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Mahnwache gegen Kriegsverklärung am Volkstrauertag 2020 in Darmstadt. Foto: Michael Schick
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Mahnwache gegen Kriegsverklärung am Volkstrauertag 2020 in Darmstadt. Foto: Michael Schick

Darmstadt

Darmstadt: Kameradschaft der Leibgardisten vor der Auflösung

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Der Verein am rechten Rand betrieb seit 1954 die Traditionspflege des Infanterie-Regiments 115 Darmstadt. Doch Ende des Jahres soll er aufgelöst werden.

Als 1954 Kameradschaften, Kriegsvereine und Veteranenverbände in Deutschland wieder zugelassen waren, nahm auch die Kameradschaft der Leibgardisten und des Infanterie-Regiments 115 in Darmstadt ihre Arbeit wieder auf, wie in der Mitgliederzeitschrift „Der Leibgardist 1621“ zu lesen ist. Der damalige Darmstädter Oberbürgermeister Ludwig Engel (SPD) sendete die „besten Grüße“ und hieß den Verein herzlich in der Stadt willkommen. Seither genoss die Kameradschaft Anerkennung durch die lokale Politprominenz und Vertreter der Bundeswehr, wie Peter Friedl von der Darmstädter Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen in seiner Rede zum Volkstrauertag 2020 am Leibgardistendenkmal in Darmstadt sagte.

Die Friedensgesellschaft hat sich mit der Kameradschaft und deren Aktivitäten beschäftigt und dafür auch die Veröffentlichungen ihres Mitteilungsblattes seit 1957 ausgewertet. Der Verein „positioniert sich selbst gesellschaftspolitisch am äußerst rechten Rand“, so Friedl. Dies zeige unter anderem der Beitrag „Zehn Sprachgebote für ‚brave’ Deutsche“, im Heft 1/1998. Darin heißt es „Deutsche, die aufmucken gegen Masseneinwanderung und Überfremdung, sind ‚Ausländerfeinde’. Deutsche, die von deutschen Politikern die Wahrung deutscher Interessen verlangen, sind ‚Rechtsradikale’“.

Hohe Militärs der Nazi-Zeit geehrt

Auch seien vor allem hoher Militärs der NS-Zeit ohne jede kritische Reflexion, wiederholt ehrend gedacht worden, so Friedl. Da wären etwa NSDAP-Mitglied und Reichsrichter Ernst Pabst, General der Waffen-SS Maximilian von Herff oder Generaloberst der Waffen-SS Karl Wolff.

In der Kameradschaft spricht man indes von der Ehrung von Veteranen. Vorsitzender Helmut Weipert kritisiert sogar ein heute mangelndes Traditionsbewusstsein in der Bundeswehr: „Was sind wir für eine Gesellschaft geworden, wenn wir Hindenburgring und Bismarckallee umbenennen wollen?“, fragt er. Auch die Stadt Darmstadt habe ein gemeinsames Gedenken zum Volkstrauertag abgelehnt, zeigt sich Weipert resigniert.

Kein Nachwuchs für Kameradschaft

Jetzt steht die Auflösung der Kameradschaft zum Jahresende an. Das hat die Mitgliederversammlung beschlossen. Grund ist, dass man keinen Nachwuchs mehr findet. „Wir haben seit 75 Jahren Freiheit, doch die Menschen wissen nicht, was das wert ist und haben kein Interesse daran“, sagt Weipert. Mit seinen 80 Jahren sei er das jüngste der verbliebenen 60 Mitglieder.

Mehr zum Streit um das Gardistendenkmal in Darmstadt lesen Sie im Artikel „Darmstadt: Streit über Gedenken an Gefallene“

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