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Überraschender Anruf von inhaftierter Journalistin aus Bagdad

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Von: Jens Joachim

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Die Kundgebung auf dem Darmstädter Friedensplatz für Marlene Förster und Kollegen Matej Kavčič stand unter dem Motto „Für Pressefreiheit weltweit: #FreeMarleneAndMatej“.
Die Kundgebung auf dem Darmstädter Friedensplatz für Marlene Förster und Kollegen Matej Kavčič stand unter dem Motto „Für Pressefreiheit weltweit: #FreeMarleneAndMatej“. © Monika Müller

Die Journalistin Marlene Förster aus Darmstadt wird in einer Einzelzelle des Geheimdienstes in Bagdad festgehalten. Bundesweit gab es bereits mehrere Solidaritätsaktionen. In Darmstadt hat sich ein Solidaritätskreis gegründet, der am Mittwochabend zu einer Kundgebung auf den Friedensplatz eingeladen hatte, zu der rund 150 Menschen kamen.

++ 21.20 Uhr: Rund 150 Menschen - darunter Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Bekannte - haben am Mittwochabend auf dem Darmstädter Friedensplatz für die Freilassung der kurz nach Ostern im Irak festgenommenen Journalistin Marlene Förster demonstriert. Auf Plakaten war zu lesen „Für Pressefreiheit weltweit: #FreeMarleneAndMatej“, „Journalismus ist kein Verbrechen“ oder „Wir sind alle Marlene und Matej“.

Die aus Darmstadt stammende 29-Jährige war am 20. April mit ihrem slowenischen Kollegen Matej Kavčič im nordirakischen Sinjar verhaftet worden. Seit etwa drei Wochen sitzen sie in Bagdad im Gefängnis des irakischen Geheimdienstes.

Darmstadt/Bagdad: Inhaftierte Journalistin Marlene Förster ruft ihre Mutter an

Marlenes Mutter Lydia berichtete, ihre Tochter habe sie am Mittwochnachmittag angerufen. Sie habe gesagt, ihr gehe es den Umständen entsprechend gut und sie werde wohl am Sonntag von Personal der deutschen Botschaft und einem Anwalt besucht.

Lydia Förster berichtete bewegt, als Marlene sie eine Stunde vor der Kundgebung angerufen habe, hätten beide zunächst mehrere Minuten geweint. Dann sei die Verbindung abgebrochen. Bei einem zweiten Anruf habe ihre Tochter gesagt, „viele Menschen“ würden das Gespräch verfolgen und sie dürften nur in englischer Sprache miteinander sprechen.

Lydia Förster, die Mutter der im Nordirak festgenommenen politischen Aktivistin und Journalistin Marlene Förster, spricht am Mittwochabend auf einer Solidaritätskundgebung auf dem Friedensplatz in Darmstadt.
Lydia Förster, die Mutter der im Nordirak festgenommenen politischen Aktivistin und Journalistin Marlene Förster, spricht am Mittwochabend auf einer Solidaritätskundgebung auf dem Friedensplatz in Darmstadt. © Monika Müller

Darmstadt/Bagdad: Mutter berichtet auf Kundgebung über Telefonat

Lydia Förster, die im Darmstädter Stadtteil Bessungen lebt, sagte, sie habe das Gefühl, dass es ihr wirklich gut gehe. Nach wie vor sei nicht klar, was ihrer Tochter vorgeworfen werde, die sich seit Dezember im Nordirak im jesidischen Siedlungsgebiet für Recherchen aufgehalten habe.

Das Gespräch mit ihrer Tochter habe sie als „total befreiend“ empfunden“, sagte Lydia Förster, die dazu aufrief, gemeinsam zusammenzustehen und für die Freilassung ihrer Tochter und ihres slowenischen Kollegen einzusetzen.

Darmstadt: Stadtschüler:innenrat will Engagement von Marlene Förster ehren

Ida Herrmann, die amtierende Vorsitzende des Stadtschüler:innenrats, plädierte während der Kundgebung dafür, Försters umfangreiches Engagement für die Darmstädter Schüler:innen und die Zivilgesellschaft in ihren Jugendjahren zu würdigen. Im Namen der Stadt sollte „ein klares Zeichen der Unterstützung und Solidarität“ ausgesendet werden, so Herrmann, die zugleich mitteilte, dass der Stadtschüler:innenrat seine ehemalige Stadtschulsprecherin für die Jugendehrung der Stadt vorgeschlagen habe.

Der Landtagsabgeordnete Jan Schalauske (Die Linke) rief Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), die eine „feministische Außenpolitik“ versprochen habe, dazu auf, ihren Worten jetzt Taten folgen zu lassen. Und auch die hessische Landesregierung müsse sich „ohne Wenn und Aber für die Freilassung der Hessin Marlene Förster einsetzen“, so Schalauske.

Darmstadt: Solidaritätskundgebung für Marlene Förster auf dem Friedensplatz

Update vom Mittwoch, 11. Mai, 10:00 Uhr: Ein Kreis von Bekannten, Angehörigen, Freundinnen und Freunden hat für diesen Mittwoch, 11. Mai, eine Solidaritätskundgebung auf dem Friedensplatz angemeldet, um für die Freilassung der kurz nach Ostern im Irak festgenommenen Journalistin Marlene Förster zu demonstrieren. Beginn ist um 18 Uhr. Förster war am 20. April zusammen mit ihrem slowenischen Kollegen Matej Kavčič im nordirakischen Sinjar verhaftet und verschleppt worden. Seit mehr als zwei Wochen sitzen die beiden in der Hauptstadt Bagdad in einem Gefängnis des irakischen Geheimdienstes.

„Eine offizielle Begründung für die Inhaftierung gibt es bisher nicht“, schreibt der Darmstädter Solidaritätskreis in einer Mitteilung, in der „Freiheit für Marlene und Matej“ gefordert wird. Auf Drängen von Angehörigen, Freund:innen habe eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft die aus Darmstadt stammende Journalistin bisher ein Mal besucht. Zu ihrem slowenischen Kollegen gebe es weiterhin keinen Kontakt. „Wir fordern die Bundesregierung auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die beiden da rauszuholen“, fordert der Solidaritätskreis.

Darmstadt: Auch Stadtschüler:innenrat fordert „Freiheit für Marlene und Matej!“

Auch der Darmstädter Stadtschüler:innenrat (SSR) und die Schüler:innenvertretung des Darmstädter Ludwig-Georgs-Gymnasium forderte am Dienstagabend in einer Mitteilung „Freiheit für Marlene Förster und Matej Kavčič!“.

Die 29-jährige Marlene Förster hat das Ludwig-Georgs-Gymnasium besucht und mehrere Jahre lang im Darmstädter Stadtschüler:innenrat aktiv, unter anderem als Stadtschulsprecherin. Zudem war sie im Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschuss der Technischen Universität Darmstadt aktiv.

Stadtschüler:innenrat enttäuscht von Politikerinnen und Politikern in Darmstadt

„Wir sind schockiert von Marlenes Festnahme“, äußert die amtierende Stadtschulsprecherin Ida Herrmann in der Mitteilung. „Gleichzeitig macht uns die große Solidarität in der Darmstädter Bevölkerung Hoffnung, ihre zeitnahe Freilassung erwirken zu können.“

Dennoch zeigt sich der Vorstand des Stadtschüler:innenrats enttäuscht über die fehlenden Positionierungen aus der Politik. Dass sich bislang Darmstädter Politikerinnen und Politiker nicht öffentlich für Marlene Försters Freilassung eingesetzt haben stößt bei den Schüler:innen auf Unverständnis.

Der Darmstädter Stadtschüler:innenrat (SSR) hat die seit mehr als drei Wochen in Bagdad inhaftierte Aktivistin und Journalistin Marlene Förster für die Jugendehrung der Stadt vorgeschlagen.

Frankfurt: Forderung nach Freilassung von Marlene Förster und Matej Kavčič

Update vom Dienstag, 3. Mai, 19:56 Uhr: Am Internationalen Tag der Pressefreiheit am Dienstag, 3. Mai fanden in Frankfurt mehrere Demonstrationen statt. Am Vormittag gab es auch eine Kundgebung vor dem irakischen Konsulat. Dazu aufgerufen hatte die Initiative „Free Marlene and Matej“ und die „Interventionistische Linke“. Die Freund:innen von Förster wiesen darauf hin, dass sie vergangene Woche dem irakischen Konsul eine Protestnote übergeben hatten, in der sie die Freilassung von Marlene Förster und Matej Kavčič fordern. Sie seien besonders besorgt um Kavčič, da seit seiner Festnahme keinerlei Kontakt zu ihm bestehe.

„Heute am Tag der Pressefreiheit ist es wichtig, auf Marlenes und Matejs Schicksal aufmerksam zu machen und auch an all die anderen inhaftierten Journalisten und Journalistinnen in der Türkei zu erinnern“, begrüßte die Mutter von Förster, Lydia Förster, die Demonstrant:innen in einer Grußbotschaft, die dort verlesen wurde. 

Marlene Förster bei der Arbeit im Nordirak.
Marlene Förster bei der Arbeit im Nordirak. © Marlene Förster

Journalistin aus Darmstadt im Irak festgenommen: Öffentlicher Druck wächst massiv

Update vom Samstag, 30. April, 16:25 Uhr: Für die im Irak am 20. April wegen angeblichen Terrorverdachts festgenommene Journalistin Marlene Förster, die in Bagdad inhaftiert ist, gibt es immer mehr Solidaritätsaktionen und -bekundungen in Deutschland und auch aus der Schweiz.

Während die deutsche Botschaft inzwischen Kontakt zu Förster aufnehmen konnte, nachdem sie tagelang verschwunden war, fehlt von ihrem slowenischen Kollegen Matej Kavčič bislang jede Spur. Laut einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur ANF wurde Kavčič zeitgleich mit Förster nach Bagdad überstellt. Wo er seitdem festgehalten werde, sei jedoch unklar.

Bagdad: Journalistin Marlene Förster aus Darmstadt im Irak festgenommen

Förster, die einst Sprecherin des Darmstädter Stadtschüler:innenrats und Sozial-Referentin im Allgemeine Studierendenausschuss der Technischen Universität Darmstadt war, studierte zuletzt an der Marburger Philipps-Universität Geschichte sowie Friedens- und Konfliktforschung.

Nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ arbeitet Förster unter anderem für die monatlich in Hamburg erscheinende Publikation „Analyse & Kritik“, die im Untertitel „Zeitung für linke Debatte und Praxis“ heißt und die Nachfolgerin des „Arbeiterkampf“, der Zeitung des aufgelösten Kommunistischen Bunds, ist. Vorrangig habe sich Förster mit den Konflikten im Nahen Osten und der kurdischen Freiheitsbewegung beschäftigt.

#FreeMarleneandMatej: Solidarität mit Marlene Förster und Matej Kavčič

Nach Angaben des Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit sitzt Förster in einer Einzelzelle des irakischen Geheimdienstes in Bagdad. Sie und ihr slowenischer Kollege Matej Kavčič recherchierten im Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden im Nordirak. „Wir fordern die Behörden auf, beide unverzüglich freizulassen!“, heißt es in einem Tweet von „Reporter ohne Grenzen“.

Der Tweet wurde auch von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU), der Gewerkschaft für Journalistinnen und Journalisten in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, geteilt. Auch die DJU erklärte sich mit Förster und ihrem Kollegen Matej Kavčič solidarisch. Das Auswärtige Amt müsse „alles daran setzen, dass die beiden unverzüglich freigelassen werden“, teilte die DJU auf Twitter unter den Hashtags #FreeMarleneandMatej und #Pressefreiheit mit.

Solidaritätsbekundung in Hamburg: St. Pauli-Fans hängen Banner auf

Der Solidaritäts-Hashtag war auch am Freitagabend beim Heimspiel des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli gegen den FC Nürnberg im Millerntor-Stadion in Hamburg auf einem Banner von St. Pauli-Fans zu lesen. Auf dem Banner stand die Forderung „#Free Marlene & Matej!“.

Bereits am Dienstag, 26. April, hatte eine Delegation von Freundinnen und Freunden von Förster und Kavčič das irakische Konsulat in Frankfurt besucht und deren Freilassung aus der Polizeihaft in Bagdad gefordert, berichtete die Solidaritätsorganisation „Libertad!“, die sich als historische Quellgruppe der Interventionistischen Linken versteht. 

Protestaktionen für Marlene Förster aus Darmstadt in Frankfurt, Hamburg und Berlin

Laut einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur ANF gab es zudem am Freitag, 29. April, vor dem Auswärtigen Amt in Berlin eine Protestaktion für die Freilassung der deutschen Journalistin und ihres slowenischen Kollegen. Der Versuch, dem zuständigen Staatsminister Tobias Lindner (Grüne) ein Dossier über den Fall direkt zu überreichen, sei jedoch gescheitert.

Einen Offenen Brief an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), in dem die Freilassung von Förster und Kavčič gefordert wird, haben laut dem ANF-Bericht inzwischen mehr als 400 Personen unterzeichnet. Der Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Die Linke) hat zudem zu dem Fall eine Anfrage an das Auswärtige Amt gestellt. Eine Antwort der Bundesregierung stehe noch aus, teilt der Abgeordnete auf seiner Internetseite mit.

Unterdessen haben auch der Soziologe Jean Ziegler und mehrere Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien aus der Schweiz an die deutsche Botschaft in Bagdad appelliert, sich für die Freilassung der beiden verhafteten Journalist:innen einzusetzen, berichtete die Nachrichtenagentur ANF am Samstag.   

Nach Festnahme im Irak: Lebenszeichen aus Bagdad von Journalistin aus Darmstadt

Erstmeldung vom Freitag, 29.04.2022, 19:03 Uhr: Mehr als eine Woche lang wurde gebangt und gehofft – doch nun gibt es Gewissheit: Die aus Darmstadt stammende Journalistin Marlene Förster lebt und wird in der irakischen Hauptstadt Bagdad festgehalten.

Förster war nach einer Mitteilung des Vereins Civaka Azad, dem Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit, am Mittwoch nach Ostern, 20. April, an einem Checkpoint der irakischen Armee in Sengal im Nordirak festgenommen worden. Nach ihrer Festnahme verlor sich mehr als eine Woche lang ihre Spur.

Marlene Förster recherchierte im Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden.
Marlene Förster recherchierte im Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden. © Marlene Förster

Bagdad: Journalistin aus Darmstadt sitzt im Irak im Gefängnis

Am Donnerstag, 28. April, konnte die 29-Jährige nun den Angaben zufolge erstmals mit einer Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft in Bagdad sprechen. Nach Auskunft der Botschaftsmitarbeiterin wird Förster in einer Einzelzelle im Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes festgehalten. Förster soll sich bis zum Kontakt mit der Botschaft in einem Hungerstreik befunden haben. Nach Angaben der Botschaftsmitarbeiterin wird Förster „Terrorunterstützung“ vorgeworfen.

Laut einem Bericht des „Darmstädter Echo“ wuchs Förster in Darmstadt auf, besuchte das altsprachliche Ludwig-Georgs-Gymnasium und war von 2011 an Sprecherin des Darmstädter Stadtschüler:innenrats. Nach ihrem Abitur habe sie zunächst an der Technischen Universität Darmstadt studiert und sich dort auch im Allgemeinen Studierendenausschuss engagiert. Zuletzt soll Förster an der Marburger Philipps-Universität Geschichte sowie Friedens- und Konfliktforschung studiert haben. Ihre Mutter lebt in Darmstadt.

Wird im Irak festgehalten: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster.
Wird im Irak festgehalten: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster. © Civaka Azad

Journalistin aus Darmstadt nach Recherche im Nordirak festgenommen

Laut der Mitteilung des Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit hatte Förster zusammen mit einem slowenischen Kollegen in den vergangenen Monaten im nordirakischen Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden recherchiert. Inhalt und Ziel der Recherche waren die gesellschaftliche Entwicklung in Sengal nach dem durch die Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staates verübten Genozid an den Jesidinnen und Jesiden im Jahr 2014.

Ein Freundes- und Unterstützerkreis hat inzwischen gemeinsam mit Försters Familie einen offenen Brief an Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) geschrieben. Jan Schalauske, der Vorsitzende und friedenspolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Hessischen Landtag, hat indes gefordert, dass sich auch die Landesregierung für Förster einsetzen soll.

Tagelang verschwunden: Journalistin aus Darmstadt im Irak festgenommen

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