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Ein Blick in das Rechenzentrum FR6 von Equinix.
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Ein Blick in das Rechenzentrum FR6 von Equinix.

Darmstadt

Darmstadt: Intelligente Software sucht Sparpotenzial

  • Claudia Isabel Rittel
    VonClaudia Isabel Rittel
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Ein Innovationspreis hat das US-amerikanische Unternehmen Equinix mit dem Darmstädter Startup Etalytics zusammengebracht. Ihr Ziel: Den Stromverbrauch in Rechenzentren senken.

Intelligente Software soll zukünftig in den Rechenzentren des weltweit größten Betreibers von Datenfabriken Strom sparen. Ein entsprechendes Pilotprojekt hat das amerikanische Unternehmen Equinix in Kooperation mit dem Darmstädter Start-up Etalytics in einem Frankfurter Rechenzentrum gestartet. Den Anstoß dazu gegeben hat der Ideenwettbewerb Klimaschutz der Stadt Frankfurt, den Etalytics 2019 gewonnen hatte. Durch die Vermittlung des Energiereferats kamen die beiden Firmen zusammen.

„Eigentlich sind wir auf die Energieoptimierung in der Industrie spezialisiert“, sagt Niklas Panten, Mitgründer und Geschäftsführer von Etalytics, einer Ausgründung der Technischen Universität Darmstadt. Die Ansätze seien jedoch auch auf Rechenzentren übertragbar. „Wir forschen an dem Thema schon seit vielen Jahren.“

Ebenso wie die klassische Industrie braucht die Datenindustrie sehr viel Strom. Große Rechenzentrumsbetreiber wie Equinix stellen die Gebäude samt der Infrastruktur und Services, wie etwa der Kühlung, zur Verfügung und vermieten den Platz an Kunden, die ihre Server dort platzieren. Strom benötigen in den Rechenzentren vor allem die Mieter von Serverfläche, um Daten zu bewegen, und die Betreiber wie Equinix, um die Kühlung sicherzustellen.

Das Kühlsystem großer Rechenzentren besteht laut Panten in der Regel aus Komponenten wie Kühltürmen, Kältemaschinen, Pumpen, Wärmetauschern sowie verschiedenen Wasser- und Luftkreisläufen. Bei der Übertragung der Kälte durch diese Komponenten gibt es laut Jens-Peter Feidner viele Parameter, die sich einstellen lassen. Feidner ist Geschäftsführer Deutschland bei Equinix. Bisher allerdings werde dieses Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

Obwohl schon Sensoren genutzt werden, würden in der Regel bei Inbetriebnahme der großen High-Tech-Rechenzentren Standardeinstellungen programmiert – zum Beispiel, dass im Winter weniger gekühlt werden muss als im Sommer, erklärt Feidner.

Ideenwettbewerb

Unter dem Motto „Kreative Köpfe für den Klimaschutz“ lobt die Stadt Frankfurt den „Ideenwettbewerb Klimaschutz“ aus.

Im Fokus stehen dabei die Themen Energieversorgung, Gebäudesysteme und Mobilität. Zusätzlich gibt es Sonderkategorien – wie Solarenergie, Elektromobilität oder Abwärme.

Das Ziel: Ideen zu finden, um in Frankfurt Kohlendioxid einzusparen.

Derzeit wird das Konzept zur Förderung kreativer Ideen überarbeitet. cir

Zukünftig sollen die Kühlanlagen anhand der vorhandenen und vieler zusätzlicher Parameter selber dynamisch auf Veränderungen reagieren. Auch die Wettervorhersage spielt dabei eine Rolle. Fast ein Jahr lang haben Etalytics und Mitarbeiter von Equinix dazu im Rechenzentrum FR6 in Griesheim Modellierungen vorgenommen, um Einsparpotenziale im Wasserkreislaufs der Kühlung zu berechnen. Finanziert wurde das zu zwei Dritteln mit den 22 000 Euro Preisgeld der Stadt Frankfurt.

Das Ergebnis: Mit der intelligenten Software lassen sich im Rechenzentrum FR6 von Equinix pro Jahr theoretisch 602 Megawattstunden Strom einsparen – das ist etwa so viel Strom wie 134 deutsche Durchschnittsfamilien mit zwei Kindern in einem Jahr verbrauchen.

Viel oder wenig? Das kommt darauf an, womit man es vergleicht. Vom gesamten Stromverbrauch für das Rechenzentrum FR6 sind das nur 1,5 Prozent. Doch angesichts der ständig wachsenden Zahl von Rechenzentren liegt hier ein großes Potenzial. Gerade heute etwa eröffnet Equinix das Rechenzentrum FR8 in unmittelbarer Nachbarschaft zu FR6 in der Lärchenstraße in Griesheim.

Hochgerechnet auf alle Frankfurter Rechenzentren ließe sich allein in der Metropole jedes Jahr so viel Strom sparen wie mehr als fünftausend Familien verbrauchen. Und mit Blick auf den weltweiten Strombedarf von Equinix von 6,46 Terawattstunden im vergangenen Jahr – was etwa so viel Strom ist, wie ganz Luxemburg pro Jahr verbraucht – entspräche das jährliche Einsparpotenzial dem Verbrauch von gut 20 000 Familien mit zwei Kindern.

Paul Fay vom Frankfurter Energiereferat sieht es sehr pragmatisch: „Jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, ist eine gute Kilowattstunde.“ Das Pilotprojekt von Equinix und Etalytics zeige, dass man mit relativ geringem Aufwand eine Anlage optimieren kann. „Wenn das Einsparpotenzial so groß ist, wie Etalytics das verspricht, ist das super“, sagt Fay. Wichtig sei aber auch, dass sich zunehmend die Betreiber der Server über ihren Stromverbrauch Gedanken machten. „Da schlummert meines Erachtens das größte Potenzial“, so Fay. Denn viele Server seien nur teilweise ausgelastet. „Aber das ist nochmal ein ganz anderes Fass.“

Bei Equinix verbrauchen die Mieter von Serverfläche laut Aussagen des Unternehmens rund 80 Prozent des Stroms, 20 Prozent verbraucht Equinix selbst. Wie viel Strom die neue Software von Etalytics tatsächlich einsparen kann, wird sich im kommenden Jahr zeigen. Denn erst vom Ende dieses Jahres an wird sie beginnen, die Kühlanlagen zu steuern.

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