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Totschlagsprozess in Darmstadt: Nachbar nach Beleidigungen erstochen

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Von: Jens Joachim

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Der Angeklagte wird in den alten Schwurgerichtssaal geführt.
Der Angeklagte wird in den alten Schwurgerichtssaal geführt. © Jens Joachim

Aus einem nichtigem Anlass ist in einem Haus in der Darmstädter Innenstadt ein tödlicher Streit zwischen zwei Männern entstanden. Einem 54-Jährigen wird nun vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht.

Ein 54-jähriger Mann hat am Dienstag vor der 11. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gestanden, Anfang Juli vor seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus einen 48-jährigen Nachbarn mit einem Jagdmesser erstochen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen des Verdachts auf Totschlag angeklagt. Nach Darstellung von Staatsanwalt Ansgar Martinsohn soll der Angeklagte Mauro P. mit dem Getöteten zunächst befreundet gewesen sein. An Ostern sei es dann „wegen einer Nichtigkeit zu einem Streit gekommen“.

Darmstadt: Gewalttat im Treppenhaus endet tödlich

Der Angeklagte bestätigte zum Auftakt des Prozesses, der Streit sei wegen der Nichterwiderung eines Ostergrußes entstanden. Seit jenem Ostersonntag, äußerte Staatsanwalt Martinsohn beim Vortragen seiner Anklageschrift, sollen sich der Angeklagte und das Opfer immer wieder wechselseitig mit wüsten Worten beleidigt haben.

Der Geschädigte habe den Angeklagten dann am späten Nachmittag des 7. Juli in dessen Wohnung aufgesucht. Es soll dort zu einer blutigen Auseinandersetzung gekommen sein, in deren Verlauf der Angeklagte mit einem Messer auf den Geschädigten eingestochen und ihm durch einen Treffer in der Nähe des Herzens tödliche Verletzungen zugefügt haben soll. Herbeigerufene Rettungskräfte konnten dem 48-Jährigen nicht mehr helfen. Der Tatverdächtige wurde von einer Polizeistreife in der Nähe des Tatorts festgenommen.

Verdacht des Totschlags: Prozessauftakt am Landgericht Darmstadt

Am ersten Prozesstag zeigte sich der Angeklagte, ein ehemaliger Eisverkäufer, geständig und machte sowohl Angaben zu seiner Person als auch zur Tat. Der 54-Jährige, der noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, sagte, sein Nachbar sei für ihn früher „wie ein Bruder gewesen“. Als der 48-Jährige vor einigen Jahren nach einer Unterkunft gesucht habe, habe er ihn ein halbes Jahr bei sich aufgenommen, ihm eine eigene Wohnung in dem Haus an der Wihelminenstraße vermittelt und ihm auch das Geld für die Kaution für die Wohnung geliehen.

In einer Sprachnachricht, so hielt Richter Volker Wagner dem Angeklagten vor, habe er an jenem Donnerstag gegenüber einer Nachbarin eine Schlägerei mit dem Mann angekündigt. Auch soll er der Frau mitgeteilt haben: „Ich habe es wirklich vor ihn umzubringen, weil er mir richtig auf die Eier geht.“

Der 54-jährige Darmstädter muss sich vor der 11. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt unter dem Vorsitz von Richter Volker Wagner (4. v. l.) verantworten.
Der 54-jährige Darmstädter muss sich vor der 11. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt unter dem Vorsitz von Richter Volker Wagner (4. v. l.) verantworten. © Jens Joachim

Totschlagsprozess am Landgericht Darmstadt dauert bis Ende Januar

Diesen Satz habe er jedoch „so dahergeredet“, sagte der Angeklagte, der auch berichtete, dass ihn der 48-Jährige getreten und geschlagen habe, nachdem er seine Wohnungstür geöffnet habe. Daraufhin habe er den Kontrahenten gegen eine Wand im Treppenhaus gestoßen. Doch anstatt in seine Wohnung zurückzukehren und die Tür wieder zu schließen, holte er aus seinem Schlafzimmer ein Messer und stach es seinem Nachbarn in die Rippen. „Ich habe nicht an das Ende gedacht“, sagte der Angeklagte.

Das Gericht hat für den Prozess fünf weitere Verhandlungstage bis Ende Januar angesetzt.

Update vom 29.12.2022, 19.35 Uhr: Totschlag in Darmstadt: „Hemmungslos“ auf den Nachbarn eingestochen - Das Landgericht Darmstadt verurteilte den 54-jährigen Messerstecher am Donnerstag, 29. Dezember, zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe wegen Totschlags.

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