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Darmstadt: Wenn der Bestatter mit dem Lastenrad kommt

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Von: Claudia Kabel

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Zum Aktionstag „Flottes Gewerbe“ kamen zahlreiche Interessierte nach Darmstadt.
Zum Aktionstag „Flottes Gewerbe“ kamen zahlreiche Interessierte nach Darmstadt. © Rolf Oeser

Immer mehr Gewerbetreibende setzen auf E-Bikes, die größere Lasten transportieren können. In Darmstadt wurden verschiedene Modelle vorgestellt.

Die meisten Lastenräder kaufen Privatleute, um ihre Hunde zu transportieren, danach für ihre Kinder“, sagt Oliver Claus vom Fahrradladen aus Trebur. Seinen kuriosesten Verkauf tätigte er jedoch an ein Bestattungsunternehmen, das gleich zwei Lastenräder kaufte – auch um Urnen zu transportieren.

Vor dem Hintergrund hoher Spritpreise, knapper Parkplätze, Staus in den Innenstädten und dem Klimawandel kommen immer mehr Gewerbetreibende und Handwerksbetriebe auf den Dreh mit dem praktischen Zwei- beziehungsweise Dreirad – natürlich mit Elektromotor, denn Werkzeugkästen, Weinkisten, elektronische Messgeräte und was man sonst so transportieren will, hat sein Gewicht.

Mit bis zu 450 Kilogramm kann man ein Schwerlastenrad beladen. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen von unterschiedlichen Herstellern. Und obwohl manche der Gefährte mit Containern Ausmaße eines Kleintransporters annehmen, müssen sie kein Nummernschild haben und nicht angemeldet werden, denn sie fahren nur eine Geschwindigkeit von maximal 25 Stundenkilometern. Über Lastenräder fürs Gewerbe informierte am Donnerstag die Berliner Verkehrswendeagentur „Cargobike jetzt“ in Darmstadt mit ihrem Projekt „Flottes Gewerbe“.

Ausprobieren

Über Projekte zu nachhaltiger Mobilität informiert am Mittwoch, 6. Juli, die Hochschule Darmstadt im Rahmen ihrer Thementage zur Nachhaltigkeit im Schauraum neben dem Hochhaus (Schöfferstraße 3) von 11 bis 14 Uhr. Alle Thementagen finden sich unter https://sne.h-da.de/itp/thementage-geben-einblick-in-sne-teilprojekte

Vorgestellt werden unter anderem der lokale Lieferdienst LieferradDA und das in der Entwicklung befindliche Darmstadt-Vehikel für Pendelnde. cka

Lastenradtransport buchen unter: https://lieferradda.de

Infos zu Lastenrädern und ihre Förderung unter: www.cargobike.jetzt

Zum Infotag mit Testparcours lagen 30 Anmeldungen aus unterschiedlichen Branchen vor. Auch Dachdeckerbetriebe, Heizungs- und Sanitär-, Holzbau-, Elektro und Handelsbetriebe hatten sich angekündigt. „Es gibt überall Pioniere“, sagt Mathias Wiemer, Geschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, die gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt und der Stadt „Flottes Gewerbe“ eingeladen hatten.

Auch Marc Schmiedel und Sebastian Beiwinkel schwingen sich probehalber auf verschiedene Lastenradmodelle. Sie führen in Heppenheim die Solarenergie-Firma PBS. „Es passt in die Ideologie unseres Unternehmens“, sagt Co-Geschäftsführer Schmiedel. Im Fuhrpark habe man bereits drei Elektroautos und fahre mit dem normalen E-Bike zu Beratungsterminen innerhalb eines Radius von zehn Kilometern. „Es hat schon Wumms“, urteilt Geschäftspartner Beiwinkel nach der Probefahrt. Er könne sich vorstellen, einen Servicemitarbeiter mit einem solchen Rad auszustatten. Für die Kosten von 5000 bis 12 000 Euro gibt es staatliche Förderungen.

Ein Lastenrad könne zwar nicht alle Autofahrten ersetzen, aber den Fuhrpark ergänzen, sagt Armin Bayer, IHK-Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik. Man sehe einen gewissen Zuspruch im Gewerbe. Alexander Marschall, Inhaber des Darmstädter Weinhandels Vinocentral, ist zum Infotag gekommen, „um zu zeigen, dass die viel beschworene Theorie auch praktisch funktionieren kann“, wie er sagt. Er betreibt seinen Lieferdienst seit knapp drei Jahren mit Lastenrädern – legt täglich bis zu 300 Kilometer zurück. Seine Räder verfügen über sogenannte Wechselcontainer, die per Seilwinde aufgeladen werden, nachdem sie im Lager gefüllt wurden. Den Firmenwagen habe er schon lange abgemeldet, sagt Marschall.

Auch beim lokalen Lieferdienst LieferradDA werden Lastenräder eingesetzt und können gebucht werden, um Waren zu transportieren. Man habe stabile Kundenzahlen, informiert Axel Wolfermann von der Hochschule Darmstadt, die am Projekt beteiligt ist. Auch der EAD hole damit Altglas. Man bräuchte aber mehr Zuspruch, um das Pilotprojekt in ein dauerhaftes Angebot überführen zu können.

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