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Walter Gropius in Darmstadt, Standortsuche auf der Rosenhöhe v.l.n.r. Max Guther, Walter Gropius, Heinz Winfried Sabais, Hans Maria Wingler.

Darmstadt

Die Bauhaus-Vordenker von der Darmstädter Mathildenhöhe

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Eine Ausstellung widmet sich dem Wirken des Bauhaus-Archivs in Darmstadt, für das Walter Gropius schon einen Neubau entworfen hatte

Weiße Häuser mit Flachdächern und Stahlrohrmöbel sind inzwischen zum Inbegriff des Begriffs „Bauhaus“ geworden. In ganz Deutschland und an vielen Orten weltweit wird derzeit an die Gründung der Hochschule für Gestaltung in Weimar im Jahr 1919 erinnert. Doch das Bauhaus war „viel mehr als puristische Architektur und reduziertes Design – sie war Ideenschule und Experimentierfeld zugleich“, wie es in dem vom Bauhaus Verbund herausgegebenen Jubiläumskalender anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Bauhauses heißt. 

Und das Bauhaus hatte eine Vorgeschichte. Es wurde „in Darmstadt vorgedacht“, äußerte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) am Sonntag durchaus selbstbewusst und überzeugt bei der Eröffnung der Ausstellung über das Bauhaus-Archiv im Darmstädter Kunst Archiv. 

Von 1960 bis 1970 wurden Bauhaus-Werke gesammelt

Im Verlauf der Arbeiten am Dossier für die Bewerbung der Mathildenhöhe als Welterbe der Unesco sei noch einmal besonders deutlich geworden, „welch ungeheuer starke und kraftvolle Wirkung diese Initialzündung zur Gründung der Künstlerkolonie durch Großherzog Ernst-Ludwig auf Kunst, Kultur, Bauen und Kunsthandwerk der gesamten Moderne ausgeübt haben muss“, sagte OB Partsch. 

Wie er ausführte, war es nicht zufällig, dass Peter Behrens, einer der bedeutenden Architekten der Künstlerkolonie, später zu einem einflussreichen Lehrer von Bauhaus-Gründer Walter Gropius und dem letzten Bauhaus-Direktor Mies van der Rohe geworden ist. Bereits 1901 hat Behrens sein Haus auf der Mathildenhöhe als Atelier und Wohnhaus in Form eines Gesamtkunstwerks angelegt. Und mit dem Projekt einer gemeinsamen Werkstatt im Ernst-Ludwig-Haus hat Joseph Maria Olbrich „Ideen vorbereitet, die Gropius auf seine Weise dann ab 1925 in Dessau verwirklichte“, so Partsch. 

Die enge Verbundenheit der Jugendstilstadt mit dem Bauhaus erkannte auch Walter Gropius, der schließlich einer Idee des Kunsthistorikers Hans Maria Wingler zustimmte, das Bauhaus-Archiv in Darmstadt einzurichten. In den Jahren von 1960 bis 1970 wurden hier Werke und Dokumente des Bauhauses gesammelt, Vorträge gehalten und verschiedenen Ausstellungen - wie etwa im Ernst-Ludwig-Haus oder in der Kunsthalle – ausgerichtet. 

Auf der Rosenhöhe plante Gropius einen Neubau für das Archiv

Auf der Darmstädter Rosenhöhe – in Sichtbeziehung zur Mathildenhöhe – plante Gropius 1964 einen Neubau für das Archiv mit einem geräumigen Gästehaus neben dem Rosarium. Doch während man noch in Darmstadt versuchte, das Geld dafür zusammenzubekommen, stellte die Stadt Berlin sechs Millionen Mark im Haushalt bereit, so dass das Bauhaus-Archiv schließlich 1970 in die einstige Reichshauptstadt umzog, wo das Archiv-Gebäude mit dem Museum für Gestaltung in veränderter Form bis 1979 am Landwehrkanal realisiert wurde. 

Lesen Sie dazu: Ausstellung zu Bauhaus-Meistern im Landesmuseum Darmstadt

Die Ausstellung, zusammengestellt vom Vorsitzenden des Kunst Archivs, Claus K. Netuschil, mit Unterstützung des Darmstädter Architekturhistorikers Werner Durth und dem Sammler Bernd Frees, dokumentiert die Geschichte des Darmstädter Bauhaus-Archivs anhand von Modellen, Fotos, Zeitungsartikeln und Schriftstücken etwa aus Beständen des Darmstädter Stadtarchivs. Ausgewählte Druckgrafiken von verschiedenen Bauhaus-Meistern wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy sowie originale Dokumente wie Plakate und alle vom Bauhaus herausgegebenen Bücher erinnern zudem an die Gründungszeit des Bauhauses vor hundert Jahren. Den Schwerpunkt der Schau bilden jedoch die Gründung und Einrichtung des Archivs, die Initiativen des Archiv-Gründers Hans Maria Wingler und die Planung des Neubaus auf der Rosenhöhe nach den Entwürfen von Walter Gropius, von dem auch zwei Porträts gezeigt werden.

Die Ausstellung „Bauhaus-Archiv Darmstadt 1960 bis 1970 - Bilanz und weltweite Wirkung“ kann bis 19. Juli im Kunst Archiv in Darmstadt, Kasinostraße 3, dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags bis 18 Uhr besichtigt werden. Eintritt frei.

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