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Darmstadt: Kritik an Idee zu Bebauung im Westwald

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Das neue regionale Entwicklungskonzept weist potenzielle Flächen im Süden der Stadt auf. Das gefällt Waldschützern nicht.

Erst kürzlich tagte erstmals der runde Tisch Wald, in dem Experten und Naturschutzverbände beraten, wie der Darmstädter Wald – vor allem der im Absterben begriffene Westwald – geschützt und für den Klimawandel besser aufgestellt werden könnte.

Doch jetzt werden ausgerechnet Teile des Westwalds im kürzlich vorgestellten Regionalen Entwicklungskonzept des Regierungspräsidiums Darmstadt als potenzielle „prioritäre Flächen“ zur Wohnbebauung dargestellt. Konkret geht es um insgesamt 140 Hektar, unter anderem südlich der Lincolnsiedlung zwischen Heidelberger Landstraße und Bundesstraße 3. Entstehen könnten laut Konzept 9000 Wohneinheiten. Im bereits bebauten Innenbereich Darmstadts seien durch Nachverdichtung weitere 3500 Wohneinheiten möglich. Die Vorzüge einer Bebauung im Süden sind für das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner laut erstelltem Konzept „die gute Anbindung an den ÖPNV und der hohe Anteil an Konversionflächen“.

Die FDP kritisiert die Erwägungen einer Entwicklung von Wohnbebauung auf den Waldflächen scharf: „Angesichts der Debatte um den Klimawandel und der Bedeutung des Waldes in diesem Zusammenhang ist es ein Stück aus dem Tollhaus, wenn das von einer Grünen geführte Regierungspräsidium nun anregt, Waldflächen zu roden und zu bebauen“, teilte Vorsitzender Leif Blum mit. Er forderte „eine Bestandsgarantie für den Eberstädter Wald“.

Auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sieht das Konzept, das für den gesamten Ballungsraum Rhein-Main potenzielle Bauflächen in den Blick nimmt, kritisch. „Es geht dabei großzügig um Flächenverbrauch und wenig um intelligente Ideen, wie man nachverdichten könnte“, sagte der Geschäftsführer des hessischen Landesverbands, Christoph von Eisenhart Rothe, der FR. Auch müssten Ideen entwickelt werden, wie man das Umland besser anbinden könne, um „die Leute in den ländlichen Gebieten zu halten“. Die Interessengemeinschaft Bessunger Kiesgrube zeigte sich schockiert über die Idee, den Wald in Eberstadt und der Heimstättensiedlung sowie angrenzende Streuobstwiesen dem Wohnungsbau zu opfern: „In Zeiten des spürbaren Klimawandels grenzt diese Idee an Größenwahn.“ Werner Krone, Stadtverordneter der Linken und Mitglied der Westwaldallianz, sagte, es gehe um mehr als nur die „Eberstädter Tanne“, wie der Wald auch genannt wird. Es stelle sich die Frage nach den Grenzen des Wachstums auch der Stadt.

Die Stadt ließ wissen, dass man den Ansatz des RP „nachdrücklich“ unterstütze. Das Konzept liefere „wertvolle Denkanstöße, die Ausgangspunkt für eine breit angelegte öffentliche Diskussion über die Zukunft unserer Region sein können“. Alle Flächen, die identifiziert wurden, seien nicht per se Neubaugebiete, sondern bedürften weiterer Prüfungen. Die weiteren Voruntersuchungen zur Entwicklung der Fläche benötigten zudem einen Beschluss der politischen Gremien.

Gerhard Schäfer, ehemaliger Regionalplaner und selbst Darmstädter, sieht beide Seiten: Einerseits sei es sinnvoll zu bauen, wo Flächen erschlossen seien und die Straßenbahn verlaufe, sagte er der FR. Andererseits habe der Wald eine wichtige Funktion. Man könne nicht sagen: „Der Wald ist eh schon halb tot, jetzt macht man ihn ganz tot.“

Das Regionale Entwicklungskonzept ist abrufbar unter rp-darmstadt.hessen.de.

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