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Zweite Filiale und mehrere Wohnungen: Umstrittener Aldi-Markt soll gebaut werden

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Von: Jens Joachim

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Gegenwind: Vor dem Kongresszentrum protestierten rund 60 Menschen gegen den geplanten Aldi.
Gegenwind: Vor dem Kongresszentrum protestierten rund 60 Menschen gegen den geplanten Aldi. © Rolf Oeser

Das umstrittene Aldi-Projekt in Darmstadt-Arheilgen bekommt grünes Licht. Die Stadtverordneten stimmen für den Bau – -trotz massiver Proteste der Bevölkerung.

Darmstadt – Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von Grünen, CDU und Volt hat die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich dem umstrittenen Bau eines zweiten Aldi-Marktes an der Frankfurter Landstraße im Ortskern des Stadtteils Arheilgen zugestimmt. Für eine entsprechende Magistratsvorlage stimmten am Donnerstagabend nach einer emotionalen Debatte 34 Stadtverordnete. 30 votierten gegen das Bauvorhaben. Es gab keine Enthaltungen.

Vor Beginn der Sitzung hatten rund 60 Bürgerinnen und Bürger auf dem Platz vor dem Kongresszentrum gegen das Projekt protestiert. Auf Transparenten war zu lesen: „Ein Aldi ist genug“, „Rettet den Arheilger Ortskern“ oder „Für mehr Grün statt Beton!“. Ein Bürger wies mit einem Schild darauf hin, dass sich auch die CDU Arheilgen gegen das Vorhaben ausgesprochen habe. Zu der Demonstration hatten mehrere Bürgeriniativen wie die Interessengemeinschaft Arheilger Bürger, die Bürgerinitiative Pro Bürgerpark oder die Westwaldallianz aufgerufen. Die Demonstrierenden sprachen sich gegen eine „Verschandelung des Arheilger Ortskerns“ und für eine kleinteiligere Bebauung der Brachflächen an der Frankfurter Landstraße aus.

Darmstadt: „Massive lokale Widerstände“ gegen Aldi-Projekt

Führende Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiativen kandidierten zur Kommunalwahl im März vorigen Jahres auf den Listen der Wählergemeinschaft Darmstadt (WGD) und der Freien Wähler (FW). Beide Listen haben in der Stadtverordnetenversammlung jeweils eine Stimme. Während sich Falk Neumann (WGD) gegen das Bauprojekt und für einen „Neustart“ aussprach, meldete sich Christina Dietrich (FW) nicht zu Wort.

Sprecher der Oppositionsfraktionen wiesen darauf hin, dass das Vorhaben seit Jahren auf Ablehnung stoße. Uli Franke sagte, es wundere ihn, dass die Koalitionsfraktionen nicht davon abzubringen seien, das „unbeliebte Projekt“, gegen das es „massive lokale Widerstände“ gebe, mit knappster Mehrheit durchzusetzen. Auf Ablehnung, so Franke, stoße die „klotzige Architektur“, die als „unangemessen für das Zentrum eines dörflich strukturierten Stadtteils“ empfunden werde. Zudem werde eine „weitere Verschärfung der Verkehrsprobleme“ befürchtet.

Aldi-Markt in Arheilgen: Parlament ignoriert Kritik

Unter dem Applaus aus dem Publikum sagte Franke, es könne doch nicht sein, dass die Parlamentsmehrheit diese Kritik einfach ignoriere und es für richtig halte, den Arheilgerinnen und Arheilgern einen Einkaufsmarkt „regelrecht aufzuzwingen“. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Tim Sackreuther bezweifelt, dass es einen Bedarf für den Markt gebe. Sackreuther kritisierte, dass über das Projekt im Stadtteilforum erst informiert worden sei, als die Grundstücke an Aldi verkauft worden seien.

Eine „ergebnisoffene Beteiligung über die Frage, wie der Arheilger Ortskern gestaltet werden könne, habe nicht stattgefunden, sagte Sackreuther. Die Grüne-Fraktionsvorsitzende Hildegard Förster-Heldmann, Frederik Jobst (Volt) sowie CDU-Fraktionschef Roland Desch sprachen unterdessen von einem „gut durchdachten Konzept“, das den Arheilger Ortskern stärke.

Darmstadt: Aldi-Projekt in Arheilgen „gelungene Kombination aus Wohnen und Nahversorgung“

Förster-Heldmann wies darauf hin, dass das Projekt zweimal im Gestaltungsbeirat der Stadt vorgestellt wurde. Auch seien viele Anregungen aufgegriffen worden. Herausgekommen sei „eine gelungene Kombination aus Wohnen und Nahversorgung“, die sich gut ins Ortsbild einfüge.

Mit der typischen Aldi-Architektur vergangener Jahre habe dies nichts zu tun, merkte auch Baustadtrat Michael Kolmer (Grüne) an. Die geplante Verkaufsfläche von 1050 Quadratmeter sei „der Normalfall“, sagte Kolmer. Entgegen der Einschätzung der Polizei geht Kolmer davon aus, dass auch die verkehrliche Erschließung des Marktes funktionieren wird. Vorgesehen ist, auf dem Gelände auch 15 Wohnungen zu schaffen, von denen acht für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen vorgesehen sind. (Jens Joachim)

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