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Totschlag in Darmstadt: „Hemmungslos“ auf den Nachbarn eingestochen

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Von: Jens Joachim

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Auf der Anklagebank: Wachtmeister führen den Angeklagten zu Beginn des Prozesses in den alten Schwurgerichtssaal.
Auf der Anklagebank: Wachtmeister führen den Angeklagten zu Beginn des Prozesses in den alten Schwurgerichtssaal. © Jens Joachim

Das Landgericht Darmstadt hat einen 54-jährigen Messerstecher zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe wegen Totschlags verurteilt. Täter und Opfer hatten sich zuvor wechselseitig übel beschimpft, beleidigt und bedroht.

Wegen Totschlags ist ein 54-jähriger Mann am Donnerstag von der 11. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Der ehemalige Eisverkäufer hatte gestanden, am 7. Juli vor seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Wilhelminenstraße in der Darmstädter Innenstadt einen 48-jährigen Nachbarn mit einem Jagdmesser er-stochen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte dafür plädiert, den Mann wegen Totschlags zu fünf Jahren Haft zu verurteilen. Der Vertreter der Nebenklage hatte ebenfalls fünf Jahre wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge gefordert. Die Verteidigerin des Angeklagten hatte sich dafür ausgesprochen, den Mann wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge zu einer dreijährigen Haftstrafe zu verurteilen.

Totschlag in Darmstadt: „Hemmungslos“ Messerklinge in den Oberkörper gerammt

Der Vorsitzende Richter Volker Wagner sagte in seiner Urteilsbegründung, der Angeklagte habe mit dem Jagdmesser mit einer 15 Zentimeter langen Klinge „hemmungslos“ auf den Oberkörper seines Nachbarn eingestochen und dabei die Rippen des Opfers gebrochen.

Der 54-jährige Mauro P. hatte gleich am ersten Prozesstag gestanden, den Nachbarn, mit dem er einst sehr eng befreundet gewesen sei, erstochen zu haben. Er beteuerte jedoch, er habe seinen Kontrahenten, der einst für ihn „wie ein Bruder gewesen“ sei, „nur erschrecken“ wollen. Allerdings hatte der Mann zuvor gegenüber einer Bekannten in einer Sprachnachricht angekündigt, er werde den Nachbarn töten und die Frau gebeten, auf seinen Hund aufzupassen.

Der Tatort: Die Tat ereignete sich im Treppenhauses eines Hauses an der Wilhelminenstraße in der Darmstädter Fußgängezone.
Der Tatort: Die Tat ereignete sich im Treppenhauses eines Hauses an der Wilhelminenstraße in der Darmstädter Fußgängezone. © Jens Joachim

Totschlag Darmstadt: Streit eskalierte, weil Ostergruß nicht erwidert wurde

Der bis zu der Gewalttat unbescholtene Angeklagte hatte auch bestätigt, der Streit zwischen ihm und seinem Nachbarn sei wegen der Nichterwiderung eines Ostergrußes entstanden. Wegen dieser „Banalität“, so Richter Wagner, hätten sich die beiden Männer dann wochenlang immer wieder wechselseitig mit wüsten Worten beleidigt, beschimpft und auch mit dem Tode bedroht. Der Richter äußerte auch, dass „aus einem eigentlich freundlichen und liebenswürdigen Menschen ein Totschläger“ geworden sei.

Rechtsanwältin Judith Bernhard, die Pflichtverteidigerin des Angeklagten, sprach in ihrem Plädoyer von einer „Tragödie“. In gewisser Weise sei ihr Mandant nach extremen Provokationen und Beleidigungen „von den Ereignissen überrollt worden“. Die Anwältin wollte sogar „Züge eines Unglücksfalls“ erkennen. Dieser Argumentation folgte die Strafkammer allerdings nicht.

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