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In einer solchen Zelle im Abschiebegefängnis in Darmstadt wartet Afitep D. derzeit auf ihre Abschiebung.
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In einer solchen Zelle im Abschiebegefängnis in Darmstadt wartet Afitep D. derzeit auf ihre Abschiebung.

Darmstadt

Darmstadt: Mutter von geistig Behindertem sitzt in Abschiebehaft - Widerstand erhebt sich

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Obwohl sie seit mehr als 35 Jahren in Deutschland lebt, soll eine 60-Jährige in die Türkei abgeschoben werden. Jetzt sitzt sie in Darmstadt in Abschiebehaft.

  • Seit dem Ausbau des Abschiebegefängnisses in Darmstadt wird vermehrt abgeschoben - sogar nach Somalia.
  • Von Abschiebung in die Türkei bedroht ist auch eine 60-jährige Frau kurdischer Abstammung.
  • Ihr geistig behinderter Sohn würde alleine in Deutschland zurückbleiben.

Darmstadt – Seit 1985 lebt Afitep D. in Deutschland. Die Altenpflegehelferin kurdischer Abstammung hat fünf erwachsene Kinder mit deutschem Pass. Alle arbeiten oder studieren in Deutschland, einer ihrer Söhne ist behindert. Jetzt soll D. in die Türkei abgeschoben werden. Seit einer Woche sitzt die 60-Jährige aus Darmstadt in Abschiebehaft.

„Morgens früh um halb sechs sind sie gekommen“, sagt D. am Mittwoch im Telefonat mit der Frankfurter Rundschau. „Sie haben mich wie eine Terroristin gefangen genommen.“ Ihr 32-jähriger Sohn mit geistiger Behinderung, der mit ihr in einer Wohnung lebt, habe sehr viel Angst gehabt, als die Polizisten kamen. Was aus ihm wird, wenn sie zurück in die Türkei muss, weiß sie nicht.

Darmstadt: Nach Abschiebung wäre Sohn allein

Sie sei sein gesetzlicher Vormund, sein einziger Bezugspunkt. „Er braucht mich“, sagt sie. Auch was aus ihr in der Türkei werden soll, weiß sie nicht. Ihre ganze Familie lebe hier. D. fürchtet, dass die Abschiebung bald erfolgt. Ein Corona-Test sei vor drei Tagen gemacht worden. Gerade eben habe man einen zweiten machen wollen, sie habe sich gewehrt.

Dass D. keinen deutschen Pass hat wie ihre Familie, bezeichnet Dorothea Köhler vom Bündnis „Community for all“ als „klassisches Frauenschicksal“. D. habe sich um die Anträge aller gekümmert, bei ihrem eigenen sei noch etwas zu erledigen gewesen. Doch dann eskalierte offenbar die Gewalt in ihrer Ehe. D. wurde straffällig und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie angeblich ihrem Mann etwas habe antun wollen. Dieser habe sie geschlagen und vergewaltigt, sagt D.

Geplante Abschiebung in Darmstadt: Mutter bekommt keinen deutschen Pass

Von Schlägen in der Schwangerschaft soll ihr Sohn seine Beeinträchtigung bekommen haben. Vor einiger Zeit hat ihr inzwischen von ihr geschiedener Mann die Vorwürfe gegen seine Frau widerrufen und seine Mitschuld eingeräumt. D. hat ihre Strafe in Frankfurt-Preungesheim abgesessen.

Aber einen deutschen Pass bekam sie nicht mehr, wie sie sagt. Nur eine Duldung, und die sei lange abgelaufen. Auch die Niederlassungserlaubnis sei erloschen und die Arbeitserlaubnis entzogen worden. „Seit 2019 bekam ich keine Sozialhilfe mehr, lebte von der Tafel, obwohl ich gerne arbeiten möchte.“

Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, wie ihr Rechtsanwalt auf FR-Anfrage sagt. Dagegen habe sie Klage eingereicht. Dieses Verfahren in erster Instanz laufe derzeit noch, so der Jurist. Allein deshalb dürfe sie nicht abgeschoben werden, das widerspreche einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs.

Abschiebung: Eilantrag beim Verwaltungsgericht Darmstadt gestellt

Deshalb habe er jetzt einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Darmstadt gestellt. Außerdem reichte er beim Amtsgericht Beschwerde dagegen ein, wie das Verfahren laufe. Seine Mandantin sei nie wirklich gehört worden. Er halte den Fall „menschlich für höchst bedenklich“.

Laut Dorothea Köhler wird seit dem Ausbau des Abschiebegefängnisses vermehrt abgeschoben – in der vergangenen Woche sogar nach Somalia. Aktuell befinden sich laut Polizeipräsidium Südhessen 15 Personen in der Einrichtung des Landes Hessen. Erstmals sei eine Frau mehrere Tage untergebracht. Eine Anfrage der FR beim Innenministerium blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. (Claudia Kabel)

Ein „Knastbeben“ vor der Einrichtung in Darmstadt-Eberstadt ist für Sonntag, 28. Februar, 14 Uhr, angekündigt.

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