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Darmstadt: Neue Stiftung hilft Menschen, die ausgegrenzt werden

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Lisa Keil, Florianne Blöcher Lisa und Maren Sauermann (v. li.) von der My-Way-Stiftung.
Lisa Keil, Florianne Blöcher Lisa und Maren Sauermann (v. li.) von der My-Way-Stiftung. © My Way Stiftung

My-Way-Stiftung bietet Coaching für Opfer von Diskriminierung an. Eine Landkarte von Organisationen und eine Messe sind geplant.

Es gibt bereits viele Akteure, die eine gute Arbeit für Menschen mit Diskriminierungserfahrung machen“, sagt Florianne Blöcher. Trotzdem hat sie nun die My-Way-Stiftung in Darmstadt gegründet, die ausgegrenzten Menschen helfen will. Der Unterschied: Während etwa der Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen oder der islamische Wohlfahrtsverband An-Nusrat sich jeweils auf einzelne Gruppen fokussieren, soll My Way all diese Akteure vernetzen. Geplant sei dazu etwa eine Diversity-Messe, auf der die verschiedenen Organisationen gemeinsam auftreten und ihre Arbeit präsentieren.

Außerdem bietet die My-Way-Stiftung eine Beratungstelle an, die sich nicht nur an eine bestimmte Klientel richtet, sondern an alle Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen, wie Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Hautfarbe, marginalisiert werden.

Doch von vorne. In ihrem Berufsleben ist Florianne Blöcher seit jeher damit betraut, Menschen bei der Suche nach Arbeit zu helfen. So habe sie zunächst bei Personaldienstleistern gearbeitet, später bei der Agentur für Arbeit im Projekt 50 plus, das sich an ältere Arbeitssuchende richtet, und schließlich sieben Jahre in der Personalabteilung eines großen Unternehmens.

Dort sei sie jedoch immer wieder an Grenzen gestoßen, berichtet Blöcher. Während im Konzern oft im Vordergrund stünde, allgemeine Kennzahlen zu erfüllen, sei ihr ihr Engagement für einzelne Menschen oft als „Sozialgedöns“ abschlägig beschieden worden.

Schließlich habe sie aus diesem Grund 2015 ihr eigenes Unternehmen gegründet. Heute beraten bei der My-Way-Talentmarketing 25 Mitarbeiter:innen im Auftrag der Arbeitsagentur Menschen bei der Stellensuche. „Wir haben dabei keine neuen fancy Methoden entwickelt“, sagt Blöcher. Ihr Ansatz sei, ihren Kunden Wertschätzung und einen respektvollen Umgang entgegenzubringen. Statt Arbeitssuchende über den Kopf hinweg in irgendwelche Bewerbungstrainings zu stecken, „geben wir den Menschen eine Stimme zurück“, sagt Blöcher. „Sie dürfen selber entscheiden, was sie brauchen.“

Schließlich könne bei der derzeitigen Lage am Arbeitsmarkt im Grunde jeder einen Job finden. „Doch oft stehen dem vielfältige Themenlagen entgegen“, sagt sie. „Wir unterstützen die Menschen dabei, Klarheit über ihre persönlichen Ziele zu schaffen und nachhaltige Perspektiven zu finden.“

Da das Geld für die Förderung von der Arbeitsagentur komme, stünden dabei im Hintergrund weiterhin zahlreiche bürokratische Akte, Dokumentationspflichten und das Sozialgesetzbuch. „Die Stiftung ist für mich daher der nächste logische Schritt, freier von institutionellen Zwängen zu arbeiten“, erläutert Blöcher. Für die Gründung hat sie 15 Prozent der Gesellschafteranteile ihres Unternehmens gestiftet. Außerdem stellt die My-Way-Talentförderung die Büroräume und eine feste Stelle für die Stiftung.

Als erstes Projekt will Blöcher zunächst eine Landkarte der verschiedenen Organisationen erstellen, die sich gegen Diskriminierung engagieren. „Wir möchten die Akteure vernetzen, individuell unterstützen und ein gemeinsames Sprachrohr schaffen, um mehr Sichtbarkeit herzustellen“, sagt sie.

Die Beratungsstelle der My-Way-Stiftung solle Menschen mit Diskriminierungserfahrung in den Mittelpunkt rücken. „Wir wollen mit den Menschen reden und ihnen zeigen, wir sehen hin“, sagt Blöcher. Dabei gehe es weniger um juristische Hilfe, sondern darum, Betroffene mit Coachings und Seminaren im Umgang mit Diskriminierung zu stärken. Schließlich sei das Ziel einer diskriminierungsfreien Gesellschaft in weiter Ferne. „Aber wenn nicht jeder, der die Möglichkeit hat, ein klein wenig dazu beiträgt, wird sich nie etwas ändern“, sagt Blöcher. „Da möchte ich mit der Stiftung auch an die gesellschaftliche Verantwortung von uns allen appellieren.“ Denn für ihre Arbeit sei die Stiftung auf Geldspenden, ehrenamtliche Mitarbeit und Unternehmenskooperationen angewiesen. (Von Sebastian Weissgerber)

Spendenkonto: Sparkasse Darmstadt IBAN: DE45 5085 0150 0000 8506 08

Infos: www.myway-stiftung.de

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