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Darmstadt: Mahnmal erinnert an Verfolgung von Homosexuellen

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Von: Jens Joachim

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Licht und Schatten: Das Kunstwerk „Die Schattenseite des Regenbogens“ von Matthias Braun.
Licht und Schatten: Das Kunstwerk „Die Schattenseite des Regenbogens“ von Matthias Braun. © Rolf Oeser

Das Kunstwerk „Die Schattenseite des Regenbogens“ wurde neben dem „Haus der Geschichte“ am Darmstädter Herrngarten installiert.

Sie wurden diskriminiert, drangsaliert und getötet – auch Heinrich Orlemann und Konrad Jacobi, an die schon zwei „Stolpersteine“ in Darmstadt erinnern. Zum Gedenken an die Menschen, die über Jahrzehnte hinweg wegen ihrer homosexuellen Orientierung mit dem Paragrafen 175 des Strafgesetzbuchs entrechtet und verfolgt wurden, ist am Mittwoch das Kunstwerk „Die Schattenseite des Regenbogens“ präsentiert worden.

Die mehr als drei Meter hohe Skulptur des Würzburger Künstlers Matthias Braun ist auf der sogenannten Theaterwiese zwischen dem „Haus der Geschichte“ und dem Welcome Hotel am Rand des Herrngartens installiert worden. Der Entwurf des Künstlers übersetzt das Symbol der Regenbogenfahne in eine dreidimensionale und begehbare Skulptur. Der Bogen ist in der Mitte so gefaltet, dass sich zwei Hälften ergeben; die eine ist bunt gestaltet, die andere – dem Mollerbau zugewandte Seite – ist silberfarben und mit einem Satz versehen, der an die Opfer des Strafrechtsparagrafen erinnert, der vom Jahr 1872 bis 1994 galt und der die rechtliche Grundlage für die Demütigung, Ausgrenzung, Verfolgung und – während der Zeit des Nationalsozialismus – auch für die Ermordung der Menschen mit homosexueller Orientierung bildete.

Die Skulptur wirft einen Schatten auf den Boden, der je nach Tageszeit und Lichteinfall ein Herz bildet – als Symbol für Trauer und Mitgefühl mit den Opfern. „Im Akt des Durchschreitens des Bogens können Solidarität, Trauer und Gedenken an die Opfer öffentlich bekundet werden“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Die Gestaltung des Mahnmals wurde in einem zweistufigen künstlerischen Wettbewerb ermittelt. In der ersten Stufe wählte eine Jury, in der auch Vertreter der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HUK), des Darmstädter Vereins vielbunt und eine Vertreterin des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler saßen, aus den 39 eingegangenen Bewerbungen fünf Entwürfe aus.

Die in der engeren Wahl verbliebenen Beiträge wurden dann in der zweiten Wettbewerbsstufe auf der Bürgerbeteiligungsplattform der Stadt veröffentlicht. Das Votum der Bürgerinnen und Bürger wurde final von der Jury bestätigt.

Regenbogen in Darmstadt: Verfolgung Homosexueller

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sagte bei der Vorstellung des Mahnmals, das nun Teil der Städtischen Kunstsammlung ist, die jahrzehntelange Verfolgung der Menschen mit homosexueller Orientierung „erfüllt uns mit Scham“. Das Mahnmal erinnere daran, wie schnell Hass auf andere Menschen in Gewalt umschlagen könne, sagte Partsch.

Der künstlerische Entwurf übersetzt das Symbol der Regenbogenfahne in eine dreidimensionale und begehbare Skulptur.
Der künstlerische Entwurf übersetzt das Symbol der Regenbogenfahne in eine dreidimensionale und begehbare Skulptur. © Rolf Oeser

Der Jugendvorstand des Vereins vielbunt lädt am Freitag, 21. Oktober, um 18 Uhr junge Menschen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren zu einer Veranstaltung mit Harald Switalla, dem Vorsitzenden der Regionalgruppe Darmstadt der ökumenischen Arbeitsgruppe HUK in das Queere Zentrum in der „Oetinger Villa“, Kranichsteiner Straße 81, ein.

Regenbogen in Darmstadt: Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus

Switalla wird dabei auch über das Schicksal der beiden Darmstädter Heinrich Orlemann und Konrad Jacobi berichten, die während der Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. Der 1905 in Darmstadt geborene Jacobi wurde 1944 in der NS-Euthanasieanstalt Hadamar umgebracht, der 1909 in Darmstadt geborene Theologe Orlemann 1942 im KZ Sachsenhausen.

Weitere Informationen über die beiden homosexuellen Männer gibt es auch in einer knapp 100 Seiten umfassenden Broschüre, die im vergangenen Jahr von Rainer Hoffschildt unter dem Titel „Darmstadt unter dem Rosa Winkel – Materialien zur Geschichte der Emanzipation und Verfolgung homosexueller Männer in Darmstadt“ in einer aktualisierten Auflage erschienen ist. Die Broschüre, die auch eine Präsentation Hoffschildts zur „Geschichte der Homosexuellen in Darmstadt“ enthält, kann zum Preis von 5,95 Euro zuzüglich Versandkosten bei Harald Switalla, Mühlstraße 49, 64319 Pfungstadt, Telefon: 0 61 57/86097, E-Mail: darmstadt@huk.org, bestellt werden.

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