Das Team der Notfallseelsorge.
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Das Team der Notfallseelsorge.

Darmstadt

Notfallseelsorge Darmstadt: Erste Hilfe mit offenen Herzen

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Notfallseelsorge in Darmstadt und Umgebung feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum werden zehn neue Seelsorger eingeführt.

Mit einem Gottesdienst im Offenen Haus hat die Notfallseelsorge für Darmstadt und Umgebung am Sonntag ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Zugleich wurden zehn neue ehrenamtlich tätige Seelsorgerinnen und -seelsorger in ihren Dienst eingeführt.

Am 2. Februar 2000 hatte die evangelische Pröpstin Karin Held die Notfallseelsorge ins Leben gerufen. An Pfingsten 2001 wurde Pfarrer Heiko Ruff-Kapraun als Leiter beauftragt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Als vor 20 Jahren die Notfallseelsorge gegründet wurde, sei die Zeit reif gewesen, weil sich auch die Gesellschaft verändert habe, sagt Ruff-Kapraun. Dass man sich auch um die seelischen Belange der Menschen bei Unfällen intensiver kümmern müsse, sei damals stärker wahrgenommen worden, beschreibt der Pfarrer die Voraussetzungen, wie es vor 20 Jahren zur Etablierung der Notfallseelsorge gekommen sei.

Notfallseelsorge: Es geht um die seelische Stabilität

Tragische Ereignisse wie die Flugschau-Katastrophe von Ramstein 1988, und die Bahnkatastrophe von Eschede 1998 hätten zu einem Bewusstseinswandel beigetragen. Die seelische Stabilität sei nun stärker in den Blick genommen worden als zuvor, so Ruff-Kapraun. Als „Graswurzelbewegung“ bezeichnet er den Ausbau der kirchlichen Notfallseelsorgesysteme sowie der Krankenhaus-, Hospiz- und Trauerseelsorge.

Derzeit arbeiten rund 50 Ehrenamtliche in der Darmstädter Notfallseelsorge mit. Seit fünf Jahren beteiligt sich auch die katholische Kirche daran, Susanne Fitz vom katholischen Dekanat gehört als Hauptamtliche zum Leitungsteam, dem neben Ruff-Kapraun auch noch Pfarrer Markus Großkopf angehört, der seinen Dienst in der Notfallseelsorge im Nebenamt betreibt. Zudem zählen vier gewählte ehrenamtliche Notfallseelsorger zum Leitungsteam.

Ausbildung zum Notfallseelsorger ist komplex

Wer ehrenamtlicher Notfallseelsorger werden will, muss eine komplexe Ausbildung mit 80 Unterrichtseinheiten absolvieren. Bestandteile der Ausbildung sind Gesprächsführung, Traumatologie und der Kontakt zu den anderen Gliedern der Rettungskette wie der Feuerwehr, dem Rettungsdienst und der Polizei. Die Ehrenamtlichen übernehmen per Einsatzplan jeweils zu zweit Schichten der Rufbereitschaft.

Das S.O.S.-Prinzip der Notfallseelsorge

Nach dem S.O.S.-Prinzip – Stabilisieren, Orientieren, Schützen – begleiten die Notfallseelsorger laut Ruff-Kapraun Angehörige, aber auch Einsatzkräfte. Während ihres Dienstes können sie selbst Supervision in Anspruch nehmen. In den vergangenen 20 Jahren wurden die Notfallseelsorger zu 3000 Einsätzen gerufen – durchschnittlich also drei Mal pro Woche. „Wir kommen mit leeren Händen“, sagt Notfallseelsorger Frieder Haug, der schon seit Beginn an dabei ist. „Und dabei wollen wir Mensch sein, einfach da sein, Ruhe hineinbringen, um für andere Menschen in einer ausweglosen Situation zur Verfügung stehen“, beschreibt er die zentralen Aufgaben der Notfallseelsorge.

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