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Westlich der Heidelberger Straße sind in der Lincolnsieldung Bestandsgebäude saniert und modernisiert worden.

Darmstadt

Lincoln-Siedlung wird lebendiger

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Seit drei Jahren wird die ehemalige amerikanische Wohnsiedlung in Darmstadt zu einem urbanen und autoarmen Quartier umgestaltet. Dort gibt es inzwischen erste Herausforderungen.

Jahrelang fristete die frühere amerikanische Wohnsiedlung im Süden von Darmstadt ein Schattendasein. Das mehr als 24 Hektar große Areal, das östlich der Bundesstraße 3 und westlich der Heidelberger Landstraße liegt, lag brach, die Häuserzeilen standen leer. Doch mit dem Kauf der Lincoln-Siedlung vor sechs Jahren durch ein Tochterunternehmen der städtischen Bauverein AG endete der jahrelange Dornröschenschlaf. Seit drei Jahren rollen die Bagger und die einstige Wohnsiedlung für amerikanische Soldaten und ihre Familien wandelt sich allmählich zu einem urbanen Wohnquartier mit etlichen Grünzonen.

In einem der sanierten Bestandsgebäude befindet sich auch das Büro von Torsten Handke, dem Geschäftsführer der Gesellschaft BVD New Living, die die Wohnsiedlung erworben hat und in enger Abstimmung mit der Stadt umgestaltet. Mindestens noch fünf Jahre lang werden die Bauarbeiten in dem Quartier andauern, in dem einmal rund 5000 Menschen leben werden.

Am Bau der neuen Kita am Susan-Sontag-Weg wird noch gearbeitet.

Der Bau der neuen mehrgeschossigen Wohnhäuser ist in den vergangenen Monaten gut vorangekommen. „Läuft!“, sagt Handke kurz und bündig. Der Geschäftsführer verweist darauf, dass auch in Corona-Zeiten die Bauarbeiten weitergegangen seien, weil auch das Baumaterial vorhanden gewesen sei. Allein der Bauverein hat im vergangenen Jahr in der Lincoln-Siedlung 316 Wohnungen fertiggestellt. Zudem wurden mehr als 270 weitere Wohnungen in diesem Jahr entweder schon fertig oder sind derzeit noch im Bau.

Mit derzeit etwa 2000 Menschen wird die Siedlung zum einen immer lebendiger, zum anderen gibt es erste Herausforderungen etwa bei den Themen Müllentsorgung oder Lärm, wie Petra Elmer von der Diakonie und Hermes Köhler von der Caritas bei aktiven Befragungen festgestellt haben.

Mobilitätszentrale und Quartiersmanagement befinden sich inzwischen im Gebäude Franklinstraße 2.

Mehrfach prämiert wurde das Mobilitätskonzept der Stadt Darmstadt, in der Lincoln-Siedlung ein autoarmes Quartier zu realisieren, das vor allem auf das Fahrrad, den Bus- und Straßenbahnverkehr sowie auf Auto- und Fahrradleihangebote setzt. Ganz bewusst hat die Stadt bei der Planung des Quartiers deutlicher weniger als einen Stellplatz pro Wohnung eingeplant. Wie Handke berichtet, versuchen Anwohner schon jetzt mitunter recht kreativ, ihre Fahrzeuge kostenfrei auf den noch brachen Baufeldern oder rund um eine Kleingartensiedlung kostenfrei abzustellen.

Die Bebauung des Areals südlich der Einsteinstraße ist weitgehend abgeschlossen. Vorgesehen ist, dass trotz der regen Bautätigkeit, rund 40 Prozent der Flächen begrünt werden sollen.

Historie

1954 wird mit dem Bau der Wohnsiedlung für die in den Darmstädter Kasernen stationierten amerikanischen Soldaten und ihre Familien begonnen. In der „Lincoln Family Housing“ - der größten „Housing Area“ der US-Streitkräfte in Darmstadt - entstehen 33 Gebäudezeilen mit 588 Wohnungen, Schulen, Turnhallen und Kindergärten.

Mit dem Abzug der US-Streitkräfte im Jahr 2008 verwaist die Siedlung: Die Gebäude stehen leer und es wird über neue Nutzungsmöglichkeiten nachgedacht, um die enorme Nachfrage nach Wohnraum in Darmstadt zu stillen.

2014 erwirbt die BVD New Living, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der städtischen Bauverein AG, nach langen Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Lincoln-Siedlung. Die Stadt nutzt somit ihre Erstzugriffsoption.

Nach der Vertragsunterzeichnung am 29. Juli 2014 kann mit der Konversion des 244 000 Quadratmeter großen Geländes begonnen werden. In dem urbanen und verkehrsberuhigten Quartier soll Wohnraum für rund 5000 Menschen geschaffen werden. jjo

www.lincoln-siedlung.de

Am westlichen Rand des noch nicht angelegten Parks für das neue Quartier will der Bauverein auf dem Gelände der einstigen Kita der Amerikaner im nächsten Jahr einen Neubau mit einer Kita, einem Bürgersaal, einem Jugendtreff, Räumen für das Quartiermanagement, einem Café und knapp fünf Dutzend Wohnungen errichten.

Am nördlichen Rand des geplanten Quartierparks entsteht derzeit der „Bildungscampus Luise Büchner“ mit einer Grundschule, einer Sporthalle und einer Kita. Die Fertigstellung des Komplexes, der nach einem Entwurf des Darmstädter Architekturbüros Waechter + Waechter entsteht, ist für Frühjahr 2021 geplant.

Das Quartiersmanagement und die Mobilitätszentrale sind im Frühjahr zum zweiten Mal umgezogen und befinden sich nun im Gebäude Franklinstraße 2. Dienstags von 16 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr werden Beratungen derzeit im Freien angeboten. Elmer und Köhler wollen vor allem die neuen Bewohner miteinander vernetzen. Befragungen haben jüngst ergeben, dass der Anteil der Kinder und Migranten in dem Quartier derzeit deutlich höher ist als in anderen Vierteln. Vom 7. September an soll es montags Migrationsberatungen geben. Infos unter Telefon 06151 /360 842 0.

Schon startklar ist das E-Lastenfahrrad an einer neuen Ausleihstation.

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