Menschen protestieren auf der Friedrichstrasse in Berlin dicht gedrängt gegen Corona-Auflagen.
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Demonstration gegen die Corona-Auflagen in der Friedrichstrasse in Berlin.

„Querdenken“

Koke unterstützte die Corona-Leugner: Jetzt ziehen die Lilien Konsequenzen

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Das Unternehmen Koke aus Pfungstadt stattete die Corona-Leugner der Initiative „Querdenken“ aus. Nun hat der SV Darmstadt 98 die Zusammenarbeit beendet.

  • Das Unternehmen Koke unterstützt „Querdenken“-Demonstrationen von Corona-Leugnern als Dienstleister.
  • Äußerungen in einer Telegram-Gruppe zeichnen jedoch ein anderes Bild von Firmen-Chef Dirk Koke.
  • Der SV Darmstadt 98 beendet seine Zusammenarbeit mit der Unternehmen.

Update vom Freitag, 07.08.2020, 15.30 Uhr: Der SV Darmstadt 98 setzt seine Zusammenarbeit mit der Koke GmbH nicht fort. „Aufgrund verschiedener in dieser Woche getätigter Äußerungen, welche nicht mit den Werten und Einstellungen des Vereins übereinstimmen, hat der SV 98 die Gespräche über eine Verlängerung der Partnerschaft beendet.“, heißt es auf der Website des Zweitligisten. Der Sponsoring-Vertrag war bereits zum 30. Juni ausgelaufen. Das Unternehmen war zuletzt stark in Kritik geraten, da sie die Demonstration von Corona-Leugnern in Berlin technisch umsetzten. Jahrelang war die Koke GmbH ein wichtiger Partner des Fußballvereins.

Demo der Corona-Leugner: Geschäftsführer von Koke spricht von „gewaltiger Hetze“

+++ 18.35 Uhr: Inzwischen hat sich der Geschäftsführer der Koke GmbH, Dirk Koke, auch gegenüber der Frankfurter Rundschau geäußert. Dabei hat er seine Stellungnahme wiederholt, dass die Technik der Koke GmbH mehrfach bei „Querdenken“-Demonstrationen zum Einsatz gekommen sind.

Darüber hinaus sprach Koke gegenüber der FR von einer „gewaltigen Hetze“ gegen ihn. Allerdings bekommt der Unternehmer, der sich zu Unrecht „an den Pranger“ gestellt sieht, in der „Querdenken“-Szene und unter den Leugnern der Covid-19-Pandemie auch viel Unterstützung für sein Engagement. Im Gegensatz zu mitunter sehr aufgebrachten und entrüstet reagierenden Demonstrationsteilnehmern sagte Koke, er bewerte die redaktionelle Berichterstattung über ihn und sein Unternehmen als „neutral“.

Stellungnahme von Koke zu „Querdenken“-Demo war mit dem SV Darmstadt 98 abgestimmt

Zusammen mit dem SV Darmstadt 98, dessen Top-Sponsor die Koke GmbH bis Ende Juni war, sei auch eine Stellungnahme erarbeitet und am Montagabend auf der Internetseite des Unternehmens veröffentlicht worden.

In einer internen Telegram-Gruppe der Darmstädter „Querdenken“-Gruppe wurde Koke allerdings noch deutlicher. Dort war zu lesen, er sei „gezwungen“ gewesen, „eine Stellungnahme abzugeben, die das Maximale hergibt, was ich noch als zurückrudern akzeptieren kann“. Dies sei geschehen, um Mitarbeiter zu schützen, damit er ihnen auch in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten noch einen Arbeitsplatz mit Bezahlung anbieten könne.

Inhaber der Koke GmbH äußert sich zu Vorwürfen

Update vom Donnerstag, 06.08.2020, 06.41 Uhr: Erst war er nicht zu erreichen, jetzt hat er sich aber doch noch geäußert. Dirk Koke, der Geschäftsführer der Koke GmbH mit Sitz im südhessischen Pfungstadt bei Darmstadt, hat Recherchen der „Frankfurter Rundschau“ bestätigt, dass Koke-Technik bereits mehrfach bei Demonstrationen der Gruppierung „Querdenken“ zum Einsatz gekommen ist.

Nachdem der Unternehmenschef weder am Dienstag (04.08.2020) noch am Mittwoch (05.08.2020) auf telefonische Anfragen der „Frankfurter Rundschau“ reagiert hatte, äußerte er nun in einem am Mittwochabend veröffentlichten Interview mit dem „Darmstädter Echo“, er habe bereits vor einiger Zeit von sich aus Kontakt zum Initiator der „Querdenken“-Demonstrationen in Stuttgart gesucht und diesem vorgeschlagen, LED-Wände einzusetzen, um Abstände einzuhalten. Initiator des Stuttgarter Bündnisses „Querdenken 711“, das auch die Demo in Berlin organisiert hatte, ist Michael Ballweg. 

Unternehmer aus Pfungstadt bei Darmstadt organisierte Technik für Proteste in Stuttgart, Mannheim und Darmstadt

Zudem, sagte Unternehmenschef Koke dem „Darmstädter Echo“, habe er bereits in der Vergangenheit für Protestkundgebungen in Stuttgart, Mannheim und Darmstadt „als Privatperson“ für die „Querdenken“-Demos „Technik organisiert“. Die von ihm geleitete Firma Koke GmbH sei „lediglich ein einziges Mal“ – und zwar am vergangenen Wochenende bei der Großveranstaltung in Berlin – als Dienstleister für „Querdenken“ tätig gewesen.

Bei der Kundgebung hatten am Wochenende Tausende gegen die Corona-Auflagen protestiert und diese zugleich notorisch ignoriert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte am Montag die Verstöße kritisiert und in einer Videobotschaft geäußert, die „Verantwortungslosigkeit einiger Weniger“ sei „ein Risiko für uns alle“.

Erstmeldung vom Dienstag, 04.08.2020: Darmstadt/Pfungstadt – Während der Fußballzweitligist SV Darmstadt 98 seit Mitte März in Darmstadt mit Unterstützung der Stadt unter dem Motto „Wir sind #soliDArisch“ eine zentrale Anlaufstelle etabliert hat, um hilfswillige und hilfesuchende Menschen miteinander zu verbinden, hat ein Topsponsor des SV98 in den vergangenen Monaten eine andere Richtung eingeschlagen.

Darmstadt: Pfungstädter Unternehmen Koke stattet Demonstrationen von Corona-Leugnern aus

Das Pfungstädter Unternehmen Koke, das in der vergangenen Spielzeit nicht nur Topsponsor des Fußballzweitligisten war, sondern inzwischen auch Hauptsponsor des eSport-Teams des SV98 ist, hat in den vergangenen Monaten mehrfach Demonstrationen von Corona-Leugnern mit technischen Geräten ausgestattet. Zuletzt fungierte das Unternehmen am vergangenen Wochenende bei der Großdemonstration in Berlin, die von der Polizei aufgelöst wurde, als technischer Dienstleister.

Ziel sei es gewesen, für eine „reibungslose Abwicklung“ und frei nach dem Motto „Nu aba ran an de Buletten für ne dufte Demo“ zu sorgen, hieß es unter der Überschrift „Auf nach Berlin!“ in einem Blogeintrag, der auf der Internetseite von Koke veröffentlicht wurde. Lilien-Fans reagierten empört und mit Unverständnis auf den begeistert klingenden Eintrag sowie die technische logistische Unterstützung der vielfach kritisierten Großdemo, bei der keine Abstandsregeln eingehalten und kaum Mund-und Nase-Masken getragen wurden.

Darmstadt: Koke aus Pfungstadt unterstützt Corona-Leugner

Allerdings war diese Unterstützung keine einmalige Unterstützungsaktion für die Corona-Leugner. Denn bereits seit Juni waren sowohl auf dem Darmstädter Messplatz wie dem Friedensplatz LED-Bildschirme sowie weitere mobile Technik aufgebaut worden, um Demonstrationen der Gruppe „Querdenken 615 – Darmstadt“ zu unterstützen. Bei einer der Demos war dazu aufgerufen worden, schmutzige Masken zu sammeln, um diese dem Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) zu überreichen. Partsch hat inzwischen tatsächlich, wie berichtet, ein anonymes Paket mit schmutzigen Masken erhalten. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz.

Nach Angaben des Pfungstädter Unternehmens wurden in Berlin drei mobile LED-Trailer mit einer Bildfläche von 31 beziehungsweise 16 Quadratmetern sowie vier Kameras eingesetzt. Zudem übernahm das Koke-Team den gesamten Produktionsprozess, führte Regie und kümmerte sich auch um den Livestream, die Übersetzung in drei Sprachen sowie um den Auf- und Abbau der Technik bei der Veranstaltung,

Darmstadt: Koke schickt alle am Berlin-Einsatz beteiligten Mitarbeiter in häusliche Quarantäne

Inzwischen hat Geschäftsführer Dirk Koke auf die Kritik mit einer Stellungnahme reagiert. So sollte der Blogbeitrag „sachlich über eine technische Herausforderung berichten“. Es sei auch weder Werbung für eine Veranstaltung gemacht worden noch habe mit dem Beitrag eine politische Ausrichtung oder Meinung kommuniziert werden sollen.

Zugleich distanzierte sich Koke deutlich von den Initiatoren der Großdemo und verurteilte „entschieden das Verhalten und die Inhalte rund um die Demo“. Es sei „unverantwortlich, auf so engem Raum die Regeln und Auflagen nicht einzuhalten“. „Das Coronavirus ist real und kein Leugnen und keine Aufmärsche werden dies verwischen“, so Koke. Der Firmenchef teilte zudem mit, dass alle an dem Berlin-Einsatz beteiligten Mitarbeiter in häusliche Quarantäne geschickt worden seien und sich „selbstverständlich“ einem Corona-Test unterziehen würden. (Jens Joachim)

In Darmstadt verstoßen dutzende Demonstranten bei einer Corona-Demo und bei einer „Querdenken“-Versammlung gegen die Corona-Auflagen und weigern sich Mund-Nase-Bedeckungen zu tragen. Dann schreitet die Polizei ein.

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