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Darmstadt: Bahnhofsmission wird geschlossen

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Von: Claudia Kabel

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Die Bahnhofsmission in Darmstadt schließt zum 30. Juni 2022.
Die Bahnhofsmission in Darmstadt schließt zum 30. Juni 2022. © privat

Nur noch wenige Hilfsbedürftige nehmen das Angebot des Diakonischen Werks in Anspruch. Es gibt genügend andere Anlaufstellen im Darmstädter Bahnhofsviertel.

Die Nachricht kommt überraschend: Die Bahnhofsmission am Darmstädter Hauptbahnhof stellt ihren jahrzehntelangen Betrieb zum 30. Juni ein. Darauf haben sich der Träger, das Diakonische Werk (DW) Darmstadt-Dieburg, und die Stadt Darmstadt geeinigt.

Der Grund: Das Angebot der Bahnhofsmission werden nur noch sehr wenig von Hilfesuchenden in Anspruch genommen, erläutert Volker Knöll, Geschäftsführer der regionalen Diakonischen Werke in Hessen und Nassau, zu der auch das Diakonische Werk Darmstadt-Dieburg gehört. Dies liege auch daran, „dass das Hilfesystem in Darmstadt über Jahre hinweg gut ausgebaut“ worden sei und es Angebote gebe, die stärker auf die einzelnen Zielgruppen ausgelegt seien.

„Wir würden niemals eine Anlaufstelle wie die Bahnhofsmission schließen, wenn der Bedarf weiter vorhanden wäre“, sagt Nicole Frölich, Bereichsleitung Wohnungsnotfallhilfe beim Diakonischen Werk Darmstadt-Dieburg und ehrenamtliche Stadträtin der Grünen. Zuletzt seien vor allem noch Leute gekommen, um sich einen kostenlosen Kaffee und ein Butterbrot abzuholen. Dies entspreche nicht dem Auftrag der Bahnhofsmission, Menschen aus prekären Lebenssituationen zu helfen.

Bahnhofsmission Darmstadt: Vor allem von Ehrenamtlichen betreut

Auch wenn es schwergefallen sei, „mussten wir erkennen, dass es an der Zeit ist, den Betrieb einzustellen“, sagt Edda Haack, die Leiterin des DW Darmstadt-Dieburg. Die Einrichtung wurde werktags jeweils sieben Stunden von acht Ehrenamtlichen und einer hauptamtlichen Mitarbeiterin betrieben. Diese könnten nun in andere Bereiche wechseln, sagt Frölich.

Ursprünglich entstanden Bahnhofsmissionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Orte der Hilfe und des Schutzes für Mädchen und junge Frauen, die vom Land in die Städte kamen, um dort bezahlte Arbeit und Unterkunft zu finden. Auf sich selbst gestellt, seien sie oft in schwierige, teils gefährliche Lagen wie zum Beispiel Prostitution oder Wohnungslosigkeit geraten, heißt in einer Mitteilung des Diakonischen Werks.

Darmstädter Bahnhofsviertel ist keine Problemzone

„Darmstadt ist zwar eine Großstadt, aber das Bahnhofsviertel ist hier nicht problembehaftet“, führt Frölich aus. In einem Radius von drei Kilometern bestehe ein großes Hilfenetz mit unterschiedlichen Institutionen und Notanlaufstellen. Fußläufig entfernt sei zum Beispiel die Darmstädter Tafel, die unter anderem täglich ein warmes Essen bereithält. Direkt daneben bietet der Verein Horizont aufsuchende Hilfen in der Toleranzzone sowie Beratungs- und Übernachtungsmöglichkeiten an. Für Wohnungslose gibt es direkt am Bahnhof oder in der Nähe drei Übernachtungseinrichtungen.

Hilfsangebote des Diakonischen Werks: www.diakonie-darmstadt.de

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