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Andrea Wiechert, Leiterin des Caritas-Suchthilfezentrums in Darmstadt.

Darmstadt

Suchtberatung in Darmstadt: Mehr Menschen brauchen Hilfe

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Nicht nur der Konsum von Alkohol nimmt in Corona-Zeiten zu. Auch die Nachfrage in der Suchtberatung der Caritas Darmstadt steigt.

Dass der Alkoholkonsum in der Bevölkerung seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen ist, zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse.

Auch im Suchthilfezentrum des Caritasverbands Darmstadt spürt man den wachsenden Bedarf an therapeutischer Unterstützung. Im Vergleich zum Vorjahr hätten schon jetzt mehr als viermal so viele Angehörige eine Beratung in Anspruch genommen, weil ein Familienmitglied eine Alkoholproblematik aufweise, nämlich 55 statt wie im gleichen Vorjahreszeitraum nur zwölf, sagt die Leiterin des Suchthilfezentrums, Andrea Wiechert.

Zahl der Angehörigen mehr als vervierfacht

Man erwarte für das kommende Jahr steigende Zahlen in der Beratung. „Der problematische Suchtmittelkonsum ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Wiechert. Das Suchthilfezentrum gehöre zu den wenigen ambulanten Beratungsstellen, die Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige seien. Als Pflichtversorger ist es laut Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) „eine wichtige Säule im Gesamtkonzept der Sucht- und Drogenhilfe“ der Stadt.

An diesem Mittwoch (4.11.) will die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen mit einem Aktionstag auf die angespannte Situation aufmerksam machen. Bei der Caritas Darmstadt, einer von bundesweit 1300 Suchtberatungsstellen, berichteten Betroffene der Presse von ihren Erfahrungen.

„Bis ich nur noch brach und nichts mehr essen konnte“

Seit 590 Tagen ist Sylvia K. (Namen der Betroffenen geändert) clean. Für die 54-Jährige gehörte Alkohol seit der Jugend dazu, wie sie sagt. Als sie auf der Arbeit gemobbt wurde, trank sie immer mehr. „Bis ich nur noch brach und nichts mehr essen konnte.“ Der Hausarzt schickte sie zur stationären Entgiftung, bei der Caritas erhielt sie einen Therapieplatz. Heute sei die Suchtberatung „wie ein Anker“ für sie. Auch Lars P. hätte es ohne Therapie nicht geschafft. Der Kfz-Mechaniker trank Alkohol, nahm Kokain und Amphetamine. Warum er konsumierte, bis er die Miete nicht mehr zahlen konnte und hochverschuldet aus der Wohnung flog, weiß der 39-Jährige nicht. „Es war Gewohnheit, ein Teufelskreis.“

1500 Menschen jährlich

1500 Menschen kommen jährlich in die Suchtberatung der Caritas. 900 von ihnen benötigen eine Langzeittherapie, 600 reichen wenige Beratungstermine, viele Gespräche finden wegen Corona telefonisch statt. Auch wird ein Selbstkontrolltraining angeboten, bei dem Betroffene selbst das Ziel ihres Konsums bestimmen.

Die Kosten für die Suchtberatung trägt die Stadt. Therapieangebote werden von Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern übernommen.

Infos: www.caritas-darmstadt.de

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