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Darmstadt: Eumetsat schickt Rakete mit neuerartigem Satelliten ins All - An Bord ein afrikanisches Kunstwerk

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Von: Claudia Kabel

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Der Kopf der Rakete (Modell rechts) soll mit der digitalisierten Version des Kunstwerks im Hintergrund geschmückt werden. Die afrikanischen Künstler Jean David Nkot und Géraldine Tobe von der Künstlergruppe Treef, haben das Kunstwerk erstellt.
Der Kopf der Rakete (Modell rechts) soll mit der digitalisierten Version des Kunstwerks im Hintergrund geschmückt werden. Die afrikanischen Künstler Jean David Nkot und Géraldine Tobe von der Künstlergruppe Treef, haben das Kunstwerk erstellt. © Monika Müller

Modernste Satelliten sollen die Wetterbeobachtung drastisch verbessern. Von Darmstadt aus kontrolliert Eumetsat die Technik. Zum Start wird eine Ariana-5-Rakete mit einem afrikanischen Kunstwerk bestückt.

Es ist ein einzigartiges Projekt: Die in Darmstadt ansässige europäische Satellitenagentur für die Überwachung von Wetter, Klima und Umwelt Eumetsat wird im November eine Ariane-5-Rakete starten, die nicht nur erstmals einen neuartigen Satelliten in den Orbit schießt, sondern auch ein zeitgenössisches afrikanisches Kunstwerk auf ihrem Gehäuse trägt.

Das Kunstwerk wurde am Dienstag in Darmstadt enthüllt. Erschaffen haben es Jean David Nkot, Michel Ekeba und Géraldine Tobe. Sie waren von der Jury des African Space Art Project (Asap) aus 100 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt worden. Den Wettbewerb hatte Eumetsat zusammen mit der Organisation African Artists for Development (AAD) ausgelobt. Mit ihrer Arbeit werden die drei zu „afrikanischen Botschaftern im Weltraum“, kündigte Eumetsat an.

Eumetsat in Darmstadt: Astronomische Symbole der Dogon auf afrikanischem Kunstwerk

Das Werk zeigt die Silhouette einer Frau, die sich aus gebückter Haltung erhebt und nach dem Himmel greift. Géraldine Tobe aus der Demokratischen Republik Kongo erschuf die Figur mit Rauch aus einer Petroleumlampe. Im Hintergrund ist eine Landkarte zu sehen, die mit astronomischen Symbolen des Volkes der Dogon gespickt ist. „Dieses Volk hatte bereits große Kenntnisse des Weltraums“, sagt der Kameruner Jean David Nkot, der diese Idee einbrachte. Das letzte Element des Gemeinschaftswerks sind bunte Astronauten, die verteilt über das Bild schweben und mit ihren Farben die verschiedenen Klimazonen Afrikas darstellen sollen, wie Michel Ekeba, ebenfalls aus Kongo, per Online-Schalte erklärt.

Das Bild symbolisiere die besondere Bedeutung, die die Wettersatelliten für den Kontinent und die Menschen in allen Gesellschaftschichten haben, so das Trio. Afrika ist laut Eumetsat zwar der Kontinent, der am wenigsten CO2 ausstößt, der aber am stärksten unter der Erderwärmung und Extremwetterereignissen leidet. Zudem habe Afrika keine eigenen Satelliten.

Im Kontrollzentrum von Eumetsat in Darmstadt laufen die Daten der Salliten ein.
Im Kontrollzentrum von Eumetsat in Darmstadt laufen die Daten der Salliten ein. © Monika Müller

Eumetsat in Darmstadt: Klimadaten für Afrika

„Unsere meteorologischen Satelliten im geostationären Orbit 36 000 Kilometer über der Erdoberfläche blicken fortlaufend auf Europa und Afrika“, erklärt Phil Evans, Generaldirektor von Eumetsat. Seit vielen Jahren übermittele Eumetsat die Daten dieser Satelliten an Wetter- und Klimaexperten in Afrika. Die neuen Satelliten brächten einen „deutlicher Fortschritt bei den Wetter- und Klimadaten“, die zur die Erde gesendet werden.

Eumetsat in Darmstadt: Neue Satelliten erkennen Blitze

Die bis zu drei Tonnen schweren Satelliten der dritten Meteosat-Generation enthalten erstmals eine 4D-Wetterüberwachungsfunktion. Sie können beispielsweise Blitze erkennen oder Temperatur- und Wasserdampfprofile bestimmen. Auch Plankton, und damit Fischschwärme, sollen sie orten können.

„Wie könnte man die Tragweite dessen, was dies für Afrika und Europa bedeutet, besser feiern, als mit einem afrikanischen Kunstwerk auf einer europäischen Rakete, die einen europäischen Satelliten trägt, der uns allen zugutekommt“, sagt Evans.

Eumetsat in Darmstadt: Kopie des Kunstwerks verglüht später im Orbit

Das Bild soll nun gescannt und die Reproduktion auf die Verkleidung am Kopf der Trägerrakete angebracht werden, erklärt Asap-Projektberater Christian Hiller. Während der Satellit anschließend in eine geostationäre Position über Afrika manövriert wird, werde die Reproduktion des Kunstwerks zusammen mit der Verkleidung der Rakete in der Atmosphäre verglühen.

„Es ist das erste Mal, dass wir so etwas machen“, sagt Eumetsat-Mitarbeiterin Valerie Barthmann. Eine Kopie soll in Darmstadt bleiben, das Original werde an verschiedenen Orten ausgestellt und dann entweder bei der Afrikanischen Weltraumbehörde oder bei der Stiftung der Afrikanischen Union dauerhaft bleiben.

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