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Herausgeber Paul-Hermann Gruner mit dem frischen Werk in Händen.

Literatur

Neues Buch zu Corona

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Die Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde präsentiert den Sammelband „CO-RO-NA“ mit Reaktionen auf den Lockdown. Eine Autorin ist nicht nur Namensvetterin des Virus, sondern war selbst erkrankt.

Es war, als hätte man mir in alle Schleimhäute eine Säure gegossen.“ So beschreibt die Autorin Corona Schmiele ihre Begegnung mit dem Covid-19-Erreger. Sie ist eine von 19 Autor:innen, die an dem jetzt erschienenen Buch „CO-RO-NA“ mitwirkten. Herausgebracht hat es die in Darmstadt ansässige Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens. Corona Schmiele, deren Vorname sie nicht wie gehofft immun gegen das Virus machte, sei dabei die einzige Autorin des Buchprojekts, die selbst erkrankte, verrät der Herausgeber und Geschäftsführer der Gesellschaft, Paul-Hermann Gruner, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Die Idee, einen Sammelband mit Reaktionen und Erfahrungen hessischer Autor:innen zur Covid-19-Pandemie herauszugeben, hatte Gruner, als klar wurde, dass die geplante Feier mit einem Vortrag zur Zukunft von Literaturgesellschaften im Zuge des Shutdowns obsolet war. Das Buch sollte „kommentieren, frotzeln, böse und satirisch sein“, sagt der Politikwissenschaftler. Das ist gelungen.

Buchvorstellung

Präsentiert wird der Band am Samstag, 10. Oktober, im Hoffart Theater, Lauteschlägerstraße 28 a, in Darmstadt. Beginn bei gutem Wetter um 18 Uhr, bei schlechtem Wetter um 19 Uhr. Einlass eine Stunde vorher. Eintritt 10, ermäßigt 5 Euro. Es lesen Stefan Benz, Dorit Zinn, Alex Dreppec, Frank Schuster, Barbara Zeizinger und PH Gruner.

Ticketreservierung unter Telefon 061 51 / 492 30 14 oder per Mail an hoffarttheater@gmx.de.

„Co-Ro-Na“, 184 Seiten, erschienen im Justus von Liebig Verlag (ISBN 978-3-87390-447-7), 15,80 Euro.

Infos unter https://geheli.de.

So lässt sich darin etwa „Welt“-Kolumnist Hans Zippert in zehn Glossen unter anderem über das Hamstern von Klopapier aus. Der frühere FR-Redakteur Frank Schuster rechnet in „Die Coronaklage“ mit dem Virus ab, und der ehemalige Darmstädter Oberbürgermeister Peter Benz lässt seine Lockdown-Erlebnisse in dem Beitrag „Der Pensionär, die Stadt, das Virus“ Revue passieren. Mit der Arbeit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt sich Iris Welker-Sturm kritisch auseinander. Sie schreibt unter anderem für das Darmstädter Frauenmagazin „Mathilde“. Aufgelockert werden die Texte durch Bilder der Fotografin Anna Meuer, die in ihrer Serie „Ohne Worte“ ihre Eindrücke von leeren Flughafengebäuden, gesperrten Rolltreppen und verwaisten Plätzen in Frankfurt festgehalten hat.

Wegen seiner jugendlichen Perspektive auf die Pandemie hat Gruner auch das Skript zu einem Theaterstück der Darmstädter Eleonorenschule aufgenommen. „Mutter Coronas Courage – sehr frei nach Bertolt Brecht“ besteche durch seine „rotzige Straßensprache“, findet Gruner.

Über die Beschäftigung mit einem „Thema dieser Zeit“ wolle man außerdem zeigen, dass sich eine Literaturgesellschaft auch mit aktuellen, jungen Themen auseinandersetze. Denn wie bei Parteien, Gewerkschaften oder Religionsgemeinschaften werde es immer schwieriger, Mitglieder zu finden. Seit Jahren liege die Mitgliederzahl bei etwa 120. „Heute will sich niemand mehr binden“, sagt Gruner, der auch Kopf der Literaturgruppe Poseidon ist.

Ziel der Gesellschaft ist die Förderung von Literatur, die durch Thema oder Autor:innenschaft mit Hessen verbunden ist. Insgesamt 132 Bände wurden seit 1960 herausgebracht. Darunter finden sich Autoren und Autorinnen wie Kurt Drawert, Herbert Heckmann, Georg Hensel, Peter Klotz, Karl Krolow, Karin Struck, Wolfgang Weyrauch und Gabriele Wohmann. Gegründet wurde die Gesellschaft am 15. Oktober 1960 vom damaligen Heag-Direktor Wilhelm Strahringer, Oberbürgermeister Ludwig Engel und anderen Literaturbegeisterten.

Neben den regelmäßigen Veröffentlichungen veranstaltet die Gesellschaft Lesungen, Autor:innengespräche und Vorträge. Am kommenden Samstag, 10. Oktober, wird das Buch zu Corona im HoffartTheater in Darmstadt vorgestellt.

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