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Darmstadt: Live-Schaltung in die Partnerstadt in der Ukraine

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Von: Jens Joachim

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Bohdan Andriyiv, der Bürgermeister von Darmstadts ukrainischer Partnerstadt Ushgorod, spricht zu den Stadtverordneten.
Bohdan Andriyiv, der Bürgermeister von Darmstadts ukrainischer Partnerstadt Ushgorod, spricht zu den Stadtverordneten. © Jens Joachim

Der Bürgermeister der westukranischen Stadt Ushgorod beschwört den Zusammenhalt in Europa. Die Darmstädter Stadtverordnete verurteilen einstimmig den Angriffskrieg gegen die Ukraine und solidarisieren sich mit ihrer Schwesterstadt.

Mehr als zwei Stunden lang haben sich die Darmstädter Stadtverordneten am frühen Donnerstagabend mit dem Krieg in der Ukraine, mit der Situation in der Partnerstadt Ushgorod und den zu erwartenden Auswirkungen auf die Stadt beschäftigt. Einstimmig hat das Stadtparlament einen Dringlichkeitsantrag der Fraktionen von Grünen, CDU, Volt, SPD, FDP, Uffbasse, der Fraktion Uwiga/WGD und der Stadtverordneten der Freien Wähler unterstützt. Auch die einzige Stadtverordnete der Partei Die Partei und die AfD stimmten für den Antrag.

Der Uwiga/WGD-Fraktionsvorsitzende Helmut Klett beteiligte sich hingegen nicht an der Abstimmung. Als „unwürdig“ bezeichnete der Grünen-Bundestagsabgeordnete Philip Krämer einen Redebeitrag Kletts, der sich zuvor für eine „ehrenhafte Niederlegung der Waffen aus humanitären Gründen seitens der Ukraine ausgesprochen hatte.

Darmstadt: Ukrainischer Bürgermeister spricht zu Stadtverordneten

Vor Beginn der Debatte über den Dringlichkeitsantrag richtete sich Bohdan Andriyiv, der Bürgermeister von Ushgorod, via Live-Schaltung an die Stadtverordneten. Andriyiv bedankte sich für die Unterstützung und die erste Hilfslieferung, die in der vergangenen Woche von Darmstadt an die slowakisch-ukrainische Grenze gebracht worden war. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sagte, „mit Herzen und Gedanken“ seien die Bürgerinnen und Bürger von Darmstadt in Ushgorod“.

Partsch kündigte weitere Hilfslieferungen an. So sollen vier Generatoren vom Darmstädter Versorgungsunternehmen Entega nach Ushgorod transportiert werden, um die Wasserversorgung in der Stadt im Westen der Ukraine sicherzustellen.

Darmstadt: Partnerstadt Ushgorod kümmert sich um 50.000 Geflüchtete

Nach Angaben von Andriyiv sind bereits rund 50 000 Menschen in die Stadt geflüchtet, in der 120 000 Menschen leben. Die Geflüchteten würden in Schulen, Kindergärten und Hallen untergebracht. Benötigt würden Matratzen, Bettwäsche, Decken und haltbare Lebensmittel. Andriyiv bedankte sich für die Unterstützung und äußerte zuversichtlich: „Zusammen sind wir stark“.

OB Partsch sagte, er habe sich in einem Schreiben an alle Darmstädter Partnerstädte gewandt, um weitere Hilfen zu organisieren. Auch an die polnische Partnerstadt Plock, in die viele Menschen aus der Ukraine geflüchtet seien, seien aus einem Hilfsfonds 20 000 Euro überwiesen worden, teilte Partsch mit.

Darmstadt: Stadt richtet Krisenstab wegen Krieg in der Ukraine ein

Die Stadt hat unterdessen einen neuen Krisenstab gebildet. In dem Stab seien alle Dezernate, relevanten Ämter, der Immobilienbetrieb der Stadt, der Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen, die Entega sowie die Feuerwehr vertreten, teilte die Stadt mit.

Aufgabe sei es zum einen, Hilfsaktionen für die Menschen in Darmstadts ukrainischer Schwesterstadt Ushgorod zu organisieren und zum anderen die Aufnahme, Unterbringung und Betreuung der nach Darmstadt Geflüchteten zu koordinieren. Nach Angaben der Stadt sind bis Donnerstagmorgen 185 Menschen aus der Ukraine in Darmstadt registriert worden. 164 seien privat untergebracht worden, die restlichen 21 in Pensionen.

Darmstadt-Wixhausen: Bürgerhaus wird zentrale Erstaufnahmestelle

Vorgesehen ist zudem, bis zum Wochenende das Bürgermeister-Pohl-Haus in Wixhausen als erste Anlaufstelle herzurichten. Dort könnten rund 120 Menschen untergebracht und medizinisch versorgt werden. Auch soll es in dem Haus möglich sein, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Klinikdezernent André Schellenberg (CDU) sagte auf Anfrage der FR, es sei zunächst nicht geplant, Flüchtlinge in den ehemaligen Klinikgebäuden im südlichen Stadtteil Eberstadt unterzubringen, weil die Versorgungsleitungen dort schon seit längerem nicht mehr in Betrieb gewesen seien.

Ukraine-Hilfe der TU

Die Vereinigung von Freunden der Technischen Universität (TU) Darmstadt stellt kurzfristig bis zu 30 000 Euro als Ukraine-Hilfsangebot bereit.

Das Geld soll Studierenden der TU zugutekommen, die vom Krieg in derr Ukraine betroffen sind. Die Vereinigung arbeitet dabei eng mit dem 1992 gegründeten Förderverein für in Not geratene Studierende zusammen.

Bereits im Sommer 2020 hatte die Vereinigung, die vor knapp 100 Jahren gegründet wurde und der rund 2200 Mitglieder und 80 Firmen angehören, den Corona-Nothilfefonds der TU unterstützt. ann

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