Der rund 20 Millionen Euro teure Bau der neuen Gegengerade (re.) wird im Herbst beendet. Als nächstes soll die alte Haupttribüne abgerissen werden.
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Der rund 20 Millionen Euro teure Bau der neuen Gegengerade (re.) wird im Herbst beendet. Als nächstes soll die alte Haupttribüne abgerissen werden.

Darmstadt

Darmstadt: Bölle-Umbau wird immer teurer

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Stadt und das Land Hessen erhöhen die Bürgschaften für die Erneuerung des Fußballstadions am Böllenfalltor in Darmstadt, weil das Großprojekt immer mehr Geld kostet. 

  • Kosten für Umbau des Stadions am Böllenfalltor in Darmstadt steigen auf fast 47 Millionen Euro
  • Stadtparlament in Darmstadt stimmt mit großer Mehrheit weiterer Rückbürgschaft zu
  • Heimspielstätte des SV Darmstadt 98: Steuerzahler übernehmen mehr als die Hälfte der Umbaukosten

Update vom Samstag, 27. Juni, 12:40 Uhr: Der weitere Umbau des Fußballstadions am Böllenfalltor in Darmstadt wird sich weiter verteuern. Zunächst waren Kosten in Höhe von 28,5 Millionen Euro kalkuliert worden. Im Herbst 2018 hatte sich das Großbauprojekt des Zweitligisten SV Darmstadt 98 bereits um 40 Prozent auf rund 40,5 Millionen Euro verteuert. Nun ist von einer möglichen Kostensteigerung um weitere sechs Millionen Euro die Rede.

Darmstadt: Große Mehrheit für weitere Rückbürgschaft

Mit großer Mehrheit haben die Darmstädter Stadtverordneten am Donnerstagabend beschlossen, dass die Stadt eine weitere Rückbürgschaft in Höhe von maximal anderthalb Millionen Euro gegenüber dem Land übernimmt, um die Gesamtfinanzierung des Projekts sicherzustellen. Insgesamt bürgen Land und Stadt mit neun Millionen Euro für das Projekt.

Gegen eine entsprechende Magistratsvorlage, über die nicht diskutiert wurde, stimmte nur die Fraktion Uwiga. Die AfD und ein früheres Mitglied ihrer Fraktion enthielten sich der Stimme. 

Darmstadt: Kosten für Bölle-Ausbau steigen immer weiter

Im November 2017 hatte die Stadt beschlossen, der SV 98 Stadion GmbH für den Umbau des in die Jahre gekommenen Fußballstadions einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von höchstens 18,5 Millionen Euro zu gewähren. In der Summe war eine Zuwendung des Landes in Höhe von 3,5 Millionen Euro bereits eingerechnet. Zudem wurde seinerzeit beschlossen, eine städtische Bürgschaft an die Stadiongesellschaft des Sportvereins von bis zu fünfeinhalb Millionen Euro zur Absicherung des Finanzierungsanteils auszugeben.

Mitte Mai 2018 wurde dann laut der Magistratsvorlage beschlossen, eine Rückbürgschaft in Höhe von vier Millionen Euro gegenüber dem Land Hessen zu dessen der Stadion GmbH gewährten Ausfüllbürgschaft in Höhe von acht Millionen Euro zu übernehmen.

Steuerzahler übernimmt mehr als die Hälfte der Umbaukosten

Zudem beschloss die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung im August 2018 auf der Grundlage der damals bekannten Mehrkosten einen weiteren Investitionskostenzuschuss an die Stadiongesellschaft in Höhe von maximal sechs Millionen Euro sowie eine weitere Rückbürgschaft in Höhe von bis zu dreieinhalb Millionen Euro. Das entsprach der Hälfte der vom hessischen Finanzministerium gewährten Ausfallbürgschaft in Höhe von bis zu sieben Millionen Euro.

Laut der von Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) und Stadtkämmerer André Schellenberg (CDU) unterzeichneten Magistratsvorlage soll der in den vergangenen Monaten erfolgte Neubau der Gegengerade im Herbst 2020 abgeschlossen sein. Auch die Umbaukosten für die Gegengerade haben sich inzwischen auf rund 20 Millionen Euro verteuert. Vorgesehen ist nun, die marode Haupttribüne abzureißen und diese in dem nun geplanten zweiten Bauabschnitt zu ersetzen.

Darmstadt: Bewirtungsbereich im Bölle wird verkleinert

Um dem „allgemeinen Trend der erheblich angestiegenen und weiter ansteigenden Baukosten entgegen zu treten“ seien Verlauf des Planungsprozesses bereits Kostenreduzierungen erfolgt, heißt es in der Magistratsvorlage. So soll etwa der Bewirtungsbereich verkleinert und auf eine Vollklimatisierung verzichtet werden.

Der Umbau der Haupttribüne ist laut Partsch und Schellenberg „planerisch bereits weit fortgeschritten“. Eine länger andauernde Verzögerung des Umbaus der Haupttribüne hätte „spätestens bei einer Öffnung des Spielbetriebs für das Publikum erhebliche Folgekosten“, weil die bestehende Haupttribüne dann in Teilgewerken ertüchtigt werden müsste, warnen die beiden hauptamtlichen Magistratsmitglieder. Ein „wirtschaftlicher Mehrwert“ sei dabei aber „dauerhaft nicht zu erzielen“, so der OB und der Stadtkämmerer.

OB und Kämmerer: Weitere Zuschüsse für Bölle-Umbau nicht möglich 

Nach der Erhöhung der Bürgschaftssumme sei ein weiterer Investitionskostenzuschuss für den Umbau des Bölle – unabhängig von weiteren nicht absehbaren Kostensteigerungen – „nach wie vor nicht vorgesehen“. Im Rahmen der beihilferechtlichen Vorgaben für die investive Förderung von Sportinfrastrukturmaßnahmen sei dies auch „nicht möglich“, so OB Partsch und Stadtkämmerer Schellenberg.

Bölle-Umbau in Darmstadt: Abriss der Haupttribüne beginnt im Sommer

Ein Sprecher des SV Darmstadt 98 teilte mit, es nun vorgesehen, im Sommer mit dem Abriss der dann fast 45 Jahre alten Haupttribüne zu beginnen.

Mit dem Stadionumbau soll die Platzkapazität im Böllenfalltor-Stadion von bisher rund 17.400 Plätzen auf 18.600 erhöht werden. Davon sollen mit 9500 mehr als die Hälfte Stehplätze sein. Anfang 2018 hat der SV Darmstadt 98 mit seiner Stadiongesellschaft das Bölle in Erbpacht von der Stadt Darmstadt übernommen.

Millionenloch am Böllenfalltor: Die Lilien sind laut Präsident Rüdiger Fritsch „hart getroffen“ von den Folgen der Corona-Pandemie. Es fehlen wichtige Einnahmen und der geplante Umbau der Haupttribüne verzögert sich.

Lilien Darmstadt: Das „Bölle“ wandelt sich

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