1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Darmstadt: Die Entdeckung der Langsamkeit zwischen Bäumen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: May-Britt Winkler

Kommentare

Anmutig: Yoga-Lehrerin Heike Weiße beim Sonnengruß mitten im Wald.
Anmutig: Yoga-Lehrerin Heike Weiße beim Sonnengruß mitten im Wald. © May-Britt Winkler

Beim Wald-Yoga in einem Waldstück bei Groß-Umstadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg wird nicht gehetzt, sondern die Musik der Natur genossen.

Eines vorneweg: Wer stets Action braucht, Stille hasst und Insekten fürchtet, ist hier falsch am Platz. Wir befinden uns in einem Waldstück bei Groß-Umstadt, und es geht um nichts anderes als Ruhe, Entschleunigung und Achtsamkeit. Es geht um „Yoga im Wald“. Langweilig, denkt da der rastlose Hektiker, doch er weiß noch nicht, was er verpasst.

Heike Weiße ist Fitnesscoach, Personal Trainerin sowie Yogalehrerin und gibt regelmäßig diese Kurse. Der Unterricht beginnt bereits lange vor den eigentlichen Yoga-Übungen. Der Weg ist nämlich das berühmte Ziel, und es heißt: „Ganz langsam gehen!“ Das fällt unerwartet schwer, hastet man doch im Alltag meist von A nach B und ist dennoch nie schnell genug am Ziel. Betont langsames Gehen scheint fast schwieriger als das schnelle. Man verliert leicht den Halt und muss sich bewusst ausbremsen. „Diese Langsamkeit braucht es, um unsere Umgebung wahrzunehmen und zu begreifen. Die Bäume, die Blätter, den Boden, das Licht, die Geräusche des Waldes. Manchmal sieht man auch kleine Mäuschen, die hier entlang huschen.“

Yoga in einem Wald bei Darmstadt mit Hasen und Rehen

Keine zwei Minuten später hoppelt sogar ein Hase vorbei, und selbst Rehe wurden auf der Strecke schon gesichtet. Dazu das Vogelgezwitscher, das wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge stresslindernd und entspannend wirkt und laut einer Studie vom „Senckenberg-Forschungszentrum für Biodiversität und Klima“ in Frankfurt sogar glücklicher macht als eine kleine Gehaltserhöhung. „Das Gezwitscher wirkt wie Musik, die ja auch viel im Menschen bewirkt, den Herzschlag verändert, den Atem beeinflusst und sich auf Muskelspannung und Blutdruck auswirkt.“ Sogar auf den Hormonhaushalt, und so soll auch diese Musik der Natur beflügeln und beruhigen können, Erinnerungen wachrufen und sogar Schmerzen lindern.

Wir machen hier eine Mischung aus Yoga und Waldbaden“, erklärt Heike Weiße. „Waldbaden ist das bewusste Wahrnehmen der Gerüche, Geräusche und Farben, wobei wir natürlich darauf achten, dass wir auf den Wegen bleiben und die Natur nicht belasten oder gar zerstören.“

Ein paar Bäume mehr fallen gar nicht auf: Die Yoga Baum-Pose mitten im Wald machen Beate Metzinger, Yoga-Lehrerin Heike Weiße, Sabine Janson und Annette Vierheller (v. l.)
Ein paar Bäume mehr fallen gar nicht auf: Die Yoga Baum-Pose mitten im Wald machen Beate Metzinger, Yoga-Lehrerin Heike Weiße, Sabine Janson und Annette Vierheller (v. l.) © May-Britt Winkler

Waldyoga bei Darmstadt: Ein Hauch von Jakobsweg im Odenwald

Ein bisschen Jakobsweg im Odenwald: die Schönheit der Natur wahrnehmen, zwischendurch den Blick nach oben zu den Baumkronen schweifen lassen und auch mal einen Baum umarmen. Die Gedanken zwar zulassen, aber für den Moment in den Hintergrund drängen, und ganz wichtig: achtsam gehen. Am besten barfuß und nicht eingequetscht in Businessschuhe oder hochhackige Pumps: „Im Alltag verlernt der Fuß das natürliche Laufen. Doch das ist wichtig, damit die Rezeptoren an den Füßen aktiviert werden, und ohne Schuhe werden Bänder und Muskeln gekräftigt, das Fußgelenk stabiler und Verletzungen somit seltener.“

Es ist die ursprünglichste Art der Fortbewegung, und es fühlt es sich gut an, durch die Blätter, weiches Moos und auch mal durch ein paar matschige Stellen vom letzten Regenschauer zu laufen. Etepetete sollte man nicht sein. Kleine Steinchen, mal eine Brennnessel, ein paar Käfer oder ein Fuchskothaufen könnten einem in die Quere kommen, lassen sich aber leicht überwinden.

Friedvolle Stimmung bei Yoga-Übungen im Wald bei Darmstadt

Die friedvolle Stimmung sorgt dafür, dass man tatsächlich ruhiger wird. Streit, Geschäfte, Krieg, Weltgeschehen, alles scheint weit weg. Zumindest für den Moment. Ach, würde doch so mancher Staatschef ein bisschen Yoga im Wald praktizieren. Die Welt wäre vermutlich eine bessere.

Das eigentliche Yoga auf einer Lichtung mitten im Gehölz ist dann doch recht anspruchsvoll, fast sogar schweißtreibend. „Yoga soll uns ja dehnen, beweglich machen und unsere Stützmuskulatur stärken“, so die Trainerin. „Das ist natürlich auch ein bisschen anstrengend.“

Der Atem ist Dreh- und Angelpunkt beim Wald-Yoga

Dennoch schaut man in extrem wohlgelaunte Gesichter der Schülerinnen, die entspannt durchatmen. Der Atem ist ohnehin Dreh- und Angelpunkt beim Wald-Yoga. Auch wenn wir natürlich wissen, dass wir, ohne zu atmen, schlicht aus den Latschen kippen würden, nehmen wir diesen wichtigen Vorgang kaum mehr wahr.

„Doch richtiges Atmen beruhigt, verbessert die Durchblutung, die Verdauung, stärkt das Immunsystem und auch die seelische Verfassung. Das hilft jedem Menschen“, weiß Fitnesscoach Weiße. Und ein bisschen mehr Achtsamkeit täte vermutlich auch jedem gut, und sei es nur, um danach ein bisschen achtsamer durch das Leben zu hetzen.

heikes-coaching-personaltraining.de

Auch interessant

Kommentare