissen werden.

Laut dem nun gefassten Mehrheitsbeschluss soll das Gelände der ehemaligen Fliegerkaserne ausschließlich gewerblich genutzt werden. Ein neues Wohngebiet ist nicht vorgesehen.

Die geplante Errichtung des Zoll-Trainingszentrums stieß bei den Stadtverordneten durchweg auf Zustimmung. Der FDP-Fraktionvorsitzende Sven Beißwenger sah in der Ansiedlung der Bundeseinrichtung eine Aufwertung für die Stadt. Unterschiedliche Auffassungen gab es hingegen über die Frage, was mit der restlichen Fläche geschehen soll.

Die Linke-Stadtverordnete Maria Stockhaus kritisierte den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Stockhaus sagte mit Blick auf die zu erwartenden Gewerbesteuerzahlungen, Natur sei „wichtiger als Profite“. Zugleich sprach sie sich angesichts der Klimaerwärmung und mit Verweis auf die extreme Hitze in Indien für ein Ende der Flächenversiegelung aus. Die im Flächennutzungsplan ausgewiesene „Waldfläche“ dürfe die Stadt nicht für eine gewerbliche Nutzung opfern.

Stadtrat und Planungsdezernent Michael Kolmer (Grüne) warf Stockhaus vor, „Maß und Mitte völlig verfehlt“ zu haben. Nach seinen Worten soll „Nachhaltigkeit zu einem Leitmotiv des Gewerbegebiets werden“. In der Begründung der Magistratsvorlage schreibt Kolmer, es sei vorgesehen, „auf einem hohen Standard energiesparende und ressourcenschonende Qualitäten“ sicherzustellen. Es werde angestrebt, „Gebäude im Effizienzhaus-plus-Standard“ mit Photovoltaikanlagen auf allen Dachflächen sowie mit Dach-und Fassadenbegrünung zu errichten. Ebenso sollen beim Bau nachhaltige Materialien zum Einsatz kommen.

Michael Siebel (SPD) warb letztlich vergeblich dafür, neben der gewerblichen auch eine wohnbauliche Nachnutzung unter Berücksichtigung des Lärmschutzes zu prüfen. Einen entsprechenden Antrag lehnten die Koalition sowie Uffbasse, FDP und AfD ab.

Auf dem „Airfield Griesheim“-Gelände erinnert ein Gedenkstein an August Euler, den Namensgeber des benachbarten Flugplatzes.
Auf dem „Airfield Griesheim“-Gelände erinnert ein Gedenkstein an August Euler, den Namensgeber des benachbarten Flugplatzes. © ROLF OESER

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