Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Seit 1997 erinnert das Mahnmal am Ludwig-Metzger-Platz gegenüber dem Justus-Liebig-Haus an die ermordeten Sinti und Roma.
+
Seit 1997 erinnert das Mahnmal am Ludwig-Metzger-Platz gegenüber dem Justus-Liebig-Haus an die ermordeten Sinti und Roma.

Darmstadt/Frankfurt

Erinnern an ermordete Sinti und Roma in Darmstadt und Frankfurt

  • Jens Joachim
    VonJens Joachim
    schließen

Die Stadt Darmstadt und der hessische Landesverband der Sinti und Roma veranstalten eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermords an Sinti und Roma, dem etwa eine halbe Million Menschen aus ganz Europa zum Opfer fielen. Auch in Frankfurt findet eine Kundgebung vor dem früheren Sitz des Frankfurter Gesundheitsamtes statt.

Die Mörder im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau kamen in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944, um etwa 4300 Sinti und Roma zu töten. Es waren vor allem Alte, Frauen und Kinder, die in die Gaskammern getrieben wurden. Überleben sollte nur, wer von der SS als „arbeitsfähig“ eingestuft worden war.

Gedenken an Völkermord der Nazis an Sinti und Roma in Darmstadt

An diesem Montag, 2. August, dem europäischen Gedenktag an den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma, dem etwa eine halbe Million Menschen aus ganz Europa zum Opfer fielen, richten der hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma und die Stadt Darmstadt gemeinsam eine Gedenkveranstaltung aus.

Rinaldo Strauß als Vertreter des Landesverbands und Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Grün) werden um 11 Uhr am Mahnmal für die Opfer des Völkermords Blumen niederlegen. Das Mahnmal befindet sich vor dem Justus-Liebig-Haus auf dem Ludwig-Metzger-Platz. Coronabedingt werden die Gedenkreden digital unter www.darmstadt.de und www.sinti-roma-hessen.de veröffentlicht.

Völkermord an Sinti und Roma: „Düsteres Kapitel deutscher Geschichte“

In einer Mitteilung bezeichnet Bürgermeisterin Akdeniz den Völkermord an den Sinti und Roma als „weiteres düsteres Kapitel deutscher Geschichte“, das niemals vergessen werden dürfe. Auch vom Darmstädter Güterbahnhof aus wurden mehr als 3000 Juden sowie fast 600 Sinti und Roma aus Darmstadt und der Umgebung in die Konzentrationslager der Nazis deportiert, um dort vernichtet zu werden.

Die Stadt Darmstadt, so Bürgermeisterin Akdeniz, gedenke am heutigen 2. August an den Völkermord „aus Respekt vor den Toten und ihren Familien, aber auch, um uns daran zu erinnern, dass es unsere Bürgerpflicht ist, wo wir nur können, spaltenden, ausgrenzenden, rassistischen Tendenzen in der Stadtgesellschaft entschieden entgegenzutreten, damit sich eine solche Grausamkeit niemals wiederholen kann“.

„Es ist wichtig, die Geschichte nicht zu vergessen“

Und auch Strauß mahnt, es sei wichtig, „die Geschichte nicht zu vergessen“, gerade weil sie nicht einfach Geschichte sei, sondern bis heute nachwirke.

Wer die Erfahrung einmal gemacht habe, dass Menschenleben nichts wert seien und einem sogar das Menschsein abgesprochen werde, der vergesse dies nicht. Jeder und jede trage die Verantwortung dafür , dass ein solcher Völkermord nicht wieder geschieht, so Strauß.

Förderverein Roma lädt in Frankfurt zu Kundgebung ein

In Frankfurt lädt der Förderverein Roma e.V. am Montag, 2. August, von 18 Uhr an zu einer Kundgebung um 18 Uhr vor dem Gebäudekomplex Braubachstraße 18-22 ein, wo einst der Sitz des Frankfurter Stadtgesundheitsamt war.

Das Frankfurter Gesundheitsamt beschäftigte nach 1945 Robert Ritter und Eva Justin. Ritter war nach Angaben des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte Leiter und Justin Mitarbeiterin am „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ des Reichsgesundheitsamts. Beide tragen nach Angaben des hessischen Landesverbands der deutschen Sinti und Roma „Verantwortung für den Völkermord an über 20.000 deutschen Sinti und Roma, strafrechtlich wurden sie dafür nicht belangt.“

NS-Verbrechen an Frankfurter Sinti und Roma

Die im Januar 2000 an der Fassade des ehemaligen Frankfurter Gesundheitsamts an der Braubachstraße angebrachte Bronzetafel erinnert nach einer Veröffentlichung des Instituts für Stadtgeschichte „an das Verschweigen und Nichtverfolgen von NS-Verbrechen an den Frankfurter Sinti und Roma“. Voraussetzung für spätere Internierungen und Deportationen in Konzentrationlager sei eine „reichsweit durchgeführte rassistische Klassifikationsaktion“ gewesen.

Ritter und Justin haben nach 1945 zum Teil in prominenter Position im Frankfurter Gesundheitsamt gearbeitet. Juristische Untersuchungen hätten jedoch zu keinen Verurteilungen geführt. Eva Justin sei 1964 vorübergehend sogar mit der sozialdienstlichen Erfassung auch von Sinti und Roma auf dem Bonameser Lagerplatz befasst gewesen. „Das städtische Gesundheitsamt war in der NS-Zeit von Amts wegen in die aus rassistischen Motiven mit „Erbbiologie“ begründete Gesundheitspolitik einbezogen, deren verbrecherische Praxis Sterilisationen und Euthanasie einschloss“, schreibt das Institit für Stadtgeschichte..

Europaweites Gedenken an den Völkermord an Sinti und Roma

Der hessische Landesverband der deutschen Sinti und Roma beteiligt sich außerdem an der virtuellen europäischen Gedenkveranstaltung, die unter www.roma-sinti-holocaust-memorial-day.eu zu sehen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare