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Darmstadt: Initiative will Stadt vom Abfall befreien

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Birgit Haase beim Einsammeln von Müll im Darmstäder Stadtteil Arheilgen.
Birgit Haase beim Einsammeln von Müll im Darmstäder Stadtteil Arheilgen. © May-Britt Winkler

Eine kleine Gruppe kämpft in Darmstadt gegen den herumliegenden Müll. Denn der kann auch Tieren gefährlich werden, sagt Organisatorin Birgit Haase.

In der Pandemie ist Spazierengehen bei vielen noch beliebter geworden. Würde man dabei jedes Mal ein wenig Müll aufsammeln, wäre die Welt ein bisschen besser – und Birgit Haase wäre glücklich.

Die Darmstadt-Arheilgerin geht selbst mit gutem Beispiel voran und ist sich nicht zu schade, auch teils sehr unappetitliche Teile aufzulesen, die andere in die Gegend geworfen haben. Gemeinsam mit Initiatorin Melanie Kerth ist sie Organisatorin von „Clean up Darmstadt“, einer Initiative, die sich das Ziel gesetzt hat, die Stadt von Müll zu befreien: OP-Masken, Kondome und Bonbonpapier in Hülle und Fülle, Schnapsflaschen, Windeln und Autoteile. „Es gibt nichts, was du nicht findest“, sagt Haase. Dabei könne der Müll sehr gefährlich für Tiere sein: „Die können sich verfangen und grausam zu Grunde gehen.“ Manche würden bei der Futtersuche den Kopf in Flaschen oder Dosen stecken und könnten sich nicht wieder befreien. Andere Tiere verhungerten mit vollem Magen, weil Müll ihren Verdauungsapparat verstopft.

Und nicht zuletzt schadet der Mensch auch sich selbst. Mikroplastik gelangt in Gewässer und über den Kreislauf des Lebens wieder zu uns. So verseucht eine einzelne achtlos weggeschnippte Zigarettenkippe etwa 1000 Liter Grundwasser mit Nikotin. Eine Plastikflasche am Feldrand dagegen verrottet erst in ungefähr 400 Jahren.

Müll ist global, aber er ist unterschiedlich verbreitet: „In manchen Gegenden Darmstadts wird der Abfall einfach vom Balkon geworfen. Außerdem leben in den Sommermonaten viele Menschen im Wald oder in Parks, wo sie sich mit Planen Behausungen schaffen.“ So etwas berührt die Aktivistin sehr.

Ohne Frage seien Klimawandel und Umweltschutz für einen Obdachlosen zu vernachlässigende Probleme, aber auch sie seien oft lernwillig: „Einmal hat die Clean up-Gruppe im Bürgerpark große Plastiksäcke abgehängt, um diese zu entsorgen. Da kamen plötzlich zwei entsetzte Obdachlose, denn wir hatten gerade ihr Haus zerstört.“ Die Planen seien natürlich wieder aufgehängt worden, und im Gegenzug hätten die beiden ihren richtigen Müll wieder eingesammelt.

„Sensibilisierung ist alles“, sagt Haase. Eltern müssten ihren Kindern umweltfreundliche Entsorgung vorleben. Und was spreche dagegen, dass auch Lehrkräfte und Schülerschaft sich zum Müllsammeln treffen? Es ließe sich prima in den Unterricht integrieren, sei es in Biologie, Erdkunde, Ethik oder Sport. „Das ist fast wie Workout“, so die Umweltschützerin. „Viel Bewegung und häufiges Bücken.“ In einer Stunde kommen da pro Person schon mal drei große Müllsäcke zusammen, die dann vom EAD abgeholt werden.

Besser als Müllsammeln wäre natürlich, Müll gar nicht erst in die Umwelt zu werfen, oder gar weniger zu produzieren, aber Birgit Haase und ihre Mitstreiter kompensieren das, so gut es geht. Mitmachen kann jeder. Helfende Hände werden immer gesucht, denn nach dem Müllsammeln ist vor dem Müllsammeln. Zwei Tage später sei oftmals schon wieder alles von Abfall übersät.

Infos unter www.cleanup-darmstadt.de

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