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Darmstadt: Lichtwiesenbahn rollt zum Außencampus der TU

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Von: Jens Joachim

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In Betrieb: Die Wendeschleife der Lichtwiesenbahn auf dem Außencampus der Technischen Universität Darmstadt.
In Betrieb: Die Wendeschleife der Lichtwiesenbahn auf dem Außencampus der Technischen Universität Darmstadt. © Rolf Oeser

Die Baukosten für die neue, etwas mehr als einen Kilometer lange Straßenbahntrasse entlang des Lichtwiesenwegs steigen auf mindestens 27 Millionen Euro.

Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit hat am Montag die neue Lichtwiesenbahn ihren regulären Fahrbetrieb aufgenommen. Um kurz nach 5 Uhr fuhr die erste Straßenbahn der Linie 2 vom Darmstädter Hauptbahnhof in einen knappen halben Stunde direkt zum TU-Campus.

Sechs Stunden später startete dann vom Schloss eine weitere Bahn, an deren Fahrzeugfront ein großer Strauß mit orangefarbenen und blauen Blumen angebracht war, um zahlreiche Ehrengäste aus der Innenstadt zu einer Feier anlässlich der Inbetriebnahme zum Außencampus zu bringen.

Darmstadt: Symbolische Streckenfreigabe für die Lichtwiesenbahn

Am Beginn der etwas mehr als einen Kilometer langen Neubaustrecke unweit der Einmündung des Lichtwiesenwegs in die Nieder-Ramstädter Straße stiegen Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch, Stadtrat und Mobilitätsdezernent Michael Kolmer (alle Grüne), TU-Kanzler Manfred Efinger und Michael Dirmeier, der Geschäftsführer des Darmstädter Nahverkehrsunternehmens Heag mobilo, aus dem Zug.

Sie zerschnitten ein Band, um damit symbolisch die Inbetriebnahme der Strecke zu zelebrieren. Bereits in den vergangenen Monaten hatte es etliche Probefahrten auf der Strecke gegeben.

Symbolische Streckenfreigabe mit TU-Kanzler Manfred Efinger, Heag mobilo-Geschäftsführer Michael Dirmeier, Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, Oberbürgermeister Jochen Partsch und Stadtrat Michael Kolmer (von li.).
Symbolische Streckenfreigabe mit TU-Kanzler Manfred Efinger, Heag mobilo-Geschäftsführer Michael Dirmeier, Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, Oberbürgermeister Jochen Partsch und Stadtrat Michael Kolmer (von li.). © Jens Joachim

Darmstadt: Baukosten für Lichtwiesenbahn haben sich enorm verteuert

Der Bau der neuen Straßenbahntrasse von der Nieder-Ramstädter Straße entlang des Lichtwiesenwegs zum Campus Lichtwiese hat sich in den vergangenen Jahren immer und immer wieder deutlich verteuert. Wären die Kosten bereits bei der Kalkulation und Beantragung des Projekts bekannt gewesen und berücksichtigt worden, wäre das Vorhaben vermutlich wegen Unwirtschaftlichkeit nicht genehmigungsfähig gewesen.

Nach der Kostenschätzung von 2015, als Heag mobilo noch mit Baukosten in Höhe von 16 Millionen Euro für die zweigleisige Strecke kalkuliert hatte, waren es 2018 schon mehr als 20 Millionen Euro gewesen. Im vergangenen Herbst hatte Heag mobilo-Geschäftsführer Dirmeier mit weiteren Kostensteigerungen zwischen 6,8 und rund 7,9 Millionen Euro gerechnet. Die Gesamtkosten würden sich somit auf 27 oder gar mehr als 28 Millionen Euro erhöhen. Die Spanne der Mehrkosten ergebe sich daraus, dass die Schlussrechnungen erst Ende dieses Jahres feststünden. Eine Sprecherin des kommunalen Unternehmens sagte allerdings am Montag auf Anfrage der FR, weil die Rechnungen noch immer nicht vorlägen, könne noch keine abschließende Summe bei den Baukosten genannt werden.

Zwei neue Haltestellen für die Lichtwiesenbahn in Darmstadt

Die Straßenbahnlinie 2 verbindet nun den TU-Campus Lichtwiese mit der Innenstadt und dem Darmstädter Hauptbahnhof. TU-Kanzler Efinger wies bei der Eröffnungsfeier darauf hin, dass mit der neuen Direktverbindung zwischen Griesheim und dem Hauptbahnhof auch Studierende und Lehrende unkompliziert vom TU-Außencampus in Griesheim mit einem Umstieg am Hauptbahnhof zum Campus Lichtwiese gelangen könnten.

Die verlängerte Straßenbahntrasse zweigt nun an der bestehenden Haltestelle „Hochschulstadion“ – die nun wieder „Jahnstraße“ heißt – in Richtung Osten in den Bereich der TU ab. Die Strecke verläuft parallel zum Lichtwiesenweg, vorbei am Fakultätsgebäude Architektur, von dort in Richtung Bauingenieurgebäude/Mensa Wirtschaftshof und endet mit einer Wendeschleife auf der Nordseite des Hörsaal- und Medienzentrums der Universität. Im Streckenverlauf wurden zwei neue Haltestellen – am „Hochschulstadion“ auf Höhe der Kletterhalle sowie „TU-Lichtwiese/Campus“ am Hörsaal- und Medienzentrum – errichtet.

Kritik an Lichtwiesenbahn in Darmstadt gipfelte in Strafanzeigen

Verkehrsminister Al-Wazir und OB Partsch gingen in ihren Reden auch auf die jahrelangen Proteste gegen das Projekt ein. Es sei für ihn schon „eine besondere Erfahrung“ gewesen, mit einer Strafanzeige konfrontiert zu werden, die von der Staatsanwaltschaft schließlich nicht weiterverfolgt worden sei, sagte Al-Wazir, der sich zugleich nachdrücklich für einen konstruktiven kritischen Diskurs mit unterschiedlichen Meinungen aussprach. „Die Summe aller Einzelinteressen ist aber noch lange nicht das Gemeinwohl“, sagte Al-Wazir an die Adresse der Kritikerinnen und Kritiker des umstrittenen Straßenbahnprojekts.

Partsch sagte, es sei wichtig gewesen, „die Nerven zu behalten“, selbst wenn ihm von einem Demonstrierenden eine persönliche Bestrafung angedroht worden sei.

Lichtwiesenbahn: Wählergemeinschaft Darmstadt kritisiert Streckenführung

Die Wählergemeinschaft Darmstadt (WGD) und Bürgerinitiative Pro-Lichtwiese kritisierten in einer Mitteilung abermals die gewählte Streckenführung. Die WGD und die Initiative hätten eine Trasse durch das Woogsviertel „mit einer nachhaltigen Kombination von Straßenbahn und E-Bussen“ präferiert.

TU-Kanzler Efinger sagte, mit der Inbetriebnahme der Lichtwiesenbahn werde ein „Geburtsfehler“ des Außencampus beseitigt. Efinger kündigte an, dass der Campus, auf dem sich tagsüber rund 10 000 Studierende und Lehrende aufhalten, in den nächsten Jahren nach und nach weiter aus und nachhaltig umgebaut werde.

Kommentar: Lichtwiesenbahn in Darmstadt: Projekt durchgezogen - Mit der Inbetriebnahme der Lichtwiesenbahn ist die Verkehrswende in Darmstadt wieder ein kleines Stück weit vorangekommen – allerdings auf Kosten von etlichen Bäumen.

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