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Auch der Lärm von Küchenabluftgeräten, die auf Schornsteinen installiert sind, kann das Landesamt messen.
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Auch den Lärm von Küchenabluftgeräten, die auf Schornsteinen installiert sind, kann das Landesamt messen.

Tieffrequente Geräusche

Dem mysteriösen „Brummton-Phänomen“ auf der Spur

  • Jens Joachim
    VonJens Joachim
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Für Darmstadt liegt ein Messbericht zu „tieffrequenten Geräuschen“ vor, die etliche Menschen wahrnehmen. Das Landesamt für Umwelt schließt eine „erhebliche Belästigung“ nicht aus.

Darmstadt – Irgendwann hatte Tanja Heuser im vorigen Jahr von den mysteriösen Geräuschen genug. „Da brummt was in Darmstadt“, sagte sich die Mutter eines Sohnes. Heuser gestaltete eine Internetseite, auf der sie davon berichtete, dass Anwohnerinnen und Anwohner im Darmstädter Martinsviertel seit dem ersten Lockdown an mehreren Orten einen „belastenden, nicht enden wollenden Brummton“ wahrnehmen würden.

Heuser registrierte eine „Dauerbeschallung“, die sie müde und mürbe mache. Die mysteriösen Geräusche klangen zwar irgendwann wieder ab, aber vor einigen Wochen waren sie wieder so stark wahrnehmbar, dass ihr übel wurde und sie starke Migräne bekam, wie sie der FR berichtete.

Mysteriöses Brummen in Darmstadt: Lärmmessungen an drei Stellen

Nachdem sich immer mehr Menschen auch aus anderen Stadtteilen bei der Stadt gemeldet hatten, um sich über ungewöhnlichen Lärm zu beschweren, fragte das städtische Umweltamt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) um Rat. Die Landesbehörde führte daraufhin zwischen dem 7. Juli und dem 11. August Lärmmessungen durch. Die Geräuschpegel wurden in Abstimmung mit der Stadt an der Arheilger Straße, der Bad Nauheimer Straße und der Eckhardtstraße gemessen.

Laut einer Mitteilung hat die in Wiesbaden ansässige Landesbehörde der Stadt nun den Messbericht über das „Brummton-Phänomen“ vorgelegt, das allerdings nicht nur in Darmstadt festzustellen ist. Die Stadt verweist in diesem Zusammenhang auf das Umweltbundesamt, das davon berichtet, dass die „Wahrnehmung von tieffrequenten Geräuschen“ in den vergangenen Jahren insgesamt bundesweit zugenommen habe.

„Brummton-Phänomen“ in Darmstadt: Messbericht liegt vor

Der 50-seitige Messbericht, den Stadt auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat, kommt zu dem Schluss, „dass an keinem der Messpunkte schädliche Umwelteinwirkungen aufgrund einer erheblichen Belästigung ausgeschlossen werden können“. Die drei Messstandorte wurden in dem veröffentlichten Bericht allerdings aus datenschutzrechtlichen Gründen geschwärzt.

Die Immissionen wurden zum einen mit Schallmessgeräten aufgezeichnet. Zusätzlich, so berichtet die Stadt in ihrer Mitteilung, hätten die Personen an den jeweiligen Messstandorten die Möglichkeit nutzen können, Geräusche, die sie während der Aufzeichnungsphase als besonders störend empfunden hätten, über einen Beschwerdeknopf zu kennzeichnen.

Verschiedene Geräuschquellen verursachen Brummgeräusche

Der Messbericht kommt zu dem Schluss, dass anhand der Frequenzverläufe an keinem der Messpunkte Gemeinsamkeiten festgestellt werden konnten. Vermutlich kämen daher „unterschiedliche Geräuschquellen als Verursacher in Frage“.

In dem Bericht heißt es ferner, dass tieffrequente Brummgeräusche „in der Regel von mechanisch bewegten Teilen verursacht werden“. Maßgeblich für die Geräusche seien meist „größere schwingfähige oder rotierende Massen wie zum Beispiel niedrig drehende Verbrennungsmotoren“, Elektromotoren oder Geräte, mit denen mechanisch Flüssigkeiten und Gase verändert werden, wie etwa Ventilatoren, Verdichter oder Pumpen.

Darmstadt: „Erhebliche Belästigung“ durch mysteriöse Brummgeräusche

Im Umfeld von Wohnungen könnten die störenden Geräusche etwa durch Mini-Blockheizkraftwerke, Luftwärmepumpen, Klein-Windkraftanlagen, Heizungsanlagen, Haushaltsgeräte oder auch Klima- und Kühlgeräte entstehen. Mobilfunkanlagen, wie sie Heuser als mögliche Verursacher der Geräusche vermutet, werden in dem Messbericht allerdings nicht explizit aufgeführt.

Zu zwei der drei Messstellen heißt es in dem Messbericht, weder tagsüber noch nachts könne eine „erhebliche Belästigung“ durch die Brummgeräusche ausgeschlossen werden. An einem Messpunkt sei „tagsüber mit einer hohen Wahrscheinlichkeit keine erhebliche Belästigung zu erwarten“. In der Nacht könne allerdings auch hier eine erhebliche Belästigung nicht ausgeschlossen werden. Für zwei der drei Messstandorte empfiehlt die Landesbehörde daher, dass „weitere Untersuchungen erfolgen sollten“.

Stadt Darmstadt will Lärmquellen ausfindig machen

Darmstadts Umweltdezernent, Stadtrat Michael Kolmer (Grüne) teilte mit, die Lärmmessung liefere „wertvolle Erkenntnisse, aber keine direkte Lösung für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger“, was sehr zu bedauern sei. Die Stadt wolle nun „Lärmquellen ausfindig machen“ und wolle „alles dafür tun, zum Wohle der betroffenen Personen Abhilfe zu schaffen“.

Alle betroffenen Personen sollen von der Stadtverwaltung in den nächsten Tagen über die Ergebnisse des Messberichts informiert werden. Zudem werde in Absprache mit dem HLNUG das weitere Vorgehen besprochen.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Stadt, wo auch der Messbericht abrufbar ist. Anfragen zum Thema „tieffrequente Geräusche“ werden vom Umweltamt der Stadt Darmstadt beantwortet, das per E-Mail unter umweltamt@darmstadt.de oder telefonisch unter 0 61 51/13 32 80 zu erreichen ist.

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