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Darmstadt: Bombe im Stadtwald gesprengt

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Von: Thomas Stillbauer, Jens Joachim

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Kein Durchkommen: In Höhe des Jagdschlosses Kranichstein sperrte die Darmstädter Stadtpolizei die Kranichsteiner Straße.
Kein Durchkommen: In Höhe des Jagdschlosses Kranichstein sperrte die Darmstädter Stadtpolizei die Kranichsteiner Straße. © Renate Hoyer

7500 Menschen waren im Darmstädter Stadtteil Kranichstein und im Komponistenviertel von einer Evakuierung betroffen. Der Kampfmittelräumdienst ließ die britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert detonieren.

Der Fund einer 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkriegs im Darmstädter Stadtwald hat am Dienstag im Komponistenviertel und im Stadtteil Kranichstein für einige Aufregung gesorgt. Die Polizei sperrte den Bereich um den Fundort mit Plastikbändern und Einsatzfahrzeugen ab. Der Sicherheitsradius wurde von zunächst 300 auf 1000 Meter vergrößert.

Nach der kontrollierten Sprengung gegen 20.45 Uhr meldete der Kampfmittelräumdienst um 21 Uhr die Sprengung sei „erfolgreich“ verlaufen. Daraufhin konnten die Bewohnerinnen und Bewohner wieder zurück in ihre Wohnungen und Häuser. Die Sperrungen wurden nach Angaben der Polizei nach und nach aufgehoben. Auch der Bus- und Straßenbahnverkehr nahm seinen Betrieb wieder auf. Im Laufe des Abends könne es allerdings „noch vereinzelt zu Verschiebungen im Fahrplan kommen“, teilte die Stadt mit. Auch die Rückführung von kranken Menschen aus den beiden von der Stadt eingerichteten Anlauf- und Versorgungsstellen werde noch den ganzen Abend über andauern, teilte die Stadt mit.

Darmstadt: Bombe im Stadtwald wurde bei Routinesondierung entdeckt

Nach Angaben der Stadt und von Guido Martin, eines Sprechers des Darmstädter Regierungspräsidiums (RP), war die britische Fliegerbombe am Dienstagmorgen im Zuge von Sondierungen des Kampfmittelräumdienstes unweit des Denkmals für den einstigen preußischen Oberforstmeister Georg Ludwig Hartig in der 1715 während der Regentschaft von Landgraf Ernst Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt geschaffenen Darmstädter Fasanerie entdeckt worden.

In der Nähe des Obelisken und der 1000 Meter langen Fasaneriemauer, die den Stadtwald vom Komponistenviertel abgrenzt, habe sich einst eine Flakstellung befunden, sagte RP-Sprecher Martin der FR. Auf der Basis von alten Luftbildaufnahmen der Briten und der Amerikaner suche der Kampfmittelräumdienst immer wieder nach Blindgängern. Wegen des chemischen Zünders habe sich das Team um Sprengmeister Alexander Majunke dazu entschieden, die Bombe nicht zu bewegen und vor Ort zu sprengen, berichtete der RP-Sprecher. Hiezu sei eine Sprengladung an der Bombe angebracht und diese mit speziellen Sprengmatten und Erde abgedeckt worden.

Die Bombe wurde südlich von Darmstadt-Kranichstein in der Fasanerie im Stadtwald gefunden. Um den Fundort der 250 Kilogramm schweren Bombe wurde in einem Radius von einem Kilometer eine Sperrzone eingerichtet.
Die Bombe wurde südlich von Darmstadt-Kranichstein in der Fasanerie im Stadtwald gefunden. © FR

Wegen Fund einer Bombe: Sperrzone in Kranichstein und im Komponistenviertel

Am frühen Nachmittag wurde dann mit der Evakuierung der Häuser am Rand des Komponistenviertels östlich der Flotowstraße und an der Dieburger Straße sowie in Kranichstein nördlich und südlich der Kranichsteiner Straße begonnen. In dem nordöstlichen Darmstädter Stadtteil waren auch einige Hochhäuser von der Evakuierung betroffen.

Im Bioversum auf dem Gelände des Jagdschloss Kranichstein am Rand des Sperrgebiets waren Besucherinnen und Besuchern schon am Vormittag zahlreiche Polizeifahrzeuge an vielen Straßenecken aufgefallen. Wenig später hieß es, die Ausstellungsräume und der gesamte Bereich müssten geräumt werden. Betroffen war auch eine Kindergruppe, die gerade im Außengelände vesperte. Das Betreuungspersonal schaffe es dann, die Kleinen ohne Panik im Gänsemarsch aus der Gefahrenzone zu lotsen.

Bombe in Darmstadt gefunden: Bis zu 7500 Menschen von Evakuierung betroffen

Mit Lautsprecherdurchsagen, Radiomeldungen und Informationen über das Warnsystem Hessenwarn forderte die Polizei die rund 7000 bis 7500 betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner auf, ihre Wohnungen zu verlassen.

Das Nahverkehrsunternehmen Heag mobilo schränkte wegen des Funds der Fliegerbombe den Bus- und Straßenbahnbetrieb auf einigen Linien ein. So verkehrte die Straßenbahnlinie 4 nur noch zwischen dem Nordbad und Arheilgen. Auch der Flugraum über dem betroffenen Gebiet wurde ebenfalls gesperrt. Zudem sollten während der Sprengung der Bombe keine Züge auf der Strecke der Odenwaldbahn verkehren.

Darmstadt: Stadt und Rettungskräfte richteten zwei Anlaufstellen ein

Einsatzkräfte der Stadt, der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes richteten zudem zwei Anlauf- und Versorgungsstellen vor dem Jugendcafé Chillmo am Kranichsteiner Brentanosee und vor der Sporthalle an der Alsfelder Straße im Bürgerpark-Nord ein.

Rund um den abgesperrten Bereich kam es am Dienstagnachmittag zu Verkehrsstauungen. Auto- sowie Fahrradfahrerinnen und -fahrer wurden auf der Kranichsteiner Straße und der Dieburger Straße von der Polizei aufgefordert, etwa über das Oberfeld durch den Wald in Richtung Messel zu radeln oder mit ihrem Fahrzeug über die Bundesstraße 26 in Richtung Dieburg zu fahren.

Fund einer Bombe in Darmstadt: Sprengung verzögerte sich

Die zunächst für 19 Uhr geplante Sprengung verzögerte sich, weil sich vereinzelt Anwohner:innen weigerten, ihre Wohnungen zu verlassen. Andere reagierten genervt und fragten, wann sie denn endlich wieder in ihre Wohnungen könnten, um sich mit ihrer Corona-Infektion wieder ins Bett legen zu können.

Vor der Sprengung kreiste noch mehrmals der Polizeihubschrauber über dem Sperrgebiet, um sicherzustellen, dass sich keine Menschen im Stadtwald und in der Sperrzone aufhielten. Um 20.20 Uhr war die Evakuierung des Sperrgebiets laut einem Polizeisprecher abgeschlossen und es erfolgte gegen 20.45 Uhr die kontrollierte Sprengung.

Darmstadts OB Jochen Partsch: „Bomben-Sprengung erfolgreich verlaufen“

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) teilte am späten Dienstagabend mit, er sei „erleichtert“, dass die Sprengung so gut ausgegangen sei – auch angesichts der akuten Waldbrandgefahr und des Risikos von Funkenflug. Die Evakuierung und Sprengung seien „erfolgreich und ohne größere Vorkommnisse verlaufen“. Er bedanke sich ganz herzlich bei den Einsatzkräften, Ehrenamtlichen und den betroffenen Kolleginnen und Kollegen für ihren Einsatz. „Sie haben wirklich Großartiges geleistet“, lobte Partsch.

Der OB bedankte sich zugleich bei allen Darmstädterinnen und Darmstädter für ihre Kooperationsbereitschaft und ihr Verständnis Insgesamt habe sich gezeigt, dass die Planungen und Prozesse der Stadt für einen Ernstfall „gut durchdacht“ seien und die Sicherheit der Stadt gewährleistet sei.  

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