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Keine Familienstiftung – stattdessen kümmert sich die neue Stiftung Ökohaus um politisch, rassistisch oder religiös Verfolgte.

Neugründungen

Hotspot für Familienstiftungen

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Im Regierungsbezirk Darmstadt werden immer mehr Stiftungen gegründet, die das Vermögen von Familien sichern sollen. 

Die Förderung der Wissenschaft oder die Unterstützung von Kunstprojekten: Das sind Ziele, die einem sofort einfallen, wenn man an Stiftungen denkt. Doch im Regierungsbezirk Darmstadt hat im vergangenen Jahr die Zahl der Gründung von Familienstiftungen zugenommen. Und das auf Rekordniveau, wie das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt unlängst mitteilte.

Von 53 neuen rechtsfähigen Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von mehr als 22 Millionen Euro seien 25 Familiensache. „Aus ganz Deutschland stammende Gründer von Familienstiftungen haben sich für den Regierungsbezirk Darmstadt als Sitz entschieden.“

Schwerpunkt ist dabei die Stadt Darmstadt: Von 24 Stiftungen die nun dort ihren Sitz haben, sind 20 Familienstiftungen. Diese verfolgen keine gemeinnützigen, sondern private Zwecke, dienen im Wesentlichen den Interessen einer oder mehrerer Familien. Die nicht steuerbegünstigten beziehungsweise privatnützigen Einrichtungen machen im Schnitt 6,6 Prozent der Stiftungen in Deutschland aus. Zum Regierungsbezirk Darmstadt gehören auch Frankfurt und Wiesbaden. Zum Vergleich: Von den 18 in Frankfurt neu gegründeten Stiftungen handelt es sich nur in vier Fällen um familiäre. In Wiesbaden wurde lediglich zwei Stiftungen gegründet, beide sind gemeinnützig.

Warum ausgerechnet in Darmstadt so viele Familienstiftungen aus dem Boden schießen, erklärt Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) auf Anfrage der Frankfurter Rundschau: „Das liegt daran, dass die Stifter bei der Anerkennung teilweise auf externen Sachverstand zurückgreifen.“ Will heißen, im Raum Darmstadt haben sich private Dienstleister angesiedelt, die die Gründer vertreten. Denn die Wahl des juristischen Stiftungssitzes in Hessen ist aufgrund der Stifterfreizügigkeit unabhängig vom Wohnort oder dem Ort der Zweckverwirklichung zulässig. Laut RP ist das in anderen Bundesländern nicht unbedingt der Fall.

Hessen liegt in der Tat nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen im Ländervergleich bei der Stiftungsdichte weit vorne: 33 Einrichtungen kommen hier auf 100 000 Einwohner. Insgesamt seien 2029 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts in Hessen verortet. Alleine das RP Darmstadt beaufsichtigt in Südhessen nahezu 1500 und hat damit nach eigenen Angaben den zahlenmäßig größten Zuständigkeitsbereich im Land.

Regierungsbezirk eine Art „Hotspot“ für Stiftungen

Dass ihr Regierungsbezirk eine Art „Hotspot“ für Stiftungen ist, führt die Regierungspräsidentin auch darauf zurück, dass das RP im Vorfeld einer Stiftungsgründung „intensiv berate“. Zudem fänden die Südhessischen Stiftungstage immer sehr großen Anklang. Insgesamt seien in der Behörde vier Personen mit der Stiftungsaufsicht befasst, darunter eine Juristin.

Dass Stifter in der Regel frei bei der Wahl des Standortes ihrer Stiftungen sind, bestätigt Katrin Kowark, Pressesprecherin des Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin. „Wir wissen aus Umfragen, dass neben der Qualität der Beratung im Gründungsgespräch die Serviceorientierung, Dienstleistungsorientierung, Flexibilität, Antwortgeschwindigkeit und ausreichende Personalausstattung häufig genannt werden, wenn es um die Zufriedenheit mit ihrer Behörde geht.“

In Hessen sind Familienstiftungen von der staatlichen Aufsicht befreit, wie es auf der Website eines Darmstädter Notars heißt, der sich auf Anfrage aber nicht zum Thema äußern wollte.

Für manchen Unternehmer besteht laut Industrie- und Handelskammer Darmstadt der Wunsch, das Unternehmen unabhängig von den Nachkommen zu erhalten. Hierzu eigne sich die Gründung einer Stiftung. Allerdings habe man diesen Fall in den vergangenen vier Jahren nicht mehr gehabt“, teilte Sprecher Thomas Klein der FR mit. „Wir beraten überwiegend kleine Unternehmen, eine Stiftung kommt erst ab einer bestimmten Größenordnung infrage.“

Wer die Personen sind, die hinter den 25 neuen Familienstiftungen stehen, lässt sich nicht leicht herausfinden, da im Staatsanzeiger, der jede Neugründung veröffentlicht, nur Name der Stiftung und ihr Zweck aufgeführt werden. Auch kann das Regierungspräsidium im Gegensatz zu den gemeinnützigen Einrichtungen nichts über das Kapital sagen: „Die Ausschüttungshöhe der Familienstiftungen ist uns nicht bekannt, da diese keine Jahresabrechnungen vorlegen müssen“, sagt Lindscheid. Sie unterlägen nur insoweit der Aufsicht, „als wir sicherstellen müssen, dass ihr Bestand und ihre Betätigung nicht dem öffentlichen Interesse zuwiderlaufen“.

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