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Darmstadt: Die Kunstschätze des Sammler-Ehepaars Sander

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Von: Jens Joachim

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Hans-Joachim und Gisa Sander stellen in ihrem Haus auf der Mathildnhöhe den zweiten Band über ihre Sammlung vor.
Hans-Joachim und Gisa Sander stellen in ihrem Haus auf der Mathildnhöhe den zweiten Band über ihre Sammlung vor. © Rolf Oeser

Hans-Joachim und Gisa Sander suchen nach einem würdigen Platz für ihre Sammlung mit Darmstädter Malerei des 18. bis 20. Jahrhunderts, die in einem weiteren Buch vorgestellt wird.

Den Schlussstrich zog das Ehepaar Gisa und Hans-Joachim Sander Mitte Oktober 2011: Nach heftigen Widerständen zog das Paar ihre Pläne für ein Museum auf der Darmstädter Mathildenhöhe zurück. In Sichtweite ihres Wohnhauses wollten die Wella-Erben einen Teil ihrer bedeutsamen Kunstsammlung mit Darmstädter Malerei des 18. bis 20. Jahrhunderts in einem modernen Museumsneubau zeigen. Doch der Traum vom eigenen Museum auf dem Darmstädter Musenhügel, für das es bereits einen Architektenwettbewerb gegeben hatte, platzte – zumindest vorerst.

Denn mehr als elf Jahre später kommt nun wieder Bewegung in das Vorhaben, Kunstwerke aus der Sammlung Sander dauerhaft in Darmstadt öffentlich zugänglich zu machen. Derzeit ist dies im Privathaus der Sanders auf der Mathildenhöhe nicht möglich. Bei der Präsentation eines zweiten, 400 Seiten umfassenden Bildbands über Kunstwerke von Künstlerinnen und Künstlern, die mit Darmstadt verbunden sind, kündigte Hans-Joachim Sander nun an, dass „die Sammlung uns wieder verlassen wird“. Inzwischen ist der Gesamtbestand der Sammlung Sander auf mehr als 4000 Kunstwerke angewachsen.

Darmstadt: Entsteht in historischem Gebäude ein Museum für die Sammlung Sander?

Schon seit mehr als einem Jahr gibt es Überlegungen, das Museum im ehemaligen Gebäude der Großherzoglichen Landwirtschaftskammer an der Rheinstraße zu etablieren. Bis 2014 wurde das 1914 von Wilhelm Thaler entworfene historische Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde und in den ersten Nachkriegsjahren vorübergehend Sitz der hessischen Landesregierung war, vom Darmstädter Regierungspräsidium genutzt. 2015 kaufte Sander das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk vom Land Hessen.

Doch vom ursprünglichen Plan, dort und in einem Neubau ein luxuriöses Fünfsternehotel zu etablieren, hat der Investor inzwischen Abstand genommen. Zuletzt hatte er im vorigen Jahr mitgeteilt, an dem Standort könnte ein sogenanntes Boarding-House mit hochwertigen Apartments entstehen, und die Erstellung einer Standortanalyse angekündigt.

Leerstand: Das Gebäude der früheren Großherzoglichen Landwirtschaftskammer an der Rheinstraße in Darmstadt haben die Sanders 2015 vom Land Hessen gekauft.
Leerstand: Das Gebäude der früheren Großherzoglichen Landwirtschaftskammer an der Rheinstraße in Darmstadt haben die Sanders 2015 vom Land Hessen gekauft. © ROLF OESER

Darmstadt: Entscheidung zur Zukunft der Sammlung Sander fällt in diesem Jahr

In diesem Jahr soll Sander zufolge entschieden werden, was mit dem neobarocken Bau an der Rheinstraße geschehen soll und wie es mit der Kunstsammlung weitergeht. Auch ein Gespräch mit Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) seit bereits geführt worden. Die Kunstwerke hätten „auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit verdient“, so Sander.

Nachdem das passionierte Sammlerpaar bereits 2015 einen ersten Band über „Malerei in Darmstadt von der Romantik bis zur Moderne“ vorgelegt hatte, haben die Sanders nun einen zweiten Band herausgegeben, der von der Bad Vilbeler Kunsthistorikerin und Lektorin Claudia Caesar konzipiert wurde.

Darmstadt: Weiterer Bildband zum Bestand der Sammlung Sander erschienen

Als Mitautorinnen und -autoren wurden zudem die Kunsthistorikerinnen Irene Haberland, Viola Hildebrand-Schat und Britta Olényi von Husen sowie Manfred Großkinsky, der frühere langjährige Direktor des Museum Giersch, und Klaus-D. Pohl, ehemaliger Oberkustos am Hessischen Landesmuseum Darmstadt, gewonnen.

Nach Aussage von Hans-Joachim und Gisa Sander ist es ihnen in den vergangenen Jahren „sowohl gelungen, Kunstwerke mit Bezug zur Stadt Darmstadt zu erwerben, mit denen Sammlungslücken dieses vielfältigen Sammlungskomplexes geschlossen werden konnten“, zudem hätten sie den Bestand an wichtigen exemplarischen Werken einiger Künstler:innen, die ihnen besonders am Herzen lägen, erweitert.

Die Gemälde, die das Ehepaar Sander in den vergangenen Jahren gesammelt haben, sind nur sehr selten öffentlich zugänglich.
Die Gemälde, die das Ehepaar Sander in den vergangenen Jahren gesammelt haben, sind nur sehr selten öffentlich zugänglich. © Rolf Oeser

Buch über der Sammlung Sander: Darmstadt als Zentrum der Künste im Fokus

Im zweiten Babd, der ebenfalls im Münchner Hirmer-Verlag erschienen ist, werden die Gemälde nun nicht in alphabetischer Reihenfolge präsentiert, sondern das Buch ist nach thematischen Schwerpunkten geordnet. So widmet sich ein Kapitel den Darmstädter Künstlerinnen, die ganz besonders unter gesellschaftlichen Konventionen gelitten haben. Den Malerinnen Mary Ellen Sarg, Hermione von Preuschen, Clara Grosch und Friedricke de Beauclair ein Forum zu geben, war vor allem Gisa Sander ein großes Anliegen.

Über ihre Sammelleidenschaft äußert das Paar, bei ihren Erkundungen seien sie sich „wie erfolgreiche Schatzsucher vorgekommen“. Wenn nach langer Recherche Kunstwerke hätten ausfindig gemacht und schließlich erworben werden können, deren Entstehung zwar aufgrund historischer Publikationen bekannt gewesen sei, zu deren Verbleib aber keine sicheren Angaben vorgelegen hätten, dann, so Hans-Joachim und Gisa Sander, entstünden „die Glücksgefühle, die der Lohn des Sammlers sind“.

Aus Passion zur Kunst: Darmstadt. Zentrum der Künste. Von der Romantik zur Moderne. Werke aus der Sammlung Sander, 400 Seiten, 205 Abbildungen, Hirmer-Verlag, Preis: 59,90 Euro
Aus Passion zur Kunst: Darmstadt. Zentrum der Künste. Von der Romantik zur Moderne. Werke aus der Sammlung Sander, 400 Seiten, 205 Abbildungen, Hirmer-Verlag, Preis: 59,90 Euro © Jens Joachim

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