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Hätten gerne mehr Grün gesehen: Brüder Dieter (li.) und Helmut Wolf auf dem Friedensplatz in Darmstadt.

Darmstadt

Neue Stiftung will Naturprojekte fördern

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Die ONKL-Stiftung aus Darmstadt sucht Projekte, die Jugendlichen die Natur näher bringen und den Artenschutz erhalten. Doch es scheint schwierig, Interessenten zu finden.

Die Neugestaltung des Friedensplatzes hat bei manchem Darmstädter für Unmut gesorgt: „Alles zugepflastert, zu wenig Bäume, zu wenig Grün“, insgesamt gebe es in der Stadt weniger Bäume und grüne Flächen als früher. Das finden Dieter und Helmut Wolf – beide waren beruflich lange Jahre im Umweltbereich tätig. Dieter Wolf beim Umweltamt der Stadt Frankfurt, Helmut Wolf beim Landesamt für Umweltschutz und Geologie. Er ist außerdem in der Lokalen Agenda 21 der Stadt Darmstadt aktiv.

Die beiden Ruheständler haben zwar selbst keine Kinder, machen sich aber Sorgen, dass Kinder und Jugendliche heute keine Gelegenheit mehr haben, Natur zu erfahren. „Manche wissen nicht einmal mehr, woher Kartoffeln kommen“, sagt Dieter Wolf. „Wenn Kinder nicht rechtzeitig lernen, Natur zu schätzen, werden sie auch weniger Tendenzen haben, sie zu schützen“, befürchten beide. Deshalb haben sie 2016 die ONKL-Stiftung gegründet – das steht für „Ohne Natur kein (menschliches) Leben“.

Mitmachen

Die ONKL-Stiftung ist eine der wenigen Stiftungen, deren erklärtes Stiftungsziel im Stiftungsverzeichnis die Förderung von Naturerfahrungen von Kindern- und Jugendlichen ist. Sie finanziert sich über den Grundbesitz der beiden Stifter.

Spenden sind möglich auf das Stiftungskonto bei der Volksbank Darmstadt-Südhessen eG IBAN: DE40 5089 0000 0068 4777 00.

Gemeinnützige Organisationen können sich für einen Zuschuss oder eine vollständige Finanzierung ihrer Projekte zur Förderung von Naturerfahrung von Kindern und Jugendlichen sowie zum Erhalt der biologischen Vielfalt bewerben bei Helmut Wolf, Wilhelminenstraße 33, 64283 Darmstadt oder E-Mail muh.wolf@t-online.de Die Stadt Darmstadt sucht Paten für Blühflächen. Informationen sowie Antrag: https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/umwelt

Fördern wollen sie Projekte in Darmstadt und der Region, die Kindern und Jugendlichen Natur näherbringen oder die biologische Vielfalt erhalten. Wichtig ist den Stiftern, dass dabei tatsächlich Natur erfahren werden kann, das sei im Klassenzimmer nicht möglich. Ein Kapital von jährlich 4000 Euro steht erstmals bereit und will vergeben werden. Doch bisher haben sich keine Interessenten gemeldet. „Man sagte uns, das werde dieses Jahr schwierig wegen Corona“, doch so recht leuchte ihnen das nicht ein, denn Umweltprojekte fänden doch im Freien statt. Gespräche liefen mit dem BUND, aber es gebe noch kein konkretes Projekt.

Um den förderwürdigen Kreis zu erweitern, planen die Brüder, die Stiftungssatzung zu ändern, damit sich nicht nur gemeinnützige Organisationen bewerben können, sondern auch Initiativen, Schulen oder Kindergärten.

Derweil bleibt auch die Stadt nicht tatenlos. Erst kürzlich hat der Magistrat zur Förderung der Biodiversität beschlossen, Blühflächenpaten zu suchen. Das Umweltamt werde dafür im September und Oktober vergünstigte Blühpakete zur Verfügung stellen, die von Bürgern rund um Straßenbäume, im Verkehrsbegleitgrün oder auf andere kleine Grünflächen gesät werden können, hieß es in einer Mitteilung. Die Paten sollen ihre Wunschflächen dann weiter pflegen. Dadurch „kann jeder mithelfen, die Artenvielfalt zu erhalten und gleichzeitig das Wohnumfeld attraktiver zu gestalten“, sagt Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne). Zudem sollen im Zuge der Neugestaltung des Ernst-Ludwig-Platzes, der an den Friedensplatz anschließt, fünf große Bäume gepflanzt werden, wie die Stadt jüngst ankündigte.

Für die Brüder Wolf, die heute noch davon schwärmen, dass es in den 1970er Jahren in der Innenstadt eine grüne Mitte gab, wo jetzt das Luisencenter steht, und davon, wie viele Büsche einst vor dem Staatstheater wucherten, sind das sicher gute Nachrichten. Allerdings warnen sie: Durch unbedachte Stadtplanung könne es passieren, dass immer mehr Grün verschwinde, vor allem jetzt, da die Stadt auf Nachverdichtung setze. Deshalb rät Dieter Wolf: „Wir müssen wachsam bleiben.“

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