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Darmstadt: Humor-Visiten im Krankenhaus mit der Ukulele

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Von: May-Britt Winkler

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Amüsant: Auch Aaron brachten Thomas Münzer (re.) und Angela Scochi in den Darmstädter Kinderkliniken zum Lachen.
Amüsant: Auch Aaron brachten Thomas Münzer (re.) und Angela Scochi in den Darmstädter Kinderkliniken zum Lachen. © Monika Müller

Die Clowndoktoren Yeah und Stracciatella erfreuen wieder kranke Kinder auch in den Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret. Von May-Britt Winkler

Oh mein Gott, hier ist er: der legendäre Dr. Yeah!“, so kündigt sich der Clowndoktor gerade selbst an. In die gedämpfte Krankenhausatmosphäre der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret kommt auf einmal Leben und Farbe. Ein Kind lacht, ein paar Ukulelelaute dringen aus einem Zimmer und etwas Buntes flitzt über die Gänge. Das Bunte sind besagter Dr. Yeah alias Thomas Münzer und seine „Mitdabeiseierin“ Dr. Stracciatella alias Angela Scochi von „Die Clowndoktoren e.V.“.

Die beiden Künstler besuchen mehrmals wöchentlich kranke und schwerkranke Kinder auf Station, zaubern Lächeln in Gesichter und sorgen dafür, dass die belastende und oft zehrende Zeit im Krankenhaus schneller vergeht. Corona hat diese Humor-Visiten fast zwei Jahre lang unmöglich gemacht, aber nun endlich dürfen die Komikerin und der Komiker wieder junge Patient:innen besuchen.

Darmstadt: Clowndoktoren wieder in den Kinderkliniken im Einsatz

„Eigentlich ging es mir eben noch nicht richtig gut, aber ab jetzt geht es mir schon viel besser“, sagt Lewin und freut sich über die roten Clownsnasen, die sich Münzer und Scochi auf ihre FFP2-Masken geklebt haben. Bei dem Vierjährigen hat die Bespaßung also schon mal geklappt. „Kinder sind das kritischste Publikum“, weiß Thomas Münzer, der seinen Beruf einst auf einer traditionellen Clownschule professionell erlernte. „Gerade in der Klinik muss man authentisch sein.“ Angela Scochi fügt hinzu: „Man kann nicht nur einen Clown spielen, sondern diese Menschlichkeit des Clowns muss einfach da sein.“

Scochi ist eigentlich gelernte Musicaldarstellerin. Bei den Clowndoktoren hat sie angefangen, um Sinnvolles zu tun und sich trotzdem künstlerisch ausleben zu können. Der Unterschied zum Theater: „Wir improvisieren ausschließlich, während wir auf einer Bühne einen Text und eine feste Rolle haben. Hier muss man sofort einen direkten Draht zum Publikum bekommen und Kleinigkeiten erspüren. Planung funktioniert nicht, jeder Tag ist anders und neu.“

Darmstadt: Kinder und Klinikpersonal freuen sich über Clowndoktoren

Der Vorteil zum Theater sei, dass diese Zuschauerinnen und Zuschauer nicht einfach aufstehen und den Raum verlassen könnten, wenn ihnen die Show nicht gefalle. Doch eigentlich will das auch niemand. Im Gegenteil: „Manche Kinder wollen bei ihrer Entlassung nicht gehen, bevor sie nochmal die Clowndoktoren gesehen haben“, sagt Stationsleiterin Leyla Atilmis-Öztürk. „Und nicht nur die Kinder freuen sich, sondern auch wir.“

Ein bisschen Abwechslung in der Hektik und Anstrengung des Krankenhausalltags tut allen gut: Kindern wie Erwachsenen und ganz besonders den Eltern, die oft dankbar sind für die Momente, in denen sie kurz mal loslassen können und herauskommen aus dem Gedankenkarussell rund um die Sorge um ihr Kind. Die Tatsache, dass eine Krankheit für Momente vergessen wird oder Schmerzen verfliegen, treibt so manchem Elternteil die Tränen in die Augen und ein klein wenig Anspannung weicht.

Clowndoktoren heitern Kinder mit Seifenblasen und Grimassen auf

Mit Seifenblasen werden Babys begeistert, mit lustigen Grimassen Kleinkinder zum Strahlen und mit verrückten Ukulelestücken Teenager zum Kichern gebracht. „Und auch ich fühle mich nach jeder Visite wie ein frisch aufgeschütteltes Federkissen“, sagt Scochi. „Es ist alles leichter und befreiter.“

Gutes tun tut gut, auch wenn manches Schicksal einen lustigen Faxenmacher traurig machen kann. Als ein kleiner Patient die nächste komische Visite nicht mehr erleben durfte, musste Münzer das erst einmal verarbeiten.

Darmstadt: Lachen - die heilende Kraft der Spaßärzte

Dennoch behalten er und seine engagierten Kolleginnen und Kollegen in Hessen und Rheinland-Pfalz den positiven Blick eines klassischen Clowns mit seinem kindlichen und stets etwas sehnsüchtigen Kern: Am Ende wird alles gut.

Dass Heilung mit Hilfe der beiden Spaßärzte tatsächlich besser klappt, sieht Sebastian Becker, leitender ärztlicher Direktor, regelmäßig: „Wenn die mentale Gesundheit gut ist, dann wirkt sich das positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Lachen ist auf jeden Fall gesund.“ Wenn nichts mehr weh tut außer den Lachmuskeln, dann war der Tag ein guter. Und, so Dr. Yeah: „Perfekt war der Tag, wenn wir jemanden glücklich gemacht haben.“

www.clown-doktoren.de

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