Die Ausstellung „Trautes Heim“ auf dem Friedensplatz bildet den Auftakt zu den Darmstädter Tagen der Fotografie.
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Die Ausstellung „Trautes Heim“ auf dem Friedensplatz bildet den Auftakt zu den Darmstädter Tagen der Fotografie.

Darmstadt

Darmstadt: Nackte Männer auf dem Friedensplatz 

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Die Darmstädter Tage der Fotografie finden wegen Corona erstmals auch im Freien statt. Die Ausstellungen laufen den ganzen Herbst.

Noch bevor die diesjährigen „Darmstädter Tage der Fotografie“ ihren Auftakt am 12. September feierten, interessierten sich viele Passanten für die drei mal vier Meter großen Fotoleinwände, die schon seit vergangener Woche unter anderem auf dem Friedensplatz, dem Carolinenplatz und im Schlossgraben aufgestellt wurden.

Eine schwangere Frau posiert vor einem Bild der Künstlerin Pixy Liao und macht ein Selfie. Die überdimensionale Fotografie zeigt eine junge Frau in Shorts und T-Shirt, die ihren nackten Mann trägt. Mit ihrer Serie will die chinesische Künstlerin, deren Werke erstmals in Deutschland gezeigt werden, das Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit in Beziehungen erkunden. „Aber nicht, dass sie jetzt Rückschlüsse auf meine Beziehung ziehen“, sagt die Schwangere und geht lachend weiter. Diese Anekdote zeigt laut der Leiterin des Kunstforums der TU Darmstadt, Julia Reichelt, welcher Diskussionsbedarf zum Thema besteht. Viele blieben stehen, freuten sich.

Sturm- und wetterfeste Installation

Mit der Themenausstellung „Trautes Heim“ präsentiert das Kunstforum circa 90 fotografische Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler an verschiedenen Orten im städtischen Raum und im Konsum Mathildenhöhe. Laut Reichelt ist es deutschlandweit die erste Outdoor-Fotoausstellung dieser Art. Man sei wegen der Pandemie auf die Idee gekommen. „Kunst muss man im Raum erleben“, sagt Reichelt. Es habe eine besondere Herausforderung dargestellt, die Kunstwerke, die sonst in viel kleineren Formaten gezeigt würden, in dieser Größe und auf so viel Platz zu arrangieren. Und: Die Installation sei sturm- und wetterfest, versichert Reichelt.

„Trautes Heim“ ist die erste von vier Ausstellungen, die bereits im September beginnen und sich dem diesjährigen Schwerpunktthema der Fototage „Skurrile Fluchten – Humor in der Fotografie“ widmen. Insgesamt laden 13 Ausstellungen mit 49 internationalen Fotografinnen und Fotografen, zwei Symposien und der mit 10 000 Euro dotierte „Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie“ zu Begegnungen zwischen Publikum und Ausstellenden ein.

Fotos und Festival

Die ersten vier Ausstellungen zu den 11. Darmstädter Tagen der Fotografie öffnen am 12., 13. und 17. September. Zu sehen sind einige der Ausstellungen bis Januar.

Die Festivalwoche mit breitem Rahmenprogramm geht vom 23. Oktober bis 1. November. Sie wird am Freitag, 23. Oktober, 18 Uhr, in der Centralstation in Darmstadt eröffnet. Dann wird auch der hochdotierte „8. Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie“ verliehen.

Alle Infos zu Künstlern. Veranstaltungsorten und Öffnungszeiten sind zu finden unter: https://dtdf.de cka

Ursprünglich sollte das Festival, das zu den wichtigsten deutschen Fotoereignissen zählt, im Frühjahr zehn Tage lang stattfinden. Doch dann kam Corona dazwischen. Jetzt sind die Fotokunstwerke über den ganzen Herbst an zahlreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsorten sowie im Außenraum der Darmstädter Innenstadt zu sehen.

Eine der Ausstellung wird am Osthang der Mathildenhöhe gezeigt. Die Serien mit den Titeln „Safari/ Die Tür ins Meer/ Hessdalen. Erik Clewe, Jana Hartmann, Ivar Kvaal“ stellen jede auf ihre Art unsere Auffassung der realen Welt infrage.

Zum Beispiel die des Norwegers Kvaal, dessen Fotografien bei Besuchen im Ufohotspot Hessdalen entstanden sind. Der Ort ist für seine natürlichen Lichterscheinungen am Himmel bekannt – viele halten sie aber für Ufos. Eines seiner Werke zeigt ein Holzhaus mit einem Ufoattrappe aus Blech.

In der Festivalwoche vom 23. Oktober bis 1. November beleuchten zahlreiche Aktionen das Schwerpunktthema aus unterschiedlichen Perspektiven. Neben den Fotoausstellungen, Fachsymposien und Diskussionen finden auch Workshops für Schüler und andere Interessierte sowie Gespräche mit Künstlern statt.

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