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In Darmstadt-Arheilgen, wie etwa hier an der Jakob-Jung-Straße, stehen Garagen leer, während auf den Gehwegen nicht nur Autos abgestellt werden.
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In Darmstadt-Arheilgen, wie etwa hier an der Jakob-Jung-Straße, stehen Garagen leer, während auf den Gehwegen nicht nur Autos abgestellt werden.

Darmstadt/Wiesbaden

Darmstadt: Gehwege werden als Garagenersatz genutzt

  • VonDiana Unkart
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Eine aktuelle Studie der Hochschule Rhein-Main zeigt, dass viele Menschen ihr Auto trotz einem Stellplatz auf öffentlichen Flächen parken - wie etwa in Darmstadt-Arheilgen.

Eine Frau hat sich kürzlich via soziale Medien über parkende Autos in ihrer Straße beklagt. Sie habe den Eindruck, schrieb sie, die meisten Autos gehörten Leuten, die zu Hause über eine Garage oder ein Carport verfügten. Vermutlich liegt die Frau mit ihrer Einschätzung richtig. Mobilitätswissenschaftler:innen der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden haben in einer Studie festgestellt, dass zwei Drittel der im öffentlichen Raum abgestellten Autos in Garagen oder auf privaten Stellplätzen geparkt werden könnten. Wie groß das Ausmaß einer solchen Fehlnutzung ist, galt bis dato als weitgehend unerforscht.

Zwar sei es verkehrsrechtlich legal, sein Fahrzeug im öffentlichen Raum abzustellen, es widerspreche aber stadt- und verkehrsplanerischen Zielen, sagt Professor Volker Blees vom Studiengang Mobilitätsmanagement. Der öffentliche Raum solle als Aufenthalts- und Verkehrsraum möglichst vielen Menschen zur Verfügung stehen. Parkende Autos nähmen viel Fläche in Anspruch. Besonders problematisch sei die Fehlnutzung dann, wenn sie andere beeinträchtige – beispielsweise Fußgänger:innen auf Gehwegen.

Warum viele Menschen eher den Gehweg als ihre Garage nutzen, dafür gibt es nach Angaben der Wissenschaftler:innen verschiedene Gründe. Beispielsweise würden zusätzliche Kosten vermieden, etwa wenn es im Haushalt ein zweites Auto gibt. Ein weiterer Grund könne sein, dass das Auto zu groß sei und deshalb nicht in die Garage passe. Manche Garage werde als Lagerraum genutzt. In anderen Fällen scheine das Parken auf der Straße schlicht die bequemere Lösung zu sein.

Die Forscher:innen empfehlen, das Phänomen auch in anderen Städten und Quartierstypen zu untersuchen, um eine breitere empirische Basis zu schaffen. Den Kommunen raten sie, planerische, ordnungsrechtliche und kommunikative Aktivitäten zu starten, um die Nutzung von Stellplätzen im privaten Raum zu forcieren – vor allem dort, wo Fußgänger:innen, Radfahrende oder andere Autofahrer:innen behindert werden. Beispiele, an denen sich die Kommunen orientieren könnten, seien die Kampagne „Faires Parken“ in Karlsruhe oder der derzeitige Planungsprozess in Ulm.

Kritik an Baupflicht

Perspektivisch, heißt es in der Studie, sei es notwendig, „das gesamte bestehende System der (Un-)Ordnung und (Nicht-)Lenkung des ruhenden Verkehrs auf den Prüfstand zu stellen und bestehende, über Jahrzehnte etablierte und Kultur gewordene Paradigmen wie die Stellplatzbaupflicht zu überwinden“.

„Die Ergebnisse zeigen, dass zum Beispiel eine Erhöhung der Stellplatzrichtzahlen in den Satzungen nicht geeignet ist, um die Straßen vom Parkdruck zu entlasten, weil mit der Stellplatzbaupflicht keine Nutzungspflicht einhergeht“, erläutert Volker Blees.

Er und sein Team hatten in einer Fallstudie das Ausmaß der Fehlnutzungen am Beispiel definierter Straßenzüge in Darmstadt-Arheilgen abgeschätzt. Mit Hilfe eines experimentellen Designs wurde das Parkverhalten im Normalzustand mit dem Parkverhalten während eines Fastnachtsumzugs verglichen, als temporär auf Straßenabschnitten von insgesamt vier Kilometern Länge ein Halteverbot eingerichtet war.

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