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Darmstadt: Renato Mordo - ein Künstlerleben in extremer Zeit

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Von: Jens Joachim

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Renato Mordo war von 1928 bis 1932 als Oberregisseur am Hessischen Landestheater in Darmstadt tätig.
Renato Mordo war von 1928 bis 1932 als Oberregisseur am Hessischen Landestheater in Darmstadt tätig. © Jens Joachim

Das Hessische Staatsarchiv zeigt im „Haus der Geschichte“ am Karolinenplatz – dem früheren Sitz des Hof- und Landestheaters – eine Ausstellung über den Regisseur Renato Mordo.

Der Mann, der auf einem riesigen Banner abgebildet ist, das derzeit zwischen zwei Säulen des frühen Hof- und Landestheaters am Karolinenplatz hängt, wendet seinen durchdringenden Blick zur Seite. Seine linke Hand stemmt er in die Hüfte, mit der rechten stützt er sich an einer Wand ab.

Auf dem Banner ist der Regisseur Renato Mordo zu sehen, der von 1928 bis 1932 am seinerzeit sehr progressiven Darmstädter Landestheater tätig war. Das Hessische Staatsarchiv widmet Mordo derzeit an seiner früheren Wirkungsstätte eine Ausstellung mit dem Titel „Jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“.

Darmstadt: Mordo wurde durch Terror der Nazis ins Exil getrieben

Der 1894 in Wien geborene Regisseur und Theaterleiter, der zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg auch in Darmstadt und Worms wirkte, war einer der produktivsten und vielseitigsten Theaterkünstler der Weimarer Republik. Bereits über einen längeren Zeitraum war Mordo antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Durch den nationalsozialistischen Terror wurde er schließlich ins Exil getrieben.

In Prag und vor allem in der griechischen Hauptstadt Athen konnte er an seine künstlerischen Erfolge anknüpfen. Während der deutschen Besatzung Griechenlands wurde er in das Konzentrationslager Chaidari verschleppt. Dort „überlebte er nur aufgrund glücklicher Umstände“, wie es in einer Mitteilung des Hessischen Staatsarchivs heißt. Nach weiteren Engagements in Ankara und Tel Aviv kehrte Mordo 1952 als Oberspielleiter der Mainzer Oper nach Deutschland zurück. Sein vorzeitiger Tod riss ihn dort am 5. November 1955 mitten aus der Probenarbeit.

Darmstadt: Rahmenprogramm zur Ausstellung über Renato Mordo

Für die Ausstellung wurde der persönliche Nachlass Mordos mit freundlicher Genehmigung seiner Familie erschlossen. Im Rahmen der Ausstellung sind noch drei begleitende Veranstaltungen geplant. Am Mittwoch, 18. Mai, wird der Schauspieler Henning Kohne von 18 Uhr an Teile aus dem Stück „Chaidari“ von Renato Mordo szenisch lesen. In dem Stück arbeitete Mordo die Erfahrungen der Haft im KZ auf.

Rouven Pons, der Leiter des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, spricht am 1. Juni um 18 Uhr über Lothar Schenck von Trapp, der als Bühnenbildner eng mit Mordo zusammenarbeitete. Und am 22. Juni hält die Mainzer Musikwissenschaftlerin Ursula Kramer einen Vortrag über den einstigen Darmstädter Generalmusikdirektor Karl Böhm.

Die Ausstellung kann noch bis zum 15. Juli montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr im Haus der Geschichte, Karolinenplatz 3, besichtigt werden. Führungen durch die Ausstellung, auch in Verbindung mit Führungen durch das Haus der Geschichte, können individuell vereinbart werden.

Weitere Informationen: https://landesarchiv.hessen.de

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