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ICE-Züge werden von 2026 an in Darmstadt gereinigt

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Die Scheiben der ICE-Züge müssen in Darmstadt künftig wohl nicht mehr händisch geputzt werden – so wie hier im Hauptbahnhof Frankfurt.
Die Scheiben der ICE-Züge müssen in Darmstadt künftig wohl nicht mehr händisch geputzt werden – so wie hier im Hauptbahnhof Frankfurt. © Peter Jülich

DB Fernverkehr plant eine 55 Millionen Euro teure ICE-Waschanlage auf dem Gelände des alten Rangierbahnhofs in Darmstadt.

Darmstadt bekommt eine ICE-Waschanlage. Bis zum Fahrplanwechsel 2026 soll die sogenannte Abstell- und Behandlungsanlage auf dem alten Rangierbahnhof im Stadtteil Kranichstein fertig sein. Der neue Betriebshof soll drei Abstellgleise erhalten sowie vier Gleise für die Innenreinigung und zur Reparatur kleinerer Mängel – etwa an der Toilettenspülung oder der Kaffeemaschine. Vergleichbare Anlagen gibt es zurzeit im Rhein-Main-Gebiet nur in Höchst oder Frankfurt. Der Baubeginn des 55 Millionen teuren Projekt ist für Ende 2023 oder Anfang 2024 geplant.

Notwendig wird der Bau nicht nur, um die vom Bund vorgegebenen Ziele zur Verdopplung des Schienenverkehrs bis 2030 zu erreichen. Bislang stehen viele ICE-Züge über Nacht etwa bei Neu-Isenburg auf offener Strecke, wo sie zum Schutz vor Graffiti aufwendig bewacht werden müssen, ohne dass dort Steckdosen oder Displays überprüft werden können, bevor die Züge am nächsten Tag wieder auf die Strecke gehen. Die in Kranichstein gereinigten Schnellzüge sollen in Zukunft von Mainz, Frankfurt und Darmstadt aus starten.

Planung für die ICE-Waschanlage in Darmstadt erstmals öffentlich gemacht

Das Vorhaben, das DB Fernverkehr bereits Anfang des Monats zur Planfeststellung eingereicht hat, wurde am Wochenende vom Eisenbahnmuseum Kranichstein vorgestellt. „Dass die DB uns da so sehr vertraut, liegt daran, dass wir von Anfang in die Planung eingebunden waren, und dabei zusammen mit dem Denkmalschutz die Bahn von unserem Konzept überzeugen konnten“, berichtet Museumssprecher Stephan Heldmann.

Auf dem ehemaligen Rangierbahnhof wird das alte Betriebsgebäude mit dem denkmalgeschützten Stellwerksturm neues Ausstellungsgebäude.
Auf dem ehemaligen Rangierbahnhof wird das alte Betriebsgebäude mit dem denkmalgeschützten Stellwerksturm neues Ausstellungsgebäude. © Sebastian Weißgerber

Der Trägerverein Museumsbahn e.V., der 1976 das erste private Eisenbahnmuseum gründete, sei überdies Kaderschmiede für die Bahn. „Manche haben hier mit elf Jahren als Stellwerkswärter bei unserer Kindereisenbahn angefangen und sind heute Mechatroniker bei der richtigen Bahn.“ Zudem betreibt der Bahn-Ausbilder MEV eine Tex Rail Trainings Academy im Vereinsgebäude.

Verein Museumsbahn erhält 1,2 Kilometer lange Strecke für historische Lokfahrten

Einen kleinen Teil des von der Bahn gemieteten Geländes wird das Museum zwar nun für die ICE-Anlage abtreten müssen. Dafür bekommt es aber umso mehr dazu. „Das ist unsere größte Chance seit 50 Jahren“, erklärt Martin Bucher, Leiter der Infrastruktur im Museum. So wird der Verein in Zukunft über seine eigene 1,2 Kilometer lange Bahnstrecke verfügen.

„Da können wir dann auch mit historischen Dampfloks fahren, die für das öffentliche Netz viel zu langsam sind und deren Nachrüstung mit notwendiger Sicherheitstechnik für uns zu teuer wäre“, sagt Bucher mit Blick auf die „Zuckersusi“. Die bayrische Lokalbahnlok mit Nummer 98 272 von Maffei aus dem Jahr 1903 steht schon seit einigen Jahren zur Sanierung zerlegt im Lokschuppen.

Dritter Halt für historische Lokomotiven auf Museums-Insel in Darmstadt geplant

Die hauseigene Museumsstrecke wird dann nicht nur an dem denkmalgeschützten Ablaufberg mit Berg- und Rangiermeisterbude vorbeiführen, sondern eben auch an der modernen ICE-Waschanlage. „So können wir die historische Technik aus den 1960er-Jahren zeigen, aber auch, was heutzutage alles passieren muss, bis so ein ICE einstiegsfertig im Hauptbahnhof vorfahren kann“, sagt Vereinssprecher Heldmann. Die Strecke soll etwa 1,2 Millionen Euro kosten, die Kosten würden von der DB Fernverkehr übernommen.

Neben den Gleisen gehörten dazu auch gleich drei Bahnsteige, die in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium sogar in der historischen niedrigeren Höhe gebaut werden könnten. Vorbild seien die Ein- und Ausstiege an der Hafenbahn am Mainufer in Frankfurt.

Neben den Bahnsteigen am Anfang und Ende der geplanten Kranichsteiner Strecke soll es auch einen dritten Halt zwischendrin auf einer neuen Museums-Insel inmitten der ICE-Anlage geben.

Altes Betriebsgebäude auf ehemaligem Rangierbahnhof Darmstadt wird neuer Ausstellungsort

Dort steht neben dem fünfstöckigen denkmalgeschützten Stellwerksturm auch ein altes Betriebsgebäude, das zukünftig eine weitere Ausstellung beherbergen soll. „Das bedeutet für uns eine Transformation in unserem kuratorischen Konzept“, erklärt Heldmann. Und Bucher ergänzt: „Im Moment sammeln wir erst mal noch nur unsere Ideen, was wir dort in Zukunft alles machen können.“ (Von Sebastian Weißgerber)

Die ICE-Waschanlage im Internet: www.boxenstopp-darmstadt.de

Stephan Heldmann, Sprecher des Vereins Eisenbahnmuseum, zeigt den Plan für die geplante ICE-Abstell- und Behandlungsanlage in Darmstadt.
Stephan Heldmann, Sprecher des Vereins Eisenbahnmuseum, zeigt den Plan für die geplante ICE-Abstell- und Behandlungsanlage in Darmstadt. © Sebastian Weißgerber

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