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Darmstadt: Eine Tat, die einer Hinrichtung glich

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Von: Annette Schlegl

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Vor diesem Kiosk im Darmstädter Stadtteil Kranichstein ereignete sich im November 2021 die schreckliche Bluttat.
Vor diesem Kiosk im Darmstädter Stadtteil Kranichstein ereignete sich im November 2021 die schreckliche Bluttat. © Jens Joachim

Vor den Augen seines Sohnes stach ein 37-Jähriger im November 2021 in Darmstadt dem Opa von hinten in den Kopf. Dafür wurde er nun wegen Mordes verurteilt.

„Eine hinrichtungsgleiche Ausführung.“ Mit diesen Worten beschrieb Staatsanwältin Eva Heidt die Tat eines 37-Jährigen am 3. November vorigen Jahres. Vor einem Kiosk im Darmstädter Stadtteil Kranichstein hatte er dem Großvater seines jetzt vierjährigen Sohnes von hinten mit einem langen Messer in den Kopf gestochen – vor den Augen des Jungen. Der Opa starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die große Strafkammer am Landgericht Darmstadt kannte am Freitag für diese Tat kein Pardon: „Sie sind ein Mörder!“, rief ihm Richter Volker Wagner zu und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft.

Heimtücke und niedere Beweggründe warf der Richter dem Angeklagten vor, der die Urteilsbegründung mit „Bullshit“ kommentierte, aufstand, ein Mikrofon aus der Halterung schlug und den Gerichtssaal verließ.

Mit Perücke, Maske und Handschuhen Bluttat vor Kiosk in Darmstadt

Der 37-Jährige hatte sich demnach am Tattag eine Perücke aufgesetzt, trug Handschuhe und eine Maske, versteckte sich hinter Mülltonnen, um den passenden Moment für seine Messerattacke abzuwarten. Nach der Bluttat betete er auch noch das Vaterunser dafür, dass sein Opfer stirbt. Ein Zeugenvideo zeigte, wie er auch der weinenden Oma ins Gesicht schlug, die ihrem verblutenden Mann zu Hilfe geeilt war. Sie erlitt einen Kieferbruch. Das Gericht wertete diese zweite Tat als Körperverletzung.

Schon im Vorfeld des 3. November 2021 hatte der Täter den stets liebenswerten Großvater und seine Ex-Lebensgefährtin, die sich 2019 von ihm getrennt hatte, mit dem Tode bedroht. Er glaubte, dass der 52-Jährige seinen Kleinen sexuell missbrauche, wurde mit dieser Anschuldigung zwei Tage vor der Bluttat sogar bei der Polizei und beim Jugendamt vorstellig. Es gab jedoch keinerlei Hinweise und Spuren für einen Missbrauch des Opas. „Der Angeklagte ging zum Amt und zur Polizei, um seine spätere Tat im Licht eines Wahnsinnigen darzustellen“, sagte Richter Wagner. „Es gab aber diesen Wahn nicht.“

Richter am Landgericht Darmstadt über Angeklagten: „Er ist ein böser Mensch“

Der wegen Gewaltdelikten mehrfach vorbestrafte Angeklagte sei vielmehr ein Mensch, der „seine Gefährlichkeit auslebte“. Nachdem sich seine Lebensgefährtin von ihm getrennt hatte, sei der Opa mehr und mehr zur Vaterfigur für den kleinen Jungen geworden. „Er stand ihm im Weg. Deshalb musste er sterben“, sagte Richter Wagner.

Jahrelang hatte der 37-Jährige Kokain und Alkohol zu sich genommen. Die Tat sei aber nicht drogeninduziert gewesen, stellte das Gericht fest. „Nicht die Droge war das Bestimmende, sondern seine Persönlichkeit.“ Er sei ein böser Mensch, habe sich zur Selbstjustiz berufen gefühlt.

Staatsanwältin plädierte im Prozess für besondere Schwere der Schuld

Die Staatsanwaltschaft sah wegen des ausgesprochen brutalen Vorgehens vor den Augen seines Sohnes eine besondere Schwere der Schuld. Damit wäre seine lebenslängliche Haft nach 15 Jahren keinesfalls beendet worden. Das Schwurgericht sah aber davon ab, da psychologische Tests belegt hatten, dass er sich an der Grenze zum Psychopathen bewegt, also eine Persönlichkeitsstörung hat.

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