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Darmstadt: Domizil für Sinti und Roma gefunden

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Von: Claudia Kabel

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Im Stadthaus wird der Landesverband der Sinti und Roma ein Kulturzentrum einrichten können.
Im Stadthaus wird der Landesverband der Sinti und Roma ein Kulturzentrum einrichten können. © Monika Müller

Die jahrelange Suche hat ein Ende: Der Landesverband der Sinti und Roma kann ins Darmstädter Stadthaus ziehen. Ein Kulturzentrum und eine Ausstellung sind dort geplant.

Mehr als zehn Jahre suchte der Verband Deutscher Sinti und Roma, der seinen Sitz in Darmstadt hat, nach Räumen für ein eigenes Zentrum. Doch immer zerschlugen sich die Pläne unter fadenscheinigen Gründen, sobald die potenziellen Vermieter:innen erfuhren, wer die Räume mieten wollte. Zuletzt scheiterte das Vorhaben, den historischen landgräflichen Reitstall „Langes Bäuche“ am Friedensplatz anzumieten.

Nun meldet Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer, Erfolg: Die Stadt Darmstadt stelle dem Landesverband das ehemalige Stadthaus in der Grafenstraße zur Verfügung. Dort werde man die untere Etage anmieten. Der Vorvertrag dafür sei bereits unterzeichnet. „Es bietet eine größere Fläche als Lange Bäuche und die Lage ist mindestens genauso gut“, sagte Strauß am Freitag der Frankfurter Rundschau. Entstehen soll ein Kulturzentrum mit Räumen für Veranstaltungen und Seminare. Auch eine Dauerausstellung über die Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma sowie über die Widerstandsbewegung gegen die Diskriminierung soll dort Platz finden. Das Zentrum solle für alle Menschen offen sein und vor allem auch Schüler:innen und Studierenden die Möglichkeit bieten, sich über die Ausgrenzung der Minderheit zu informieren, so Strauß.

Der Stadt sei es ein großes Anliegen gewesen, die Odyssee der Suche nach einem Domizil zu beenden, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) der FR. Dies sei aber nur möglich geworden, weil die Stadt das Gebäude zur Verfügung stelle und die Sanierungskosten trage. Es sei wichtig gewesen, dass das Zentrum sichtbar und gut erreichbar ist. Wie tief die Strukturen von Antiziganismus auch heute noch in unserer Gesellschaft verwurzelt seien, habe die jahrelange Suche nach geeigneten Räumen gezeigt. „Diese Erfahrung machte mich sehr nachdenklich“, sagt Partsch.

Nicht nur die Stadt, auch das Land Hessen unterstützt den Verband und hatte im Mai den Staatsvertrag verlängert und zugesagt, die Förderung vom Jahr 2025 an um 200 000 Euro zu erhöhen. Insgesamt erhält der Verband dann eine halbe Million Euro jährlich.

Gedenken

Zum 80. Jahrestag der Deportation der Darmstädter Juden und Sinti lädt die Stadt für Sonntag, 25. September, 11 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung zum „Denkzeichen Güterbahnhof“ (Bismarckstraße/Ecke Kirschenallee). Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma, der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und der Initiative „Denkzeichen Güterbahnhof“ statt. Infos: www.denkzeichen-gueterbahnhof.de

Einen Rundgang durch Darmstadt zum Thema „Widerstand und Bürgerrechtsbewegung von Sinti und Roma bietet der Landesverband am Dienstag, 27. September, kostenlos an. Treffpunkt 16 Uhr, Ludwig-Metzger-Platz. cka

Das ehemalige Stadthaus wurde 1958 errichtet. Bis Februar 2022 befand sich in dem viergeschossigen Gebäude in unmittelbarer Nähe der Fußgängerzone das Bürger- und Ordnungsamt. Derzeit werden Umbau und Sanierung der denkmalgeschützten Immobilie geplant. Im Erdgeschoss befinden sich eine Säulenhalle und weitere Räume. Dort soll die Ausstellungsfläche entstehen. In den Obergeschossen sollen außerdem städtische Büros einziehen, heißt es in der Ausschreibung der Stadt. Vermietet werde die Immobilie vom Eigenbetrieb Immobilienmanagement (IDA). Partsch schätzt, dass die Sanierung nächstes Jahr beginnen könnte. Rinaldo Strauß hofft, dass der Verband ab 2024 einziehen kann.

Noch genug Zeit, um die bereits konzipierte Dauerausstellung noch einmal zu überarbeiten. Neue Medien sollen hierbei genauso einfließen wie Ereignisse jüngeren Datums, etwa das Attentat von Hanau, sagt Strauß.

Bislang hatte der 1981 gegründete Landesverband ausschließlich Wanderausstellungen organisiert. Als Interessenvertretung der in Hessen lebenden Deutschen Sinti und Roma unterstützt und berät er Angehörige der Minderheit in sozialen und bürgerrechtlichen Fragen und vertritt ihre Rechte.

In Darmstadt leben etwa 200 bis 300 Sinti- und Romafamilien.

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