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Darmstadt: Hessenforst fällt 42 kranke Bäume am Waldkunstpfad

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Von: Jens Joachim

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Vor Beginn der Baumfällungen sperrten Forstarbeiter die Waldwege mit großen Bannern ab.
Vor Beginn der Baumfällungen sperrten Forstarbeiter die Waldwege mit großen Bannern ab. © Rolf Oeser

Der Naturschutzbund Hessen trägt die Fällungen entlang des Internationalen Waldkunstpfad in einer Schutzzone mit. Laut Forstamtsleiter Hartmut Müller ist der Pfad nun „wieder sicher“.

Im Gegensatz zu einigen Waldschutzinitiativen in und um Darmstadt trägt der Naturschutzbund (Nabu) Hessen die jüngsten Baumfällungen des Landesbetriebs Hessen-Forst am Darmstädter Waldkunstpfad mit. Berthold Langenhorst, der Geschäftsführer Kommunikation beim Nabu-Landesverband Hessen, sagte am Freitag der Frankfurter Rundschau, die Fällungen seien Teil einer Kompromisslösung, die Anfang November vergangenen Jahres unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern des Landesbetriebs, des hessischen Umweltministeriums und der Stadt Darmstadt vereinbart worden sei.

Nach den Worten von Nabu-Sprecher Langenhorst sieht der Kompromiss vor, dass aus Sicherheitsgründen bis zu 58 Bäume in dem Wald gefällt werden können, der nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH) unter einem besonderen Schutz steht.

Darmstadt: Hessenforst begründet Baumfällungen am Waldkunstpfad mit Sicherheitsrisiken

Der Darmstädter Forstamtsleiter Hartmut Müller teilte am Freitag mit, von Dienstag bis Donnerstag seien am Waldkunstpfad „42 kranke Bäume entnommen worden“. Die Fällung der Bäume bezeichnete Müller als „Verkehrssicherungsmaßnahme“, die mit dem hessischen Umweltministerium und der Stadt Darmstadt abgestimmt worden sei.

Sicherheit geht: Von einem Schal, den Naturschützer:innen eine Buche umgebunden hatten, ließen sich die Forstarbeiter nicht beeindrucken.
Sicherheit geht: Von einem Schal, den Naturschützer:innen eine Buche umgebunden hatten, ließen sich die Forstarbeiter nicht beeindrucken. © Netzwerk Bergsträßer Wald

Der Waldkunstpfad sei „wieder sicher“. Die Fällung der Bäume sei „notwendig geworden, weil die betroffenen Buchen bereits erhebliche Schadenssymptome in Folge von Hitze und Dürre aufwiesen und dadurch eine akute Gefährdung für Waldbesuchende darstellten“. Nachdem bereits zu befürchten war, dass – auch ganz unvermittelt – große Äste aus den Baumkronen herausbrechen oder ganze Bäume umfallen, sei es für das Forstamt „nicht mehr vertretbar gewesen, abzuwarten“, teilte der Forstamtsleiter mit.

Darmstadt: Kuratorin des Waldkunstpfad freut sich über sichere Wege

Auch Ute Ritschel, die seit 20 Jahren als Kuratorin den „Internationalen Waldkunstpfad“ gestaltet, sagte am Freitag der FR, es sei in den vergangenen Wochen „richtig gefährlich“ gewesen, im Wald spazieren zu gehen. Sie habe selbst gesehen, dass unweit der Wege scheinbar gesund aussehende Buchen „einfach umgefallen“ seien, weil sie kaum noch Wurzeln ausgebildet hätten. „Wir respektieren, was Hessenforst gemacht hat und sind froh darüber, dass die Wege wieder sicher begangen werden können“, sagte Ritschel.

Michael Gerst, der Leiter des Landesbetriebs Hessenforst, teilte mit, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in diesem Jahr eine sehr hohe Zahl an Besucherinnen und Besuchern im Rahmen des zwanzigjährigen Jubiläums des Internationalen Waldkunstpfads erwartet würden, sei der Sicherheitsaspekt „besonders wichtig“. Die Alternative wäre, „das Waldgebiet zu sperren oder den Waldkunstpfad zurückbauen zu lassen“, so Gerst.

Ritschel zufolge wird der Kunstpfad in diesem Jahr daher nur noch an sieben Standorten stattfinden. Der Kunstpfad erstreckt sich auf einer Länge von 3,3 Kilometer vom Böllenfalltor bis hinauf zur Ludwigshöhe.

FFH-SCHUTZGEBEBIET

Der Wald rund um den Darmstädter Herrgottsberg gehört zum Gebiet „Dommersberg, Dachsberg und Darmbachaue von Darmstadt“. Er ist nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH) besonders geschützt.

Die Schutzzone umfasst 318 Hektar. Die Flächen liegen auf den Gebieten von Darmstadt und Ober-Ramstadt.

FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete bilden zusammen das Netz Natura 2000. Sie werden innerhalb der EU nach einheitlichen Standards ausgewählt und unter Schutz gestellt.

Im Darmstädter Wald sollen etwa die naturnahen und strukturreichen Buchenbestände mit stehendem und liegendem Totholz, Höhlenbäumen und lebensraumtypischen Baumarten in verschiedenen Entwicklungsstufen und Altersphasen erhalten werden.

www.ffh-gebiete.de

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